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2021/1 | Im Interview

Drei Fragen an

Uwe Beckmeyer, Senator a.D.

Vorsitzender des Wirtschaftsverband Weser e.V.


Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung hat jetzt den Neustart der Planungen für die Fahrrinnenanpassung der Weser gestartet und in dem Zusammenhang von einem wichtigen Schritt nach vorn gesprochen. Warum ist das für den Wirtschaftsverband Weser auch 20 Jahre nach den ersten Planungen immer noch von Bedeutung?

Die Entwicklung bleibt nicht stehen. Was wir vor 20 Jahren vorausgesagt haben ist eingetreten: Die Schiffe werden immer größer. Diese Schiffe können über die Rheinmündungshäfen ohne Abladeeinschränkungen eingesetzt werden. Wir haben an der Weser bei Reedern, Verladern und Handelshäusern einen hervorragenden Ruf, weil die Häfen in Bremerhaven und Niedersachsen mit ihren guten Hinterlandanbindungen, ihren professionellen Mitarbeitern und ihren modernen Hafeninfrastrukturen sich in der Vergangenheit immer den Anforderungen des Marktes mit Erfolg gestellt haben. Aber wir verspielen diesen Vorteil leichtfertig und verlieren Marktanteile, wenn wir uns jetzt nicht an die neuen Erfordernisse anpassen. Wir brauchen dringend eine bedarfsgerecht ausgebaute seewärtige Zufahrt.


Ziel des Wirtschaftsverband Weser ist es, Ökonomie und Ökologie in der einzigartigen Flussregion Weser sinnvoll in Einklang zu bringen. Kann die Weseranpassung tatsächlich mit diesem Ziel vereinbart werden?

Absolut. Die Weser ist ja schon seit dem Mittelalter eher ein Kulturraum als ein rein natürliches Umfeld. Das zeigt: Unsere Landschaft verändert sich und wir müssen damit verantwortungsvoll umgehen. Die Natur des Flusses und seiner Nebenflüsse, der Ländereien links und rechts des Flusses gilt es dabei ebenso zu schützen, wie es gilt, den gesetzlichen Anforderungen an die Bundeswasserstraße Weser aus dem Wasserstraßenausbaugesetz vollumfänglich gerecht zu werden.

Im Rahmen der Fahrrinnenanpassung sind negative Auswirkungen zu vermeiden oder durch geeignete Maßnahmen zu kompensieren. Dabei sind die einschlägigen europäischen und nationalen Richtlinien zu befolgen.

Die ganz großen Containerschiffe nach Wilhelmshaven und die kleineren nach Bremerhaven: Oft wird dies als Alternative zur Baggerung genannt. Könnte eine bessere Zusammenarbeit der Häfen an der Deutschen Bucht die Anpassung des Flusses überflüssig machen?

Eine gute Zusammenarbeit der deutschen Häfen ist wichtig und wird vom Wirtschaftsverband Weser schon immer gefordert und unterstützt. Durch die Weseranpassung wird diese Zusammenarbeit einen deutlichen Schub bekommen. Starke Partner arbeiten gut und gern zusammen und werden auch gemeinsam im Wettbewerb zu den ARA-Häfen bestehen. Die Reedereien wie auch die Verlader lassen sich nicht sagen, wo sie welches Schiff hinschicken dürfen. Das ist planwirtschaftliches Wunschdenken. Die Ladung sucht sich ihren Hafen. Wenn die Reedereien mit ihren großen Schiffen zu uns kommen können, dann kommen sie auch mit den kleinen dahin. Die norddeutschen Häfen dürfen sich hier nicht auseinanderdividieren lassen, vielmehr sollten wir uns als eine starke Allianz und verlässliche Partner im internationalen Wettbewerb verstehen.

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