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Aus dem Archiv

Der Bremer Freihafen

Wo einst Kaiser Wilhelm mit dem Schiff anreiste ist heute der Bremer Großmarkt. 

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden Hochseeschiffen die Anlieferungen an die in der Stadtmitte gelegenen Häfen durch die immer stärkere Versandung in der Weser erschwert. So verlagerte sich der Schiffsverkehr immer weiter flussabwärts zu den Häfen Vegesack und ab 1827 auch nach Bremerhaven, woraufhin die Umschlageplätze an der Schlachte zum Erliegen kamen. Der Oberbaudirektor Ludwig Franzius, der 1875 von Berlin nach Bremen zog, entwickelte einen Plan um auch Schiffe mit fünf Metern Tiefgang abfertigen zu können. Jahrelang sammelte er Daten und Beobachtungen, bis 1887 die Bauarbeiten der Flussbegradigung stattfinden konnten, die sogenannte Weserkorrektion. Bis 1895 waren die Arbeiten abgeschlossen. Es wurden gewaltige Erdmassen bewegt und 30 Millionen Kubikmeter Sand aus dem Flussbett getragen. Durch die geschaffene Begradigung konnte bei ablaufendem Wasser der Fluss schneller fließen.

Um den Handel und den Schiffsverkehr wieder in die Stadt zu holen, beschloss der Bremer Senat 1885 einen 120 Meter und 2000 Meter langen Hafen auf dem Gebiet der Stephanikirchenweide bauen zu lassen. Der Hafen wurde nach einem ganz besonderen System gebaut, dem „Bremer System“. Die Bahngleise lagen direkt an der Kaimauer. Es gab Schuppen für die kurze Zwischenlagerung und Speicher für die langfristige Lagerung von Gütern. Auch zwischen den Lagerplätzen waren Gleisanlagen. Mit hochmodernen und wasserdruckbetriebenen Kränen wurde Tabak, Tee, Kaffee, Wein, Baumwolle, Wolle oder Jute, Reis, Getreide und Früchte verladen und umgeschlagen.

Bau des Freihafens I bis zum 21. Oktober 1888

Im Zuge des Beitritts der „Freien Hansestadt Bremen“ zum Zollverein 1888 wurde der Hafen zum Freihafen. In diesem Gebiet konnte somit die Ware zollfrei gelagert werden. Als der Freihafen I (seit 1938 „Europahafen“) am 21. Oktober 1888 seine Eröffnung feierte, strömten fast 40.000 Menschen zur Einweihung. Mit dem ersten künstlich angelegten Hafenbecken der Freien Hansestadt, sollte der Grundstein für Bremens Aufstieg zum Welthafen im 20. Jahrhundert gelegt werden.

Der Freihafen I mit Schwimmdock im Jahr 1929

Der Hafen war zur Jahrhundertwende so erfolgreich, dass die Schuppen und Speicher nicht mehr ausreichten. So baute man von 1898 bis 1906 den Freihafen II (seit 1938 „Überseehafen“). Den Umbruch erlitten die beiden Häfen mit dem Einlaufen des ersten Containerschiffes am 6. Mai 1966. Die Containerschiffe wurden immer größer und damit leider zu groß für das schmale Becken. 6 Jahre zuvor begann Bremen mit dem Bau eines neuen Hafens – direkt auf der gegenüber liegenden Seite der Weser. Dieser feierte 1967 seine Eröffnung. Durch die größeren Ladeflächen, Maschinen und Kräne steuerten die Containerschiffe nun den Neustädter Hafen an.

Der Schiffsumschlag im Überseehafen ging in den Folgejahren immer weiter zurück, so dass in den 1990er Jahren der Umschlag ganz zum Erliegen kam. 1998 kam es zu der schweren Entscheidung, den Überseehafen zuzuschütten. Innerhalb eines halben Jahres wurde der Freihafen mit Sand zugeschüttet, der beim Bau des Containerterminals (CT) III a in Bremerhaven anfiel.

Überseehafen Bremen. Zuschüttung des Freihafen II im Jahr 1998. © Foto: Gabriele Beck. Bildarchiv Focke-Museum, Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte

Heute ist von dem Freihafen II wenig bekannt. Viele wissen nicht, dass der Großmarkt Bremen seit 2002 direkt über dem Freihafen Überseehafen liegt. Das Becken wurde vor 21 Jahren zugeschüttet.