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2021/5 | Maritime Vielfalt

Das letzte Kleinod: Theater erzählt Geschichte der Auswanderung

Es ist ein Gebäude, das für Abschied und Ankommen steht, für Wehmut und Wiedersehensfreude. Hier wurden rauschende Feste gefeiert und einsame Momente durchlitten: Der Columbusbahnhof ist ein wahrhaft historischer Ort. Zugleich ist es ein Gebäude, das aus der Zeit gefallen ist. Eine Nachnutzung ist nicht möglich, die Gebäudetechnik ist marode. Und nachdem der Hafenausschuss die Planungsmittel für einen Neubau an dieser Stelle freigegeben hat, steht das Ende bevor. Darf man ein Stück Geschichte ohne Wimpernzucken mit der Abrissbirne beseitigen? Nein. Sie bedarf der wertschätzenden Erinnerung. Und wer könnte dies besser inszenieren als die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“.

Beheimatet in der Cuxhavener Provinz hat die freie Theaterbühne in den letzten 30 Jahren international eine Vielzahl historischer Plätze bespielt und so die Vergangenheit zurück in die Gegenwart geholt.

Zuletzt waren die Theaterleute im Braunkohlebergbau in der Lausitz unterwegs. Das Heute Journal widmete der Inszenierung einen begeisterten Beitrag. Und im Oktober werden Gründer Erwin Siemssen und seine SchauspielerInnen vom niedersächsischen Kultusminister mit einem Kulturpreis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet.

Für bremenports-Geschäftsführer Robert Howe war das Letzte Kleinod die Wunschbesetzung, um den Columbusbahnhof in Szene zu setzen und dem historisch so bedeutedenen Thema Auswanderung Raum und Erinnerung zu geben. Und Erwin Siemssen war von der bremenports-Anfrage begeistert. Angesichts der Bandbreite des Themas wurde aus einem Theaterstück letztlich ein ganzes Festival, das bis ins Jahr 2023 gespielt wird.

Im Oktober startet das Stück Passanger Processing. Dazu wird der Columbusbahnof zu einer Art begehbarem Theater. In einem Rundkurs werden die Abfertigungsräume. Wartesäle und Wandelhallen bespielt. Viermal am Abend können so je 40 Personen durch das Gebäude geführt werden.

Im Winter wird dann das alte Lokal im Erdgeschoss des Gebäudes zur Kleinkunstbühne. Im weiteren Verlauf des Jahres 2022 wird der Blaue Zug des Theaters auf der alten Amerika-Linie von Berlin bis Bremerhaven an verschiedenen Stationen ein Stück zum Thema Auswanderung spielen. Im Mai 2023 soll ein gemeinsam mit einer amerikanischen freien Theatergruppe entwickeltes Stück zur Queen Elizabeth auf der Kaje in Bremerhaven und in Philadelphia gespielt werden.

Tickets und mehr Infos unter www.das-letzte-kleinod.de

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