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Drei Fragen an Senatorin Dr. Claudia Schilling

Mit Optimismus ins neue Jahr

Senatorin Claudia Schilling in Bremerhaven

Frau Senatorin, 2020 war kein leichtes Jahr. Was sind die Aufgaben, um Bremen und Bremerhaven wettbewerbsfähig zu halten?

Ganz wesentlich sind zukunftsgerichtete Investitionen, zum Beispiel in die Weiterentwicklung unserer Kajen und in den Ausbau der Hinterlandanbindung. Dieser Aufgabe stellt sich der Senat sehr konsequent. Im Haushalt hatten wir bereits die Neubauprojekte der Kaje 66, der Nordmole sowie der Columbuskaje verankert. Hinzugekommen ist jetzt noch die Planung für die Weiterentwicklung der Stromkaje. Und auch die Vorstellkapazitäten der Hafeneisenbahn im Bereich Speckenbüttel wollen wir erweitern. bremenports arbeitet bereits an der entsprechenden Planung. Zusammengenommen sind das Meilensteine, die wir hier in den kommenden Jahren setzen werden.

Zudem sind wir beim Thema Klimaneutralität weiter ganz vorne. So sind die bremischen Häfen zum Beispiel der Initiative für emissionsfreie Seeschifffahrt, der sogenannten „Getting to Zero“-Koalition, beigetreten und im Juni hatten wir die Schaffung von acht ortsfesten Landstromanlagen für die Seeschifffahrt beschlossen. Die Mittel hierfür sind eingeworben, bremenports arbeitet derzeit an der Umsetzung.

Für mich bleibt zudem die Anpassung der Außenweser das zentrale Thema für die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens. Ich setze darauf, dass der Bund schnellstmöglich verbindlich die Weichen dafür stellt, dass wir den Reedern eine noch bessere Erreichbarkeit für voll beladene Containerschiffe bieten können. Das ist und bleibt der wesentliche Faktor im harten Wettbewerb. Hier müssen wir dringend vorankommen.

Gibt es potenzielle neue Geschäftsfelder für die bremischen Häfen?

Neue Geschäftsfelder, neue Märkte, neue Linien, neue Umschlaggüter hat es immer gegeben und gibt es natürlich auch jetzt. Wir erkennen unter anderem Chancen in den Bereichen der erneuerbaren Energien. Im Bereich der Wasserstofftechnologie haben wir mit dem Modellprojekt „Wasserstoff – grünes Gas für Bremerhaven“ schon jetzt deutschlandweit eine Vorreiterrolle. Das Thema bietet ein großes Zukunftspotential, das wir systematisch für die Häfen nutzbar machen müssen.

Zudem werden mit Sicherheit auch die Kernbereiche unserer Häfen, der Container- und Automobilumschlag, wieder die Chance bekommen zu wachsen. Dazu hat das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in diesem Jahr eine positive Perspektive aufgezeigt. Deshalb können wir auch im Vergleich zu anderen Standorten durchaus optimistisch in die Zukunft blicken. Vergessen sollten wir auch nicht das Kreuzfahrtgeschäft. Wir hatten dort in den vergangenen Jahren einen enormen Zuwachs zu verzeichnen. Ich bin mir sicher, dass wir dies nach Überwindung der Krise wieder erleben werden. Auch hier sollten wir die Zeit nutzen, um Vorbereitungen für ein noch besseres Angebot zu schaffen.

Die Häfen stehen vor großen Veränderungen. Automatisierung und Digitalisierung werden die Arbeit im Hafen verändern. Wie können in Zukunft neue, gute Arbeitsplätze geschaffen werden?

Wandel und Fortschritt gehören zusammen. So waren gerade die Wirtschaft und die Häfen schon immer Schauplatz von Veränderungen. Es ändern sich die Strukturen, die betrieblichen Prozesse und auch die eingesetzte Technik. Stillstand bedeutet Rückschritt und den wollen wir nicht. Der Hafen soll auch in Zukunft für Arbeit und Wohlstand sorgen. Jedoch wird es in einigen Bereichen nicht mehr die Arbeit sein, die wir heute kennen. Qualifizierung und Weiterbildung werden für die eigene berufliche Perspektive entscheidend sein. Ich werbe sehr für einen realistischen Blick auf die sich vollziehenden Veränderungen in den bremischen Häfen. Die Reedereien gewinnen eine immer größere Marktmacht und der Hafenwettbewerb wächst. Um auch weiterhin wettbewerbs- und leistungsfähig zu bleiben, müssen wir es zulassen, dass sich auch die technischen Möglichkeiten weiterentwickeln. Wir müssen uns die neuen Technologien zunutze machen. Dann werden wir die Leistungsfähigkeit stärken und auch künftig gute Arbeit im Hafen haben. Mit diesem Optimismus sollten wir in das neue Jahr gehen.