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Aus dem Archiv

Der Weserbahnhof – Die Verbindung zwischen Eisenbahn und Schifffahrt

Mit den ersten beiden Tagen im Oktober beginnt die Geschichte der Hafeneisenbahn und somit auch für den Weserbahnhof. Mitte des 19. Jahrhunderts, vor 160 Jahren, entschied sich die Hansestadt Bremen für eine Anbindung des Hafens an das stetig wachsenden Eisenbahnnetz. Der Weserbahnhof, der dafür am 01. Februar 1860 eröffnet wurde, sicherte Bremen den Handel.

Der Weserbahnhof von der Eisenbahnbrücke aus gesehen. Im Vordergrund der feststehende Handdrehkran. 24.000 kg Tragkraft

Die Verhandlungen zum Bau des Weserbahnhofs waren nicht einfach. Lange wurde darüber diskutiert, ob man den Bürgern die in der Stadt lebten, die direkten Züge mitten durch die Stadt zumuten kann. Schließlich galt das neue Verkehrsmittel als deutlich gefährlicher. Aber das war nicht alles. Auch die Lagerhausbesitzer fürchteten um Ihre Einnahmen durch den schneller werdenden Umschlag. Doch am 1. Februar 1860 wurde schließlich der Weserbahnhof eröffnet und beherbergte zugleich eine Niederlage des deutschen Zollvereins. Statt Pferden kamen hier nur noch Lokomotiven zum Einsatz. Der Weserbahnhof befand sich unmittelbar an der Kaje, Schiffe konnten hier direkt Be- und Entladen und am landseitigen Ende des Gebäudes direkt auf die Eisenbahn verladen werden. Der 24-Tonnen Kran für Schwergüter und die sechs kleineren Kräne waren dabei von großer Bedeutung. Durch Hochwasser entstanden 1880/1881 schwere Beschädigungen am Weserbahnhof.

Mit der Zeit bemerkte man, dass der Weserbahnhof nicht mehr von Schiffen mit üblichem Tiefgang sicher angelaufen werden konnte. Erst durch die Vertiefung der langen Bucht weiter flussabwärts im Jahr 1883 und die durch den Oberbaudirektor Ludwig Franzius beauftragte Weserkorrektion im Jahr 1895, konnten wieder größere Schiffe den Weserbahnhof anlaufen. Die Epoche des Weserbahnhofs, in der sich nahezu der gesamte Hafenbetrieb des rechten Weserufers konzentrierte, währte sich nur bis zu dem Zeitpunkt der Eröffnung des ersten Bremer Freihafens am 21. Oktober 1888.
Mehr zum Bremer Freihafen.

1929 übernahm die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG) den Weserbahnhof. Nach knapp 80 Jahren wurde der Weserbahnhof im Jahr 1939 in dieser Funktion geschlossen und durch eine moderne Anlage ersetzt. Im selben Jahr fiel das Gebäude dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. 1951, im Zuge des Wiederaufbaus, entstand ein neuer und moderner Weserbahnhof, der sich darauf konzentrierte als Sammelgutschuppen für Lieferungen an Seeschiffen zu dienen.

Bombenzerstörung im Jahr 1947

Immer mehr Containertransporte fuhren Bremen an, so dass das personalintensive Umladen von Stückgut entfiel und die Bedeutung vom Güterbahnhofsgebäude schnell abnahm. 1989 wurde der Stückgutverkehr komplett an den Neustädter Hafen abgegeben, der 1964 auf der linken Weserseite gebaut wurde.

Die ursprüngliche Aufgabe des Weserbahnhofs endete damit am 01. Juli 1989. Die Stadt Bremen überlässt im Jahr 1996 der Grundstückgesellschaft Weserbahnhof GmbH das Bahnhofsgelände für rund 818.00. Diese beabsichtigte auf dem Grundstück ein Handels- und Dienstleistungszentrum zu errichten, doch diese Planung schlug fehl. Die Stadt kaufte das Grundstück sechs Jahre später wieder zurück.

Wer heute mit der Straßenbahnlinie 3 an dem alten Weserbahnhof vorbeifährt, wird von dem Weserbahnhof nichts mehr erkennen. Die Zeit, in der an der Kaje noch richtige Schiffe lagen und die Güterwagen quietschten ist längst Geschichte. Der Weserbahnhof wurde, nachdem er lange als Lager diente 2000 abgerissen. Heute steht auf dem Gelände das GOP und Steigenbergerhotel. Etwa 150 Meter östlich des ehemaligen Bahnhofsgebäudes steht heute der Wesertower. Die damalige Kaje wurde auf einer Länge von 250 Metern zu einer Promenade umgebaut, die die Schlachte und Überseestadt für den Fußgänger- und Radfahrerverkehr verbindet.

Luftaufnahme Weserbahnhof, 06.11.1951