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Im Interview

Drei Fragen an Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer, Vorsitzender des Vorstands, Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.

Die Pandemie hat die Welt nach wie vor im Griff. Wie werden sich die Lieferketten verändern und welche Auswirkungen auf die Branche erwarten Sie?

Der Lockdown war ein Stresstest, der Schwächen aufgedeckt hat, die im Normalbetrieb nicht erkannt oder nach Abwägung von Kosten und Risiken in Kauf genommen worden sind. Dazu gehören die Reichweite der Lagerhaltung, das Single-Sourcing oder auch die Kenntnisse über Partner entlang der Wertschöpfungskette bzw. im -netzwerk. Die Unternehmen sind bereits dabei, in diesen Bereichen Änderungen in den Prozessen vorzunehmen und verstärken ihr Risikomanagement.

Die Trends der Logistik 2020 rücken aufgrund der Pandemie scheinbar in den Hintergrund. Welches sind aus Ihrer Sicht die bedeutendsten Trends für die nächsten Jahre?

In der gerade veröffentlichten Trends- und Strategien-Studie der BVL werden folgende Erkenntnisse zusammengefasst: Die drei Top-Themen der nächsten Jahre sind die Digitalisierung der Geschäftsprozesse, die Transparenz in der Wertschöpfungskette und der allgegenwärtige Kostendruck. Eng mit Digitalisierung und Transparenz verbunden sind Vernetzung und die Bereitschaft zum vertrauensvollen Datenaustausch sowie Künstliche Intelligenz, Business Analytics und Robotik. Aspekte des Kostendrucks sind verändertes Kaufverhalten, Nachfrageschwankungen, Risiken und Unterbrechungen, aber auch Protektionismus und eine theoretisch mögliche De-Globalisierung. Unter den Top-Trends sind auch die Nachhaltigkeit logistischer Abläufe und der Fachkräftemangel. Vielfältige Informationen zu den Trends gibt es im Internet unter www.bvl-trends.de.

Der Deutsche Logistik-Kongress im Oktober in Berlin findet trotz Pandemie statt. Was erwarten Sie von der Veranstaltung?

Wir wollen mit dieser Präsenzveranstaltung ein Zeichen der Zuversicht setzen. Gegen Ende eines dramatischen Jahres bieten wir die Gelegenheit zu seit Monaten vermissten persönlichen Begegnungen, zum Gedankenaustausch und zur Informationsaufnahme. Dabei werden wir analoge und digitale Zugangswege gleichermaßen öffnen. Wir erwarten und erhoffen für uns und unsere Gäste lebendige und unaufgeregte Tage eines New Normal mit Impulsen dafür, besonnene Entscheidungen zu treffen und umzusetzen – und so Wirtschaft und Gesellschaft zügig wieder zu stabilisieren.