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Im Interview

Drei Fragen an Nils Kahn, Geschäftsführer MSC Germany

In den vergangenen Wochen haben bereits einige MSC Schiffe der neuen Generation Bremerhaven angelaufen. Wie sind die Erfahrungen mit der Hafeninfrastruktur am Containerterminal Bremerhaven?
Unsere neuen Schiffe sind ohne große Herausforderungen abgefertigt worden, wenngleich weitere Investitionen in die Hafeninfrastruktur notwendig sind, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Eine Herausforderung sind die Containerbrücken, die aktuell nur 23 Reihen in der Breite erreichen. Wir freuen uns daher umso mehr darüber, dass MSC Gate in neue Containerbrücken investiert, um auch die 24. Reihe der Neubauten zu erreichen.
Ein weiteres Thema, das uns bewegt, ist die Verkehrsregelung auf der Außenweser, die nicht immer koordiniert abläuft. MSC hat hierzu Gespräche mit der Politik aufgenommen, um eine bessere Koordination der Schiffe vornehmen zu können. Es kann heute unter Umständen vorkommen, dass ein Schiff nach Bremerhaven fährt und dann erst kurz vor Ankunft in Bremerhaven die Geschwindigkeit erheblich drosseln muss. Es wäre ökonomisch und ökologisch deutlich vorteilhafter, wenn die detaillierten zeitlichen Informationen zum Anlauf bereits wesentlich früher vorliegen würden, um die Geschwindigkeit aufkommender Schiffe weit im Voraus regeln zu können.

Die Schiffsgrößenentwicklung stellt auch Hafenbetreiber und Umschlagsunternehmen vor neue Herausforderungen. Welche Wünsche und Erwartungen hat MSC an die Hafenentwicklung?
Häfen müssen sich fortwährend dem Markt anpassen. Die Stärke von Bremerhaven ist eine relativ einfache und schnelle Erreichbarkeit aus der deutschen Bucht. Waren werden dann oftmals per Bahn ins Inland transportiert. Durch Großcontainerschiffe steigt die Anzahl der zum gleichen Zeitpunkt ankommenden Container erheblich. Für Reedereien und deren Kunden ist eine kontinuierliche Investition in die intermodale Infrastruktur unerlässlich. Auch der Transport von Containern per LKW bleibt weiterhin ein sehr wichtiges Thema. Die Fertigstellung des Hafentunnels in Bremerhaven wird hier ein Meilenstein sein.

Der Wunsch nach umfassender Kooperation der norddeutschen Häfen ist seit vielen Jahren ein Dauerthema. Wo sieht MSC Potentiale für eine intensivere Zusammenarbeit der norddeutschen Häfen?
Dieses Thema treibt uns seit geraumer Zeit sehr um. Wir sind der Meinung, dass das Hafenmarketing für den Containerbereich deutlich gestrafft werden sollte und alle deutschen Containerhäfen Ihre Veranstaltungen unter einer Dachmarke, z.B. „Ports of Germany“, zusammenführen sollten. Heute fahren zum Beispiel mehr als 20 Vertreter aus einem deutschen Seehafen für eine Marketing Veranstaltung ins Inland und treffen dort auf wenige lokale Kunden. Im kommenden Monat ist dann im Zweifelsfall ein anderer deutscher Hafen vor Ort und wundert sich über kaum größere Teilnehmerzahlen. Das macht keinen Sinn. Wir sind hierzu mit den deutschen Häfen im Dialog und hoffen auf eine pragmatische Lösung, die den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird.