x
Zwei Städte – ein Hafen

Columbusbahnhof im Wandel der Zeit

Vergangenheit

50er-Jahre-Pracht im Foyer des verlassenen Columbusbahhofs

Der Columbusbahnhof auf der gleichnamigen Insel hat eine Geschichte, die bis in das vorletzte Jahrhundert zurückreicht. Dort, an der Kaiserschleuse, wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts in der für diese Zwecke errichteten Lloydhalle der überseeische Fahrgastverkehr abgewickelt. Nach dem ersten Weltkrieg genügte der Lloydbahnhof nicht mehr den Anforderungen. Die großen Transatlantikliner des Norddeutschen Lloyd, wie etwa die COLUMBUS oder die 1926 in Auftrag gegebenen BREMEN und EUROPA, benötigten größere Anlagen. So entschlossen sich die Verantwortlichen zum Bau eines neuen Terminals an einer direkt an der Weser gelegenen Stromkaje. Die Bauarbeiten an der 900 Meter langen Stromkaje zogen sich von 1924 bis 1928 hin. Am 20. August 1928 wurde die nach dem damals größten Lloyddampfer benannte Columbuskaje in Betrieb genommen. Die Bauten im zeitüblichen Bauhausstil umfassten nicht nur seeseitige Abfertigungsanlagen, sondern auch einen Gleisanschluss in Gestalt des Columbusbahnhofs. So konnten die Reisenden aus dem Zug, der sie aus dem Landesinneren nach Bremerhaven gebracht hatte, direkt auf ihr Schiff umsteigen. Diese leistungsfähige und auch ihrem Zweck entsprechend repräsentative Anlage wurde im September 1944 durch Bomben zerstört. Nach dem Krieg nahm der Transatlantikverkehr ab Bremerhaven einen erneuten Aufschwung: Truppentransporter der US-amerikanischen Besatzungs- und Schutzmacht, aber auch zivile Passagierschiffe für deutsche Auswanderer, die ihrer zerstörten Heimat den Rücken kehrten, zählten um 1950 zu den häufigen Besuchern Bremerhavens. In den 1950er Jahren entstand ein Gebäudeensemble mit Zoll und Abfertigungshalle, Restaurant und einem formschönen Rundbau.

 

Gegenwart
Der Passagierverkehr über den Atlantik blieb dann doch eine Episode in der langen Geschichte der bremischen Häfen. Denn in den 1960er Jahren erwies sich das Flugzeug als übermächtige Konkurrenz. Wegen des dramatischen Rückgangs des Passagierverkehrs erwies sich die Kapazität der Gesamtanlage als viel zu groß. So wurde der südliche Teil abgerissen und wich einem Stückgutterminal, der im September 1975 in Betrieb ging. Die Fahrgastanlage von 1962 wird heute nach dem Umbau zu Beginn des Jahrhunderts als Columbus Cruise Center betrieben. In dem großen einstigen Mittelbau des Columbusbahnhofs wurde in einem kleinen Teil noch viele Jahre eine Gaststätte betrieben. In einem oberen Stockwerk zur Weserseite hatte der Hafenkapitän seine Büros. Seit dem kürzlich erfolgten Umzug in das benachbarte Bürogebäude steht der Columbusbahnhof inzwischen leer. Und doch erfüllt das Gebäude noch wichtige Funktionen für den Betrieb des Kreuzfahrtterminals: Erforderliche Flucht- und Rettungswege führen vom Südende des Nordflügels durch den Mittelbau ins Freie und sind unverzichtbar als Entfluchtungskonzept der Fahrgastanlage. Technische Versorgungsanlagen im Untergeschoss gewährleisten die Sicherstellung der technischen Gebäudeausrüstung vom Kreuzfahrtterminal. Der bauliche Zustand ist ungenügend, so dass ein dringender Handlungsbedarf besteht. Für viele Bremerhavenerinnen und Bremerhavener wird ein Neubau an Stelle des Columbusbahnhofs auch ein Stück Abschied von einer Institution bedeuten. Denn das Gebäude war viele Jahre auch ein Ort für wichtige Feiern. Ob Abiball oder Silvesterparty: Die Räumlichkeiten boten beste Bedingungen für Feste vieler Art. Das bislang letzte wiederum hat einen Bezug zu bremenports: Anlässlich des letzten Betriebsfestes empfing ein Shantychor die Belegschaft. Passender Ort für die Gesangseinlage: Die vom Volksmund so getaufte „Harald Juhncke-Showtreppe“.

Die Zukunft

Robert Howe (Geschäftsführer von bremenports) auf der Abendveranstaltung zum Thema Kreuzfahrt

Kreuzfahrt in Bremerhaven: Das hat sich in den vergangenen Jahren zu einer großen Erfolgsgeschichte entwickelt. Im Jahr 2018 wurden mehr als 230.000 Passagiere abgefertigt, etwa vier Mal so viele wie noch vor fünf Jahren. Damit hat Bremerhaven Anteile in dem dynamisch wachsenden deutschen Markt gewonnen. So steht es in einer Studie, die das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) im Auftrag von bremenports GmbH und Co. KG, der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven und dem Magistrat der Stadt Bremerhaven erarbeitet hat. Bei bremenports wurde das Thema eng begleitet von der Abteilung Hafenentwicklung und hier von Elena Erdmann. Das ISL hat herausgefunden, dass der Kreuzfahrtbetrieb im Jahr 2018 einen Umsatz von knapp 15 Mio. direkt in die Kassen Bremerhavener Unternehmen gespült hat. Kreuzfahrttouristen sind in Bremerhaven gern gesehene Gäste in den Hotels, Restaurants, den touristischen Attraktionen und dem Einzelhandel. Nicht übersehen werden darf dabei, dass der Betrieb des CCCB mittlerweile zu einer eigenen Attraktion Bremerhavens geworden ist. Ein Besuch auf der Besucherempore wenn die Kreuzfahrtschiffe anlegen, zeigt das große Interesse am „Schiffegucken“. Und die Grenzen des Wachstums sind noch nicht abzusehen. Denn auf dem Weltmarkt der Kreuzreisen zeichnet sich auch künftig ein Wachstum ab. An Grenzen allerdings stößt absehbar das Kreuzfahrtterminal. Angesichts der Größenentwicklung der Schiffe, die Bremerhaven künftig anlaufen werden, besteht die Sorge, dass das CCCB-Terminal in seiner jetzigen Form an Kapazitätsgrenzen stößt. Und hier kommt erneut bremenports ins Spiel: Denn die ersten Planungsüberlegungen für einen Erweiterungsbau auf der Columbusinsel sind zu Papier gebracht. Auf einer großen Abendveranstaltung zu den Ergebnissen der Studie berichtete Geschäftsführer Robert Howe, was nach Abbruch des alten Columbusbahnhofs entstehen könnte: „Wir möchten an der Stelle des alten Columbusbahnhofs ein neues Multifunktionsgebäude errichten. Die Eingangshalle für die Kreuzfahrer soll dann künftig Richtung Neuer Hafen ausgerichtet sein. Dazu kommen ein integriertes Parkhaus und mehrere Etagen für eine Büronutzung.“ Die Pläne stoßen sowohl bei der Stadt Bremerhaven, als auch beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen und bei der Wirtschaft in Bremen auf ungeteilte Zustimmung. Doch bevor die Planungen richtig starten können, muss erst einmal die künftige Landespolitik grünes Licht für eine Neubauplanung geben.