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Zwei Städte – ein Hafen

Bratislava – Bremerhaven

1.000 Kilometer mit der BLG AutoRail unterwegs

Um zu verstehen, wie die komplexe Logistik hinter der einfachen Idee, einen Neuwagen zu bestellen, funktioniert, hat sich BLG LOGISTICS Autorin Sina Balzhäuser auf den Weg in die Slowakei gemacht. Zwei Tage lang begleitete sie einen Porsche Cayenne auf seiner 1.000 Kilometer langen Bahnreise aus dem VW-Werk Bratislava zum Autoterminal Bremerhaven, Europas großer Autodrehscheibe. Der Cayenne ist eines von 750.000 Fahrzeugen, das die BLG AutoRail jedes Jahr über das Schienennetz befördert.

Unsere Reise beginnt an einem heißen Augusttag. Gemeinsam mit BLG-AutoRail-Geschäftsführer Thomas Bamberg fahre ich nach Bratislava. Die Donau spiegelt sich in unseren Autoscheiben, während wir das Stadtzentrum hinter uns lassen. Wir müssen nicht weit fahren, bis sich ein endlos wirkendes Industriepanorama vor unseren Augen eröffnet. Wir sind angekommen. Auf über zwei Millionen Quadratmetern erstreckt sich das VW-Werk Bratislava, im Stadtteil Devínska Nová Ves.

Jeden Tag werden hier bis zu 1.800 Fahrzeuge produziert, darunter die Marken Seat, Škoda, VW, Audi und Porsche. Vom Motor über das Getriebe bis hin zur Karosserie – alle Teile eines Modells werden in diesem Werk gefertigt und zusammengebaut. Thomas Bamberg hat einen schwarzen Porsche Cayenne in den Blick genommen. Es ist ein besonders ausgefallenes Modell. Der künftige Besitzer kommt aus Südafrika und hat bei der Bestellung einige Wünsche aufgegeben: cremefarbene Ledersitze, spezielle Lackierung der Felgen, goldene Kreuznaht am Lenkrad – der Individualisierung sind kaum Grenzen gesetzt.

Südafrika liegt aber noch eine logistische Meisterleistung entfernt. 80 Prozent aller fertigen Fahrzeuge verlassen das slowakische Automobilwerk auf der Schiene. Bis zu sieben Züge am Tag, jeder Zug bestehend aus 20 Waggons, beladen mit bis zu 240 Fahrzeugen, die in alle Welt gehen. Der Porsche Cayenne hat gerade den letzten Qualitätscheck hinter sich. Langsam rollt er aus dem mit grellen LED-Leuchten ausgestatteten Lichttunnel. Mit einem Handschuh wischt ein Mitarbeiter noch einmal vorsichtig über die Motorhaube – perfekt. Das Licht glänzt auf dem schwarzen Lack und das Fahrzeug gleitet an uns vorbei auf eine Hebebühne. Zwei junge Frauen ziehen einen weißen Transportschutz über den SUV und bekleben die Felgen mit Folie. Die rechte Tür bleibt offen – ein Fahrer muss noch einsteigen und den Rechtslenker zu seiner nächsten Station bringen: der Bahnbeladung.

„Wir beladen hier 600 Waggons in einer Woche”, erklärt Daniel Pavlačka, „500 davon sind von der BLG. Jede Woche gehen also gut 5.000 Neuwagen in die Verantwortung der BLG”, weiß der VW-Transportchef. An sieben Beladezonen rollen die Fahrzeuge auf doppelstöckige Waggons. Auch unser Porsche steht auf so einem Waggon, als die kleine Elektrolok ihn vom Werksgelände weiter Richtung Bahnhof zieht.

Am Bahnhof angekommen, wird die kleine gegen eine große Elektrolok für die lange Strecke getauscht, die Frachtbriefe und Autoschlüssel an den Lokführer übergeben und die Weiche auf Abfahrt gestellt. Aber noch kann es nicht losgehen. Wir warten auf die Fahrerlaubnis durch die slowakische Eisenbahngesellschaft. Da springt die Tür am kleinen Bahnhofsgebäude auf und Tibor Sčepanek tritt mit seiner roten Dienstmütze in die Abendsonne. Er gibt den Fahrbefehl und die große Lokomotive setzt sich samt Waggonanhang in Bewegung.

Wir nehmen langsam Fahrt auf und werden immer schneller. Bewegen uns entlang der österreichisch-slowakischen Grenze Richtung Norden, verlassen die Slowakei und fahren weiter. Es geht quer durch Tschechien, von Südosten, vorbei an Brünn, später an Prag, Richtung Nordwesten. Nach mehreren Stunden erreichen wir Děčín. In der Stadt befindet sich der wichtigste Eisenbahngrenzübergang zwischen Tschechien und Deutschland. Und auch wir wollen hinüber und unserem Ziel Bremerhaven ein Stück näher kommen. Aber erst morgen. Auf dem Bahnhof, nah der Elbe, bleibt unser Zug die Nacht über und wir haben Zeit zum Verschnaufen.

 

Kurz nach Sonnenaufgang setzen wir die Reise fort. Eine halbe Stunde Fahrtzeit später verändert sich die Landschaft um uns. Wir fahren durch grüne Wälder, aufgereiht an den Berghängen, die die Elbe säumen. Die Sächsische Schweiz, der deutsche Teil des Elbsandsteingebirges, ist der landschaftliche Höhepunkt unserer Reise. Die Umgebung fließt stetig an uns vorbei. Gut, dass unsere voll beladenen Waggons nicht schneller als 100 Kilometer pro Stunde fahren können. Wir beneiden die Personenzüge nicht, die an uns vorbeiziehen.

Der Tag ist noch nicht weit fortgeschritten, als wir in Falkenberg/Elster ankommen. Die Hitze flimmert über den insgesamt 40 Gleisen. Dieser historische Bahnhof, der 1848 erstmalig in Betrieb genommen wurde, gehört BLG RailTec, der Tochtergesellschaft der BLG AutoRail. Hier werden Ganzzüge entkoppelt und je nach Bestimmungsort neu zusammengestellt. Ganze zwölf Ziele werden aus Falkenberg angesteuert. Wir kommen auf einem gemischten Zug an. „Gemischt mit unterschiedlichen Fahrzeugen und Marken, die ganz verschiedene Ziele haben”, erklärt uns Maria Nahrstedt, die in Falkenberg den Betrieb leitet. Unser Ziel heißt Bremerhaven. Sechzehn Waggons sind in den letzten Stunden schon angekommen und stehen zur Abfahrt bereit. Unsere müssen noch angekoppelt werden. Zurückfahren, Stellung der Weiche an das Weichenhäuschen durchfunken, Weiche umstellen, vorfahren, Waggons abkoppeln, Waggons ankoppeln, zurückfahren …

 

Wir steigen ab, bevor uns schwindelig wird, und lassen Lokführer, Weichensteller und Wagenmeister ihre Arbeit machen. Im Büro von Maria Nahrstedt verstecken wir uns vor der Mittagshitze. „Falkenberg/Elster ist Verteilerzentrum und Drehkreuz für Automobilverkehre aus den osteuropäischen Werken zu den westeuropäischen Zielbahnhöfen”, erklärt sie. „Die Gleisanlage ist 25 Kilometer lang, auf ihr können bis zu 700 Waggons rangiert werden.”

Mit noch einer weiteren Dienstleistung hat sich die BLG AutoRail mit ihrer Tochtergesellschaft BLG RailTec in Falkenberg einen Namen gemacht. Hier befindet sich eines der modernsten Waggonservicezentren Europas. „Natürlich sind die Waggons auch mal defekt oder benötigen Wartungsarbeiten. Wir führen große Revisionen oder Reparaturen durch”, sagt Maria Nahrstedt. An unserem Zug sind diese heute nicht fällig. Wir warten bis zum nächsten Tag, bevor planmäßig der letzte Teil seiner Reise beginnt.

Es dauert weitere 10 Stunden, bis wir unser Ziel erreichen. Mehr als zwei Tage sind wir jetzt unterwegs. Die Sonne steht tief, als die Lok der Hafenbahn die 20 Waggons in den Bremerhavener Kaiserhafen zieht. Supervisor Christian Klawitter hat heute Spätschicht und ist dafür verantwortlich, dass auf den letzten Metern alles funktioniert. Der erste Bus mit Fahrerinnen und Fahrern trifft am Gleis ein. Eine Fahrerin springt als Erste heraus und klettert an der kleinen Leiter auf den Bahnwaggon. Ich schaue zu Thomas Bamberg; er grinst, als die Frau auf der rechten Seite in einen mit weißer Hülle überzogenen SUV steigt. Waggonnummer 15, erster Stellplatz oben. So ist es auf dem Frachtbrief aus Bratislava vermerkt. Für unseren Cayenne geht es jetzt auf festen Boden. In der Checkschleuse überprüfen zwei Mitarbeiter, ob das Fahrzeug die Reise gut überstanden hat. Ein Gang um den SUV – alles in Ordnung. Mit einem kurzen Piepen bestätigt der Scanner, dass der Barcode in der Windschutzscheibe zugeordnet werden kann. Der Drucker spuckt noch ein Etikett aus und es geht auf die Fläche. „Wir stauen alle Fahrzeuge, die mit dem nächsten Schiff nach Südafrika gehen, zusammen”, erklärt Christian Klawitter. Auf dem BLG AutoTerminal darf der Porsche erste Seeluft schnuppern. In wenigen Tagen wird es auf dem Schiff weitergehen. Von Bremerhaven raus auf die Nordsee, durch den Ärmelkanal, den Nordatlantik und dann weiter südlich bis nach Kapstadt, wo ihn sein Besitzer in Empfang nehmen wird.

 

Urheber: BLG LOGISTICS
Autorin: Sina Balzhäuser
Fotograf: Hauke Dressler

Videofilm
www.youtube.de
Channel: BLG LOGISTICS
„1.000 km mit der BLG AutoRail unterwegs“