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Im Interview

Drei Fragen an den Geschäftsführer des Columbus Cruise Centers, Veit Hürdler

Herr Hürdler, am 25. Juli haben gleich vier Kreuzfahrtschiffe in Bremerhaven festgemacht. Wie bereitet sich das CCCB auf eine solche logistische Herausforderung vor?

Dieser Abfahrtstag stand unter dem Motto „30 Jahre Phoenix Reisen“ am Columbus Cruise Center (CCCB). Alle 4 Schiffe, die wir an diesem Tag abgefertigt haben, gehörten zu diesem deutschen Reiseveranstalter, der seit langer Zeit bedeutender und treuer Kunde unseres Hauses ist. Aufgrund dieser langjährigen und kooperativen Kontakte zu diesen Schiffen, ist die Vorbereitung auf diesen Tag relativ unkompliziert, da alle Beteiligten über ein hohes Maß an Erfahrung verfügen und wissen, was geht und was nicht funktioniert. Nach Abstimmung der Ankunfts- und Abfahrtszeiten mit den Behörden, werden die Liegeplätze unter einem technischen Optimum festgelegt. Anschließend planen wir die Passagier- und Gepäckströme über unsere Terminalinfrastruktur und die Personalrecourcen an Mitarbeitern für den Gepäckumschlag, für die Porter, die den Gästen zur Hand gehen und was an Sicherheitsfachkräften benötigt wird. Diese Vorbereitungen werden dann mit den Dispositionen für an- und abreisende Busse und der Parkplatzorganisation verknüpft. Parallel zu diesen terminalseitigen Planungen werden die Entsorgung, die Verproviantierung der Schiffe sowie das, was unsere Kunden für die Durchführung kleinerer Reparaturen benötigen, disponiert und organisiert. Dazu gehören u.a. die erforderlichen Mobilkräne und die Anzahl der benötigten Mitarbeiter unserer Stauerei.


Eine gewissenhafte Vorbereitung ist natürlich eine Grundvoraussetzung für eine Abfertigung, die alle Beteiligten zufrieden stellt. Die wahre Professionalität zeigt sich aber in der Regel am Abfahrtstag, da es selten so bilderbuchartig kommt, wie man es plant; und dann heißt es kurzfristig und schnell richtige Entscheidungen zu treffen. An einem Tage wie diesem werden mehr als 5.500 Passagiere abgefertigt, über 10.000 Gepäckstücke sicherheitstechnisch verarbeitet und auf das richtige Schiff gebracht oder ca. 300 Tonnen Proviant verladen. Dieses Volumen stellt immer eine große Herausforderung dar, denn wir arbeiten in erster Linie mit vielen Menschen zusammen.

 

Der 25. Juli steht auch für einen kräftigen Aufwärtstrend der Kreuzfahrt in Bremerhaven. Welche Entwicklungsperspektiven zeichnen sich für die kommenden fünf Jahre ab?

Der Standort wird auch weiterhin am Zuwachs der deutschen Kreuzfahrtindustrie profitieren, denn er stellt ideale Rahmenbedingungen für deutsche Kreuzfahrtgäste, die ihre Reise in Deutschland beginnen wollen — und damit auch für alle Reedereien, die Gäste in deutschen Häfen an und von Bord bringen wollen. Das CCCB spielt hier im Konzert mit den deutschen Häfen Hamburg, Kiel und Warnemünde. Die nächsten zwei Jahre werden wir ein ähnliches Volumen wie in diesem Jahr mit ca. 240.000 Passagieren auf 112 Abfahrten abwickeln. Auf eine Kajensanierung, die möglicherweise in 2021 beginnt, stellen wir uns bereits heute mit bremenports und unseren Kunden ein. CCCB geht von relativ wenigen Einschränkungen aus, da wir auch während der Bauphase planen Kreuzfahrtschiffe abzufertigen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Zuwachs auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt stagnieren wird und sich damit auch die Passagierzahlen rückläufig entwickeln werden. Allerdings wollen auch in diesem Urlaubssektor die Gäste ihren Urlaub gern am Wochenende beginnen und enden — und diese Kapazitäten sind bereits heute limitiert und gleichzeitig stark nachgefragt. Vor diesem Hintergrund wird eine weitere maßgebliche Steigerung vorwiegend an Wochentagen möglich sein.

 

Wachstum braucht Infrastruktur. Der Neubau der Kaje ist politisch beschlossen. Welche Themen gibt es darüber hinaus, um das CCCB optimal an die Stadt anzubinden und den Service für die Passagiere und die Reedereien zu optimieren?

CCCB benötigt für die Abfertigung großer und größter Schiffseinheiten sowie Mehrfachabfahrten unter Beteiligung großer Schiffe mehr Terminalfläche. Eine Öffnung des Terminals Richtung Bremerhaven Stadt wäre wünschenswert und es sind straßeninfrastrukturelle Verbesserungen zur Vorfahrt von Bussen und Taxen erforderlich. Da für die Stadt Bremerhaven auch Tagesbesucher wichtig sind, die aufgrund der Kreuzfahrtschiffe aus der Urlaubsregion zum „Schiffe gucken“ kommen, wäre es hier wünschenswert, wenn für diese Gäste zukünftig optimalere Gelegenheiten zum Schauen geschaffen werden, als die derzeitige Besuchergallerie es ermöglicht.