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2021/4 | Im Interview

Drei Fragen an

Prof. Dr. Burkhard Lemper

Geschäftsführer des ISL – Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik

„Die aktuell positive Entwicklung ist m.E. nicht Ausdruck einer gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit, sondern eher eine Rückkehr zu Vorkrisenniveaus.  Zur Sicherung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der bremischen Häfen zählen sicherlich die Außen- und Unterweservertiefung sowie die Ertüchtigung der Kajen von CT I-III zu den wichtigen Maßnahmen.“

Trotz anhaltender Pandemie: Die Umschlagszahlen steigen derzeit in den bremischen Häfen deutlich an. Welche Marktmechanismen wirken derzeit?

Insgesamt entwickelte sich der globale Containerverkehr seit Herbst vergangenen Jahres unerwartet positiv, wie auch unser Containerumschlagindex (https://www.isl.org/de/containerindex/ ) gemeinsam mit dem RWI, zeigt. Die Nachfrage nach verschiedensten Importgütern zog deutlich an, was zu einer Steigerung der Umschlagmengen sowohl in den Import- als auch den Exportregionen der Welt führte. Das im Vergleich zu den großen Wettbewerbern der Nordrange höhere Wachstum des Containerumschlags in Bremerhaven im ersten Halbjahr 2021 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ergibt sich darüber hinaus auch aus dem stärkeren Einbruch in 2020 (Basiseffekt). Diese Aussagen sind weitgehend auch auf die anderen zum Teil sehr stark wachsenden Ladungsarten wie beispielsweise Fahrzeuge, Kohle, Erz, Stahl, Forstprodukte zu übertragen.

Lässt sich aus der derzeitigen Situation ein Trend für den weiteren Verlauf des Jahres oder darüber hinaus ableiten?

Es ist mit einer weiterhin durchschnittlich positiven Entwicklung des Gesamtmarktes für Containertransporte zu rechnen und für Bremerhaven könnten die Zuwachsraten aufgrund der schwachen Zahlen 2020 zunächst ähnlich hoch bleiben. Zum Jahresende ist dann ein Abflachen der Zuwachsraten wahrscheinlich.

In den nächsten Monaten soll ein Zukunftskonzept für die bremischen Häfen fortgeschrieben werden. Welche Maßnahmen sehen Sie als vordringlich an, um die Wettbewerbssituation der bremischen Häfen weiter zu konsolidieren?

Die aktuell positive Entwicklung ist m.E. nicht Ausdruck einer gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit, sondern eher eine Rückkehr zu Vorkrisenniveaus.  Zur Sicherung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der bremischen Häfen zählen sicherlich die Außen- und Unterweservertiefung sowie die Ertüchtigung der Kajen von CT I-III zu den wichtigen Maßnahmen. Auf Terminalseite kann, wie beispielsweise von Eurogate ja bereits begonnen, die Produktivitätssteigerung letztlich damit die Kostensenkung die Position gegenüber den Westhäfen stärken.

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