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Zwei Städte – ein Hafen

Die Klimaschutzvorreiter

Was nach dem European Green Deal bis 2050 ohnehin für alle Pflicht ist, will bremenports bereits in gut zwei Jahren erreicht haben: Bis Ende 2023 soll die gesamte Hafeninfrastruktur komplett CO2 neutral sein.

Umwelt- und Klimaschutz stehen in den bremischen Häfen bereits seit über einem Jahrzehnt oben auf der Agenda. Schon 2009 hat die Hafenmanagementgesellschaft mit „greenports“ als erstes Unternehmen der deutschen Hafenwirtschaft eine Nachhaltigkeitsstrategie entworfen. „Das war ein Herzensanliegen der Geschäftsführung“, berichtet Uwe von Bargen, Direktor Umwelt- und Nachhaltigkeitsangelegenheiten bei bremenports. Eine der grundlegenden Veränderungen in diesem Zusammenhang war es zunächst, die erforderlichen Strukturen aufzubauen, um Energieeinsparungen möglich zu machen. „Über viele Jahre wurden Investitionen und Ausgaben ausschließlich finanziell gesteuert“, so von Bargen. „Dass Umweltschutzgedanken mitentscheiden, musste man damals erst im Unternehmen verankern.“

Nachdem der Stein ins Rollen gebracht wurde, folgten schnell weitere Meilensteine: Seit 2010 wurde das Umwelt- und zwei Jahre später das Nachhaltigkeitsmanagement aufgebaut. Ab 2015 gibt es darüber hinaus ein Energiemanagement und im gleichen Jahr wurde bremenports erstmals nach der diesbezüglichen Umweltnorm DIN ISO 50001 zertifiziert. „Wir haben unter anderem einen Maßnahmenplan für den nachhaltigen und ressourcenschonenden Umgang mit Energie entworfen, den Anteil an erneuerbarem Strom auf über 90 Prozent gesteigert und die Beleuchtungsmasten der Hafeneisenbahn mit neuester LED-Technik ausgerüstet“, fasst von Bargen das Erreichte zusammen. Und auch in anderen Bereichen tragen die Maßnahmen im Rahmen von greenports bereits Früchte: So wurde Baggergut aus den Häfen erheblich reduziert und mit der Luneplate ein europaweit bedeutendes Naturschutzgebiet geschaffen, das weltweit beachtet und mehrfach  ausgezeichnet wurde.

 

Emissionen sind um 70 Prozent gesunken
In den vergangenen acht Jahren verbesserte sich zudem die Klimabilanz der bremischen Häfen deutlich: Im Vergleich zum Jahr 2011 mit mehr als 7.000 Tonnen CO2 konnten die Emissionen im vergangenen Jahr um über 70 Prozent reduziert werden. Allein 100 Tonnen davon werden bereits seit 2013 jedes Jahr durch die Kompensation von Flugreisen und Dienstfahrten eingespart. „Da gehen wir deutlich über das Übliche hinaus“, betont von Bargen. Insgesamt konnten die CO2-Emissionen der Hafenmanagementgesellschaft  so bereits seit 2013 neutralisiert werden.

An der Erreichung des nächsten Ziels wird ebenfalls fleißig gearbeitet: Bis Ende 2023 soll nun auch die Hafeninfrastruktur komplett CO2-neutral gestaltet sein. Das umfasst den Ausstoß großer Energieverbraucher wie Hafenbahn, Schleusen und Werkstätten ebenso wie die Flotte und den Fuhrpark von bremenports. „Insbesondere die Umstellung auf Ökostrom und die fortschreitende Elektrifizierung hat hier den CO2-Fußabdruck schon erheblich verbessert“, erläutert von Bargen.

Im Detail ist das allerdings durchaus anspruchsvoll: Wie zum Beispiel rüstet man eine 50 Jahre alte Klappschute um? „Das sagt einem kein Motorenhersteller“, hebt von Bargen hervor. „Deshalb haben wir Gas-to-liquids, also GTL Fuel ausprobiert und damit bereits positive Erfahrungen gemacht.“ Neben den bereits eingesetzten E-Fahrzeugen hätte bremenports außerdem gern solche mit Wasserstoffantrieb. „Das wurde vor drei Jahren bereits intern beschlossen, leider sind solche Autos aber bis heute kaum zu bekommen“, bedauert von Bargen und hofft nun auf das dritte Quartal 2020. Insgesamt sieht der Umwelt- und Nachhaltigkeitsdirektor die Bremischen Häfen im Hinblick auf 2023 bereits auf der Zielgeraden.

Forschungsprojekt „SHARC“ im Überseehafen
Wenn in zwei Jahren die Klimaneutralität der eigenen Infrastruktur erreicht ist, soll von Bargens Kollege Tobias Metzner schon wesentliche Schritte für das nächste Ziel vorbereitet haben: „Der Hafenstandort als solcher soll dann CO2-neutral werden“, so der Projektmanager. Da das die komplette Hafenwirtschaft mit vielen großen wie kleinen Unternehmen umfasst, sollen im ersten Schritt Konzepte für ein nachhaltiges Energiemanagement im Überseehafen entwickelt werden. Seit Anfang des Jahres arbeiten dazu – unter der Koordination von bremenports – Siemens, das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) und die TU Berlin sowie das Institut für Energie- und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen im Rahmen des Forschungsprojekts „SHARC“ an einem „Smarten Hafen-Applikationskonzept zur Integration erneuerbarer Energien“.

„Gemeinsam mit den assoziierten Projektpartnern BLG und Eurogate ermitteln wir im ersten Schritt die Daten zum Energieverbrauch, also Elektrizität, Wärme und Kälte sowie Treibstoffe“, berichtet Metzner. Konkret betrifft das im Überseehafen insbesondere den Verbrauch von Strom durch Containerbrücken, Portalkräne und Beleuchtung sowie von Gas durch Heizungen, Blockheizkraftwerke und ein Holzschnitzelwerk. Hinzukommen Van Carrier, Reachstacker und weiteres Logistikequipment sowie Betriebsfahrzeuge und Busse.
Anhand der Daten werden dann verschiedene Zukunftsszenarien modelliert und die Effekte wie die Entwicklung des Energieverbrauchs, der Kosten und CO2-Reduzierungen sowie Umwelteinwirkungen simuliert. Dazu muss geschaut werden, wo sich zusätzliche erneuerbare Energie erzeugen oder für den Hafen erschließen lässt und wie sich diese besser und stärker in die Hafeninfra- und -suprastruktur integrieren lässt. Hierfür werden energieoptimierte Betriebsprozesse sowie ein aktives Management flexibler Energieverbraucher und -erzeuger betrachtet. „Die Herausforderung dabei ist, zu antizipieren, wie sich beispielsweise die Energiepreise und CO2-Bepreisung entwickeln und auf die jeweilige Technologie auswirken“, sagt Metzner. „Entsprechend viel haben wir diskutiert und eine große Zahl von unterschiedlichsten Quellen ausgewertet. Schließlich müssen wir vermeiden, dass Investitionen vorgenommen werden, die sich später nicht mehr rechnen.“

Im nächsten Schritt soll ein bevorzugtes Szenario inklusive eines Investitionsplans und eines Businessmodells entwickelt werden. Dass das mit erheblichen Kosten verbunden ist, steht bereits fest: „Die Investitionssumme bewegt sich bei einem zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag“, betont Metzner. „Im Ergebnis werden wir dann wissen, was die Energiewende im Hafen kosten könnte.“
Angesichts der eindeutigen Positionierung der bremischen Politik für den Klimaschutz ist bremenports-Geschäftsführer Robert Howe optimistisch, nach der Analyse zügig in die Umsetzung gehen zu können. Howe: „Unser anspruchsvolles Ziel ist es, die abgeleiteten technischen und organisatorischen Maßnahmen ab 2021 umzusetzen. Die Vorreiterrolle, die wir mit greenports seit einem Jahrzehnt einnehmen, ist für uns auch Verpflichtung für die Zukunft.“

(Claudia Behrend)