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2021/3 | Zwei Städte – ein Hafen

Ein klares Bekenntnis zu Investitionen in den Hafen der Zukunft

Bürgermeister und Senatorin starten Dialogprozess für neues Hafenkonzept

Mit einer digitalen Auftaktveranstaltung hat die Senatorin für Wissenschaft und Häfen, Dr. Claudia Schilling, den Dialogprozess zur Weiterentwicklung des Bremischen Hafenkonzeptes gestartet: „Mit der Fortschreibung des Bremischen Hafenkonzeptes wollen wir unsere Häfen fit machen für die vielfältigen Herausforderungen der kommenden Jahre. Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit der bremischen Häfen stärken und die Grundlage für neues Wachstum schaffen. Genau diesem Ziel folgt der nun begonnene Prozess zur Weiterentwicklung des Bremischen Hafenkonzeptes“, so Schilling.

Die Erarbeitung eines Zukunftskonzeptes Hafen war im Januar im Hafenausschuss der Bremischen Bürgerschaft beschlossen worden. Mit der Erarbeitung des Konzeptes ist die Hafenmanagementgesellschaft bremenports GmbH beauftragt worden, der auch die Organisation der Auftaktveranstaltung oblag.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte der Präsident des Senats, Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte die Leistungen der bremischen Häfen in der Coronakrise gewürdigt. „Unsere Häfen haben ihre Leistungsfähigkeit auch in diesen schwierigen Zeiten unter Beweis gestellt. Dies konnte nur gelingen, weil die privaten und die öffentlichen Akteure gemeinsam einen Superjob gemacht haben.“

Die Zukunft Bremens und Bremerhavens sei ohne wettbewerbsfähige Häfen nicht vorstellbar, sagte der Bürgermeister. In den vergangenen 30 Jahren habe man deshalb etwa 1,5 Milliarden Euro in die Hafeninfrastruktur investiert. Dieses hohe Investitionsvolumen werde auch in Zukunft beibehalten. Bremen werde ein Volumen von 500 Millionen Euro für einen Zeitraum von zehn Jahren zur Verfügung stellen, so Bovenschulte.

In vorab produzierten Statements hatten Vertreter der Hafenwirtschaft und von Verbänden ihre Erwartungen an ein neues Hafenkonzept formuliert. Die Häfen seien heute konkurrenzfähig, sagte darin unter anderem Frank Dreeke, Vorstandsvorsitzender der BLG Logistics Group. Für die Zukunft sei es wichtig,  dass in Bremerhaven auch weiterhin die ganz großen Containerschiffe wirtschaftlich abgefertigt werden können.  Dafür sei es notwendig, die Kajen zu ertüchtigen, um die großen Containerbrücken einsetzen zu können. Auch die Weservertiefung sei zwingend erforderlich.  Auch Markus Westermann von der Gewerkschaft VERDI  betonte die Bedeutung der Konkurrenzfähigkeit im internationalen Vergleich für gute Arbeit in den Häfen. Wichtig sei, dass es weiterhin nur tarifgebundene Arbeitsplätze gebe. Denn diese Mitarbeiter seien diejenigen, die sich mit dem Hafen identifizierten.

Unterstützung für eine Weservertiefung gab es vom Umweltverband BUND Bremen zwar nicht, aber Geschäftsführer Martin Rode sieht durchaus positive Entwicklungen – etwa darin, die Hafenanlagen klimaneutral betreiben zu wollen. Das müsse auch Ziel für den Betrieb insgesamt sein, beispielsweise für Schiffsantriebe. Zugleich mahnte Rode eine höhere Flächenproduktivität durch die Ansiedlung arbeitsplatzintensiver Betriebe an.

Für Dieter Kanning, Vorsitzender der Initiative Stadtbremische Häfen (ISH), war es wichtig, hervorzuheben, dass die Häfen in Bremen funktionierten. Die ISH erwarte deshalb  auch künftig die erforderlichen Investitionen in die Infrastruktur der Häfen in der Stadt Bremen sicherzustellen. 

Die größte Herausforderung sei das Bestehen im Wettbewerb mit den Westhäfen und den neuen stärker werdenden Ostseehäfen, sagte Christoph Bruns, Sprecher des Präsidiums der Bremischen Hafen- und Logistikvertretung (BHV), in seinem Videobeitrag. Gleiches gelte für eine bessere Zusammenarbeit der norddeutschen Häfen in der Zukunft. Zudem sollten, so Bruns, jegliche Vorhaben innerhalb des Hafenentwicklungskonzepts mit den Akteuren und Verbänden der Hafen- und Logistikwirtschaft abgestimmt werden. 

Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz hatte in der Diskussion die Bedeutung der Häfen für den Arbeitsmarkt in Bremerhaven und der Region hervorgehoben. Auch der Kreuzfahrt komme diesbezüglich nach dem Ende der Pandemie wieder eine besondere Rolle zu. Deshalb sei es wichtig, die vom Senat angekündigten Investitionen in den Standort nun auch zügig umzusetzen. Grantz: „Darüber hinaus ist mir die enge Verzahnung von Hafenentwicklung und Wirtschaftsentwicklung ein besonderes Anliegen.“

bremenports-Geschäftsführer Robert Howe betonte die Bedeutung guter Verkehrsanbindungen: „Ein starker Hafenstandort muss im Wettbewerb mit besten Verkehrsanbindungen punkten.“ Deshalb sei es wichtig, die Eisenbahn noch weiter zu stärken, die Befahrbarkeit der Weser für die großen Containerschiffe zu verbessern, das Potential der Binnenschifffahrt zu heben und mit der Fertigstellung des Hafentunnels auch die Straßenbeziehungen im Überseehafen zu optimieren.

In ihrem Schlusswort griff Senatorin Dr. Schilling die Wünsche der Hafenwirtschaft auf, bei der Weiterentwicklung des Hafenkonzeptes umfassend beteiligt zu werden. „Das Hafenkonzept wird im engen Dialog mit den verschiedensten Beteiligten der Hafen- und Logistikwirtschaft entstehen“, so die Senatorin. Dazu werde es auch weitere öffentliche Veranstaltungen zu ausgewählten Themen geben.

Vorgesehen ist es, das neue Bremische Hafenkonzept im Frühsommer 2022 im Senat und auch im Hafenausschuss politisch zu diskutieren und als Handlungsleitfaden für das nächste  Jahrzehnt zu verabschieden.

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