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Im Interview

Drei Fragen an die Präsidentin des BSH, Monika Breuch-Moritz

Es gibt eine intensive Diskussion darüber, welchen Beitrag die Seeschifffahrt zur Luftreinhaltung leisten muss. Welche Entwicklungen sehen Sie für die kommenden Jahre?

Präsidentin des BSH, Monika Breuch-Moritz

Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO hat in den letzten 10 Jahren das sogenannte MARPOL-Übereinkommen mehrfach verschärft und Regeln zur Begrenzung der Schadstoffemissionen von Schiffen verabschiedet, die Schiffe aller Flaggen verpflichten. Im ersten Schritt wurden Schwefelemissionen geregelt, seit dem 1. Januar 2015 ist in Nord- und Ostsee nur noch ein Schwefelgehalt von 0,1% im Kraftstoff erlaubt. Es ist noch nicht alles zum Besten, aber auf gutem Weg und wir freuen uns, dass die Schifffahrt sehr schnell reagiert hat. Das konnten wir bei unseren Messungen erkennen. Regelungen der IMO werden nämlich überwacht und durchgesetzt. Gleich mit Inkrafttreten der schärferen Grenzwerte am 1. Januar 2015 haben rund 98 Prozent der von unseren Stationen erfassten Schiffe den neuen Grenzwert eingehalten. Heute liegt der Anteil bei über 99 Prozent. Inzwischen hat das BSH mehr als 15.000 Abgasfahnen analysiert. Ab dem 1. Januar 2020 darf weltweit nur noch Schiffskraftstoff verwendet werden, der einen Schwefelanteil von 0,50% m/m nicht überschreitet. Das sind klare Signale. Grenzwerte für andere Schadstoffe wie Stickoxide folgen schrittweise, auch zur deutlichen Senkung der CO2-Emissionen hat sich die Schifffahrt verpflichtet. Wichtig ist, dass die Grenzwerte von Schiffen unter allen Flaggen eingehalten werden müssen – das ist die große Herausforderung. Allerdings brauchen die Reeder auch Zeit und viel Geld, um sich auf die veränderten Anforderungen einzustellen. Dies ist im ersten Schritt gut gelungen – für den Bereich, den wir als BSH beobachten.

 

Mit der Messstation in Bremerhaven wird überwacht, ob gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Wie muss man sich das vorstellen?

Messstation in Bremerhaven

An der Messstation in Bremerhaven wird die chemische Zusammensetzung der Abgasfahnen vorbeifahrender Schiffe gemessen. Mit einem automatisch laufenden Analyseprogramm wird aus dem SO2-CO2-Verhältnis in der Abgasfahne abgeleitet, welchen Schwefelanteil der aktuell an Bord des Schiffes verbrannte Kraftstoff hat. Fällt ein Schiff mit einem erhöhten Kraftstoffschwefelgehalt auf, wird automatisch ein Hinweis mit allen relevanten Informationen (Zeitpunkt der Messung, abgeleiteter Kraftstoffschwefelgehalt, Schiffsidentität, Fahrziel) per E-Mail an die Wasserschutzpolizei gesendet. Die Wasserschutzpolizei nutzt dieses Messergebnis als Anfangsverdacht, um das Schiff nach dem Anlegen im Hafen gezielt zu kontrollieren. Dabei werden die Logbücher des Schiffes überprüft und ggf. Kraftstoffproben genommen. Die Messung erhöht insofern die Effektivität bei der Auswahl von Schiffen für eine Kontrolle. Bestätigt sich der Anfangsverdacht nach Analyse der Kraftstoffproben, wird ein Verfahren eingeleitet. Je nach Ausmaß des Verstoßes wird es dann als Ordnungswidrigkeit oder als Straftat behandelt. Wenn das Schiff den Hafen verlässt bevor das Verfahren abgeschlossen ist, hat die zuständige Verfolgungsbehörde die Möglichkeit, eine dem Verstoß entsprechende Sicherheitsleistung einzuziehen. Das BSH ist zuständig bei Ordnungswidrigkeiten auf See, Länderbehörden bei Verstößen im Hafen und die Staatsanwaltschaft bei Straftaten.

 

Wie soll das Überwachungsnetz ausgebaut werden? Wie sieht es international aus?

Im September 2014 hat eine Pilotstation in Wedel an der Elbe mit Messungen begonnen, sie wurde gemeinsam vom BSH und dem Institut für Umweltphysik der Universität Bremen eingerichtet. Diese sowie eine weitere Station in Göteborg in Schweden waren 2014 die ersten automatisiert arbeitenden Stationen für Schiffsabgasmessungen weltweit. Nach Abschluss des Forschungsprojektes mit der Universität Bremen hat das BSH den Betrieb der Station Wedel inzwischen ganz übernommen. Und mit der Station in Bremerhaven wurde eine neue Messstation eingerichtet, die nach einem Probejahr nun in den Dauerbetrieb übergeht. Eine weitere Station befindet sich in Kiel im Probebetrieb und ein Standort für eine Station in Rostock-Warnemünde wird zurzeit gesucht. Eine auf einem PKW-Anhänger installierte mobile Station soll das Messnetz ebenso ergänzen wie eine Station auf dem neuen LNG-betriebenen Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff ATAIR des BSH, das 2020 in Dienst gestellt wird. Auch weitere mobile Stationen – z.B. auf Schiffen anderer Behörden – sind in der Diskussion und natürlich sind unsere europäischen Nachbarn ebenso aktiv und richten sukzessive mobile und feste Messstellen ein. Die Informationen über Verstöße werden auch international ausgetauscht, so dass ein auffälliges Schiff natürlich auch in einem anderen Hafen kontrolliert werden kann. Und irgendwann kommt jedes Schiff wieder in einen Hafen.