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Maritime Vielfalt

Containerentwicklung in den bremischen Häfen

So ein bisschen stolz sind sie schon, die Hafenleute in Bremen. Denn der erste Container, der in Deutschland entladen wurde, landete nicht in Hamburg, sondern auf bremischem Boden. Und zwar im Überseehafen, dort, wo inzwischen ein neuer Stadtteil entsteht. Insofern verdankt auch die Überseestadt ihre Existenz letztlich der Entwicklung des Containers. Denn für die immer größeren Schiffe, die mit dem Containerboom entstanden, war die Weser bis Bremen nicht tief genug und der Überseehafen ungeeignet. Deshalb entschied der Senat, dass an der Außenweser in Bremerhaven eine neue Stromkaje entstehen soll. Von der politischen Entscheidung bis zum Baubeginn dauerte es in den sechziger Jahren gerade mal zwei Jahre: Paradiesische Zeiten für Infrastrukturentwicklungen.
Mit dem Container startete in Bremerhaven eine rasante Entwicklung, die vor 10 Jahren mit der Fertigstellung des CT 4 einen weiteren Höhepunkt fand. Bremerhaven war endgültig zu einem führenden europäischen Hafen geworden.

 

Die Bildergeschichte erzählt die Chronologie dieses Aufstiegs: 

1956 Der US-amerikanische Spediteur Malcolm McLean entwickelt den Container und schickt die ersten Stahlkisten auf dem umgebauten Frachter „Ideal X“ von Newark in Richtung Texas.

6. Mai 1966 Erstmals wird ein Container auf deutschem Boden gelöscht. Er stammt von dem US-Frachter „Fairland“ der Reederei Sea-Land und wird mit einem Bordkran im Bremer Überseehafen an Land gesetzt.

1966 Im Jahr 1 der Containerzeitrechnung werden in den bremischen Häfen knapp 17 000 TEU umgeschlagen.

1967 Inbetriebnahme der ersten Containerbrücke im Neustädter Hafen in Bremen.

1967 Häfensenator Georg Borttscheller betraut das Hansestadt Bremische Amt mit den Planungen für den Bau einer Stromkaje mit vorerst zwei Liegeplätzen auf dem Gelände des Spülfeldes nördlich der Nordschleuse in Bremerhaven.

Februar 1968 Erster Spatenstich für den Bau des heutigen Container-Terminals I.

1968 Beginn des Containerumschlags im Bremerhavener Nordhafen mit einer neuartigen Containerbrücke von Kocks.

1968 Der Norddeutsche Lloyd, Bremen und die Hapag, Hamburg, schließen ihre Nord-Atlantik- Linien zusammen und eröffnen einen gemeinsamen Vollcontainerdienst nach New York. Flaggschiff ist das erste deutsche Vollcontainerschiff, die 13 382 BRT große „Weser Express“.

1970 Der Norddeutsche Lloyd und die Hapag fusionieren. Die Hapag-Lloyd AG zählt heute weltweit zu den Top 5 Containerreedereien und ist einer der großen Kunden an der Stromkaje in Bremerhaven.

1971 Im April geht der erste Liegeplatz mit einer Länge von 240 Metern in Betrieb, im September wird auch der zweite Liegeplatz mit 260 Metern Länge fertig gestellt.

1977 100-jähriges Jubiläum der BLG Bremer Lagerhaus-Gesellschaft.

1978 Die Stromkaje wird um einen weiteren Liegeplatz und 582 Meter Richtung Süden erweitert.

1979 Nach Abschluss der Süderweiterung wird umgehend mit der Verlängerung der Kaje um 630 Meter Richtung Norden begonnen.

1. August 1980 Die Containerkaje erhält den offiziellen Namen Container-Terminal „Wilhelm Kaisen“.

Sommer 1982 Einweihung des ersten Liegeplatzes am CT II.

1986 Die Marke von einer Million TEU wird geknackt.

1990 Der Senat der Freien Hansestadt Bremen beschließt, die Stromkaje in Bremerhaven erneut zu erweitern. Der Container-Terminal III soll 700 Meter lang werden und zwei Liegeplätze für Großcontainerschiffe bieten.

1992 Beginn der Bauarbeiten für den Container-Terminal III.

1995 Erste geheime Gespräche zwischen den Umschlagunternehmen BLG Logistics Group (Bremen) und Eurokai (Hamburg) über eine mögliche Fusion der Containeraktivitäten.

1997 Fertigstellung des ersten neuen Liegeplatzes am Container-Terminal CT III, der mit drei Super-Post-Panmax-Containerbrücken ausgerüstet ist. Mit ihnen können bis zu 18 Container nebeneinander an Deck gestaut werden.

1999 Die BLG Logistics Group und Eurokai fassen ihre Containeraktivitäten in der Eurogate Gruppe zusammen. Der Hauptsitz des größten europäischen Umschlagunternehmens wird Bremen. Damit übernimmt Eurogate auch den Betrieb der Container-Terminals an der Stromkaje.

1999 Der Betrieb des Container-Terminals III wird von NTB North Sea Terminal Bremerhaven übernommen, ein Gemeinschaftsunternehmen von Eurogate und der größten Containerreederei der Welt, der dänischen Maersk Line.

1999 Fahrrinnenanpassung der Außenweser auf 14 Meter (Seekartennull). Die tideunabhängige Erreichbarkeit der Kaje liegt bei etwa 12,80 Meter.

November 1999 Maersk übernimmt die US-amerikanische Reederei Sea-Land Corporation. Das Unternehmen wird anschließend unter dem Namen Maersk Sealand, von 2006 an unter Maersk Line geführt. Damit verschwindet ein Name vom Markt, der unverrückbar mit der Entwicklung der Containerschifffahrt verbunden ist.

Dezember 2000 Die ersten vier von acht bestellten Super-Post-Panmax-Containerbrücken aus China treffen in Bremerhaven ein. Die Ausleger überspannen 23 Containerreihen an Deck. Damit können die zukünftigen Mega-Carrier mit über 10 000 TEU Stellplatzkapazität abgefertigt werden.

30. März 2001 Niedersachsen, Hamburg und Bremen einigen sich auf Wilhelmshaven als Standort für einen Tiefwasser-Containerhafen in der Deutschen Bucht. 2002 entscheidet sich Hamburg gegen eine Beteiligung, während Bremen und Niedersachsen das Projekt weiter verfolgen.

Oktober 2001 Erster Rammschlag durch Häfensenator Josef Hattig für die Verlängerung der Containerkaje um weitere 340 Meter.

2002 150-jähriges Jubiläum der BLG Logistics Group.

2002 Erstmals werden in den bremischen Häfen mehr als drei Millionen TEU umgeschlagen.

November 2003 Einweihung des Erweiterungsprojektes Container-Terminal IIIa, das wie das CT III von NTB betrieben wird. Damit verfügt die gesamte Containerkaje jetzt über eine Länge von 3237 Meter und zehn Liegeplätze.

2004 Eurogate gründet mit der zweitgrößten Containerreederei der Welt, der Mediterranean Shipping Company (MSC), das Joint Venture MSC Gate, das von Herbst 2004 an den Südbereich des Terminals für MSC-Schiffe betreibt.

November 2004 Erster Spatenstich durch Häfensenator Dr. Peter Gloystein zum Bau der letzen Ausbaustufe des Container-Terminals Bremerhaven. Das Investitionsvolumen für den 1681 Meter langen Bauabschnitt liegt bei 500 Millionen Euro.

2006 Der Container feiert 50. Geburtstag. Weltweit sind mittlerweile rund 100 Millionen der bunten Boxen unterwegs. Die Containerisierung gilt heute gemeinhin als Wegbereiter der Globalisierung.

März 2006 Eurogate erhält den Zuschlag für den Betrieb des zukünftigen Tiefwasser-Containerhafens JadeWeserPort in Wilhelmshaven.

Juni 2006 Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für die Fahrrinnenanpassung der Außenweser, damit Containerschiffe mit deutlich größerem Tiefgang Tide unabhängig ein- und auslaufen können.

September 2006 Nachdem die Wendestelle vor der Stromkaje eigens auf 600 Meter verbreitert wurde, läuft erstmals die „Emma Maersk“, das größte Containerschiff der Welt, Bremerhaven an. Der Koloss hat eine Länge von fast 400 Metern und eine Kapazität von rund 13 000 TEU.

20. Oktober 2006 Inbetriebnahme des ersten Liegeplatzes am Container-Terminal 4 durch den Betreiber NTB.

2007 Die bremischen Häfen steigern den Containerumschlag um 10,4 Prozent auf 4,9 Millionen TEU. Seit 2000 ist damit das Containervolumen um fast 90 Prozent gestiegen.

September 2008 Fertigstellung und Einweihung des Container-Terminals 4 – ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Die gesamte Stromkaje verfügt damit über 14 Liegeplätze, 4918 Meter Länge und eine Kapazität von etwa sieben Millionen TEU.

2012 Kurz nach der Fertigstellung des CT 4 trifft eine Wirtschaftskrise den globalen Handel. Bremerhaven erholt sich schneller als andere Standorte vom Einbruch des Containerhandels und schreibt im Jahr 2012 mit 6,1 Mio. TEU einen neuen Umschlagsrekord.

2018 Platz für die ganz großen. Und die werden immer mehr. 400 Meter lang sind die Schiffsriesen der Triple-E-Klasse. Und während die erste Generation der Containerschiffe gerade mal 1000 Blechboxen transportieren konnten, tragen die Giganten der Meere heute bis zu 14.000 TEU.