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Im Interview

Drei Fragen an Dr. Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts

Prof. Dr. Antje Boetius,deutsche Meeresbiologin und Professorin der Universität Bremen,
seit November 2017 leitet sie das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

Die Rückkehr der Polarstern nach Bremerhaven hat große nationale und internationales Aufmerksamkeit gefunden. Was ist für Sie die wichtigste wissenschaftliche Erkenntnis aus der Expedition?

Wir haben ein viel klareres Bild vom Wechselspiel von Eis, Ozean und Atmosphäre der Arktis als je zuvor. Unzählige Proben und Daten haben die Forschenden von der einjährigen Drift nach Hause gebracht. Dieser einmalige Datensatz ist ein Geschenk an die ganze Menschheit. Jetzt kommt es darauf an, dass wir das neue Wissen nutzen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen – für die Zukunft der Arktis und damit auch für die Zukunft unseres Planeten.

Neben der wissenschaftlichen und darüber hinaus auch politischen Bedeutung einer solchen Expedition, was liegt Ihnen als Direktorin des AWI besonders am Herzen?

Der Klimawandel kennt keine Grenzen und kann nur gemeinsam erforscht und vor allem als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit auch gelöst werden. Wie wichtig internationale Kooperation ist, um Großes zu leisten, hat die MOSAiC-Expedition deutlich gezeigt. Mehr als 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bestehend aus Schiffscrew sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 20 Nationen von über 70 Instituten, sind über den Jahresverlauf hinweg mit einem gemeinsamen Ziel zur MOSAiC-Expedition aufgebrochen. Eine Flotte von Forschungsschiffen, Eisbrechern und Flugzeugen sowie die internationale Unterstützung ermöglichte die Versorgung der Expedition und hat den Austausch auch trotz Corona-Pandemie hinbekommen. Wir haben zusammen die Grenzen des Wissens verschoben. Wissen, das die ganze Welt braucht, weil es darum geht, wie der Wandel in den Polarregionen auch anderswo wirkt und umgekehrt.

Eine Expedition wie MOSAiC ist eine kaum vorstellbare logistische Herausforderung. Welche Voraussetzungen muss ein Standort wie Bremerhaven erfüllen, um von hier aus ein solches Megaprojekt zu steuern?

Ein großer Vorteil ist sicherlich, dass Bremerhaven einen Hafen hat, den unser Forschungseisbrecher POLARSTERN mit seinem Tiefgang von häufig über 11 m tideunabhängig erreichen kann. Damit sind wir unserem Schiff bei Rückkehr, Wartung wie Ausstattung nahe, denn auch unsere Logistik ist hier an einem Ort konzentriert. Der AWI-Hauptsitz liegt in der Reichweite zu Reederei und Werft/Liegeplatz, das Hafenlager in der Nähe zur Pier und auch das Bekleidungslager ist in der Stadt. Das erleichtert die Planung und Durchführung unserer Expeditionen. Besonders während Corona hat sich gezeigt, dass die enge Abstimmung mit den Ämtern und Behörden, den für die Quarantäne ausgewählten Hotels und unserer Forschung und Logistik kurze Wege geholfen haben nicht aufgeben zu müssen. Also haben wir hier in Bremerhaven als Ausgang für Seereisen und Expeditionen einen Vorteil. Und ich muss auch sagen, dass das Willkommen was die Stadt dem Schiff und seiner Besatzung geschenkt hat, grossartig war, mir sind wirklich ein paar Tränen gekommen.