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Aus dem Archiv

Die Bremen und das blaue Band

Bremerhaven hat im Laufe der Zeit viele beeindruckende Schiffe zur See geschickt. Ein Blick zurück holt auch ein kleines Schnelligkeitswunder aus den Tiefen.  

Die „Bremen“ gehörte zu den besten Schnelldampfern mit modernster Ausstattung und errang das Blaue Band, welches dem schnellsten Schiff für bezahlende Passagiere auf jener Transatlantik-Route verliehen wird. Ihr Bau sollte die ansteigende Nachfrage nach Verbindungen zwischen Europa und den USA decken. Eine kleine Zeitreise zurück in die Weimarer Republik und den zweiten Weltkrieg ermöglicht ihre Abenteuer noch einmal mitzuerleben.

 

Bremerhaven, 1927 – Bremen erblickt die Welt
Am 18. Juni wird in Bremerhaven ein Schnelldampfer auf Kiel gelegt. Das Schiff des Norddeutschen Lloyd wird bis zu seiner Fertigstellung rund 65 Millionen Mark kosten und einmal Platz für 2.2200 Passagiere und eine Besatzung von 1000 haben. Nach 14 Monaten Bau wird das Schiff zu Wasser gelassen und vom ersten direkt gewählten Reichpräsidenten Deutschlands, Paul von Hindenburg, getauft. Von nun an trägt das 286 m lange und 31 m breite Schiff den Namen „Bremen“. Sie ist nicht die erste dieses Namens, genaugenommen ist sie die „Bremen IV“. Auch ihre Vorgängerinnen aus 1858, 1897 und 1923 waren in Bremerhaven beheimatet.

Bremerhaven, 1929 – Volle Fahrt voraus
Nach diversen Probefahrten, darf die „Bremen“ zu ihrer Jungfernfahrt von Bremerhaven aus antreten. Unter dem Kommando von Kapitän Leopold Ziegenbein geht die erste Fahrt gleich über den Atlantik in die Weltmetropole New York. Etwas mehr als vier Tage braucht sie bis zum Zielhafen, damit luchst sie dem Passagierschiff Mauretania aus Liverpool nach langer Zeit das Blaue Band ab. Auf der Rückfahrt schlägt sie ihren eigenen Schnelligkeitsrekord auf dieser Stecke.

Welt, 1930 – Von der kleinen Schwester überholt
In Hamburg war bei Bloom und Voß ein zweites Schiff im Bau. Durch einen Brand verzögerte sich die Fertigstellung, so dass Bremens Schwester das Meer erst einige Monate später erblickte. Nun fährt auch endlich die Europa zu ihrer Jungfernfahrt aus. Ihre Strecke ist ebenfalls die Transatlantikroute nach New York. Auf dieser Fahrt bricht die Europa den Rekord ihrer Schwester und nimmt ihr so das Blaue Band ab.

Welt, 1933 – Wettkampf um das blaue Band
1933 gibt die Europa ihren Titel des schnellsten Passagierschiffs wieder an die „Bremen“ ab, allerdings nur für die nächsten zwei Jahre. Die nächste Trägerin ist die französische „Normandie“.

Südamerika, 1939 – Verwicklung in den Krieg
Die „Bremen“ begibt sich als erstes Schiff von solch einer Größe auf eine Südamerikaumrundung, dabei durchfährt sie den Panamakanal. Abschließend tritt sie ihre letzte Fahrt Richtung New York an, um daraufhin wieder nach Deutschland zurück zu kehren. Zu dieser Zeit greift Deutschland Polen an, der zweite Weltkrieg hat begonnen. Der Dampfer erhält Befehl in den Hafen von Murmansk, eine Hafenstadt der russischen Halbinsel Kola einzulaufen. Nach einem Umstyling, liegt sie die nächsten Monate grau bemalt im Hafen. Dort dient sie als Objekt für Geheimdiplomatie nach dem Hitler-Stalin-Pakt, dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt. Im Winter darf sich die „Bremen“ für Umrüstungmaßnahmen endlich wieder auf den Heimweg machen. Dank nebliger See und ihres neuen Looks, wird sich auf ihrer Überfahrt nach Wesermünde nicht gesehen.

Wesermünde, 1941 – Ein trauriges Ende
An Bord bricht mutmaßlich durch Brandstiftung eines Schiffsjungen ein Feuer aus, woraufhin das Schiff geflutet und auf Grund gelegt werden muss. Der Schaden ist zu hoch um die „Bremen“ wieder aufzupäppeln. Nachdem noch brauchbare Schiffsteile ausgebaut wurden, wird die Bremen schlussendlich abgewrackt. Fünf Jahre darauf werden alte Teile der Bremen am Weserufer abgelegt. Diese sind bei Niedrigwasser noch zu sehen.