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bremenports intern

Das Große 1x1 der Hafenentwicklung

Zahlen, Fakten und Prognosen als Voraussetzung für politische Entscheidungen / Neue Analyse zum  Seehafenhinterlandverkehr im Herbst.

Jan Janssen, Mitarbeiter Entwicklungsvorhaben

Zahlen, Zahlen, Zahlen. Dem einen sind sie ein Graus. Die anderen haben Freude dar­an. Freude, mit ihnen zu arbeiten. Zu dieser Sorte Arbeitsmensch gehört ohne Zweifel Jan Janssen. Wer wissen will, wie es um die bremischen Häfen steht, der ist bei ihm an der richtigen Adresse. Mir machen Zahlen schon immer Spaß. Und so bin ich in diese Rolle reingewach­sen,“ sagt er.

Zahlen werden gerade im Hafenbereich immer gebraucht. Planer, Presse, Politik, alle wollen Zahlen. Denn Zahlen spiegeln Realität. Zumin­dest wenn man Antwort auf elementare Fragen sucht: Wie geht es unseren Häfen? Wie ist das mit den Autos, den Contai­nern? Schwächelt die Windenergie? Wie viele Güter werden über die Schiene trans­portiert? Wie viele über die Straßen? Was bedeutet dies für die Hafeneisenbahn? Was für den neuen Hafentunnel? Und wie wichtig sind die bremischen Häfen für die Wirtschaft? Wie viele Arbeitsplätze hängen am Ha­fen?

All das weiß Jan Janssen. Doch er guckt nicht nur auf das Hier und Heute. Mindestens genauso spannend sind Prognosen. Denn der Blick in die Glaskugel kann Millionen Euro in Bewegung setzen. Auf der Basis von Umschlagprognosen werden Investitionen in die Infrastruktur geplant und be­schlossen, die oftmals  erst ein Jahrzehnt nach der Prognose fertiggestellt sind. Und da kann eine Weltwirtschaftskrise, ein bösartiges Virus oder ein irrlichtern­der Präsident alle schönen Vorhersagen längst ad absurdum geführt haben. Aber darf kann man deshalb auf Progno­sen verzichten? Natürlich nicht. Zahlen sind das A und O der Hafenentwicklung und für politische Entscheidungen unver­zichtbar. Und so treffen sich am Arbeitsplatz von Jan Janssen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zur munteren Analyse. Denn richtig interessant sind die Zahlen erst, wenn sie übersetzt werden und den Blick für die Realität schärfen. Und die ist bekanntlich auch für die bre­mischen Häfen derzeit nicht nur positiv.

Wurde vor einem knappen Jahrzehnt in der Seeverkehrsprognose des Bundes noch prognostiziert, dass sich der Welt­handel dynamisch weiterentwickelt und der Containerumschlag sich binnen 20 Jahren in etwa verdoppelt, sieht die Reali­tät heute dann doch anders aus. Und da hilft dann der isolierte Blick auf das Hafengeschehen im Land Bremen nicht weiter. Hier stellen sich ganz andere Fragen: Wie ist die Wettbewerbssituation? Wie agieren die Reeder? Wie entwickeln sich Standorte in Südeuropa und in Polen? Was tut sich im Hinterland der bremi­schen Häfen? Analysen, die zwingend erforderlich sind, um auf Entwicklungen reagieren zu kön­nen. Und welche Entwicklungslinien zeichnen sich bei einer solchen Betrachtung ab? Auch diese Analysen erstellt Jan Janssen gemeinsam mit den Kolleginnen und Kol­legen. Und da kommt dann heraus, dass die Wettbewerbssituation unter den Seehäfen einem zunehmenden Wandel unterliegt. Bislang ging der Blick vor allem nach Rot­terdam und Antwerpen (und ein bisschen natürlich auch nach Hamburg und Wil­helmshaven), inzwischen gibt es jedoch neue Entwicklungen. Im ohnehin schon stark umkämpften Con­tainersegment nehmen die polnischen Seehäfen eine neue Rolle ein, weil sie über direkte Containerliniendienste verfügen. In der Südrange, im Mittelmeer, vergrö­ßern die Häfen Koper und Triest ihr Ein­zugsgebiet beständig. Ihre Aktivitäten weiten sich auch zuneh­mend auf den Automobilbereich aus, wo­durch sie in Konkurrenz zu den etablierten Akteuren aus der Nordrange treten. Und stark stellen sich auch Algeciras und der griechisch-chinesische Hafen in Piräus auf.

Beim Automobil zeichnen sich noch ganz andere Themen am Horizont ab: Wie entwickelt sich die deutsche Autoin­dustrie mit den zukünftigen Technologien. Bleibt das Auto ein Treiber des deutschen Exports? Große Themen, auf die auch aktive Hafen­entwicklung nur begrenzten Einfluss neh­men kann. Umso wichtiger, dass die bremischen Häfen, alle Möglichkeiten nutzen, um beim Wettbewerb der Standorte in der Spitzengruppe der europäischen Häfen konkurrenzfähig zu bleiben. „In Zukunft,“ sagt Jan Janssen „werden neben dem Preis auch weitere Parame­ter, wie eine gute Hinterlandanbindung, Umweltaspekte und eine 100%ige Hafenverfügbarkeit die Hafenwahl der Reedereien und Logistikunternehmen beeinflussen.“

Mit Spannung wird deshalb die aktuelle Untersuchung der Seehafenhinterlandverkehre erwartet, in der in zahlreichen Tabellen und Grafiken dargestellt ist, wie sich das gesamte Ladungsaufkommen in den vergangenen Jahren regional entwickelt hat. Im Herbst wird das von der Senatorin für Wissenschaft und bremenports beauftragt Zahlenwerk vorgestellt. Neue Analysedaten, die helfen, wichtige mit denen wichtige Weichen für die Zukunft der Hafenentwicklung zu stellen.