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Maritime Vielfalt

Ein Porträt von Christian Leopold

Offen sein für Neues, das ist das Motto von Christian Leopold. Seit Jahresbeginn hat er gemeinsam mit Frank Pöser die Geschäftsführung der CHS Container Group in Bremen-Oslebshausen übernommen, einem der größten Containerhändler weltweit.

Christian Leopolds Wurzeln liegen in doppelter Hinsicht bei seinen Eltern. Hätte seine Mutter nicht seit ihrer Kindheit eine engste Freundin, wäre der 30-Jährige heute nicht Geschäftsführer von CHS Container. Während der Grundschulzeit freundet sich Leopolds Mutter mit einer Mitschülerin an. Die Verbindung bleibt eng und über die Frauen entsteht auch der Kontakt zwischen ihren späteren Ehemännern. Carsten Leopold und Werner Pöser freunden sich ebenfalls an, beide Paare bekommen Kinder, die Pösers 1978 ihren Sohn Frank und 1986 ihre Tochter Anne, die Leopolds 1988 Maximilian und ein Jahr später Christian. Werner Pöser beginnt 1979, ein Jahr nach der Gründung von CHS Container durch Heinz-Dieter Feldhausen und seine Frau, für das damals auf den Verkauf, die Zwischenlagerung und die Reparatur von Reedereicontainern spezialisierte Unternehmen zu arbeiten. 1994 übernehmen Werner Pöser und Carsten Leopold das Unternehmen von der Gründerfamilie.

Vom Spielplatz zum Arbeitsplatz
„Schon als Kind war der Kontakt zu den Containern super intensiv“, erinnert sich Christian Leopold. „Ich fand das Gelände faszinierend, die vielen Boxen waren wie ein großer Spielplatz für mich und meinen Bruder.“ Wie es bei inhabergeführten Mittelständlern oft der Fall ist, lernte Leopold das Containergeschäft von der Pike auf. Schon mit 13 Jahren beginnt er, in den Schulferien für die Firma zu arbeiten: „Mit der Reinigung von Toilettencontainern fing es an“, schmunzelt Leopold. Nicht viel anders ist es beim elf Jahre älteren Frank Pöser, der 2004 bei CHS Container einsteigt.
Leopold beginnt 2009 an der Uni in Bremen ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Während der Semesterferien sammelt er Berufserfahrung in verschiedenen externen Unternehmen. Nach seinem Masterabschluss 2014 arbeitet er zunächst zweieinhalb Jahre im Projektmanagement für ein Unternehmen der Offshore-Windindustrie. Einen Bezug zum Geschäft seines Vaters gibt es auch, denn Container sind in der Offshore-Windenergie ein unverzichtbares Transportmedium. „Das ein oder andere Mal konnte ich auch auf Boxen von CHS zurückgreifen“, erzählt Leopold.

Zwei Väter, drei Nachfolger
Natürlich habe die Frage nach der Nachfolge immer im Raum gestanden, grundsätzlich seien sein Bruder und er jedoch schon frei gewesen in ihren Entscheidungen, betont Leopold. „Aber die Verbindung zum Unternehmen war natürlich immer sehr eng.“ 2014 wurden Frank Pöser und Christian Leopold dann von ihren Vätern gefragt, ob sie das Unternehmen übernehmen wollen. „Ich wusste um die große Verantwortung für die 250 Mitarbeiter, ich kannte ja sogar alle persönlich“, berichtet Leopold. „Und auch, wie zeitintensiv es ist, ein solches Unternehmen zu leiten, habe ich erlebt, denn mein Vater war selten zu Hause.“ Trotzdem sei die Entscheidung für ihn ebenso wie für Frank Pöser klar gewesen: „Wir haben das sehr konstruktiv diskutiert, und dann schnell entschieden, dass wir 2020 die Nachfolge antreten.“ Sobald sein Bruder Maximilian Leopold sein Studium abgeschlossen hat, wird er ebenfalls bei CHS einsteigen und für die Technik verantwortlich sein.
Zu Gute kommt den Geschäftsführern, dass sie sich zwar seit ihrer Kindheit kennen und „sehr gut verstehen“, wie Leopold betont, aber zugleich – nicht zuletzt bedingt durch den Altersunterschied – auch unterschiedliche Interessen bestehen. „Frank und ich ergänzen uns gut: Während er operativ verantwortlich ist, für das Depot in Bremen, Containerreparaturen und die Entwicklung des stark wachsenden Mietparks, kümmere ich mich um Marketing, Vertrieb und das Business Development für die Seecontainer“, erläutert Leopold. Damit beschreibt er zugleich, wie groß die Palette der Dienstleistungen ist, die CHS inzwischen anbietet: Das Familienunternehmen stellt ihren Kunden Services für Boxen jeder Art, ob den weltweiten Transport, die Lagerung oder die Reparatur von Seecontainern bis hin zu Containern jeglicher Nutzungsmöglichkeit, wofür 2004 CHS Spezialcontainer gegründet wurde, zur Verfügung. „Wir sind breit aufgestellt, um auch wirtschaftliche Schwankungen auszugleichen“, sagt Leopold. Mit Erfolg, wie der stetig wachsende Umsatz in allen Geschäftsbereichen zeigt.

Digitalisierung vorantreiben
Derzeit geht es Christian Leopold darum, auch eigene Akzente zu setzen und neue Formate und Methoden auszuprobieren. Ein Beispiel im Zuge der angestrebten weiteren Digitalisierung: „Mit zwei Großkunden wollen wir künftig die gesamte Kommunikation über eine Kollaborationsplattform abwickeln“, berichtet der Geschäftsführer. Das Ziel dabei ist es, den Mailverkehr deutlich zu reduzieren. Das könnte sich auch positiv auf Leopolds Pensum auswirken, mit derzeit mehr als 40 Stunden pro Woche und dem Aufarbeiten von Mails am Wochenende. Ein weiterer Ansatz sind Projektgruppen, die eigenverantwortlich arbeiten. „Wir brauchen mündige Mitarbeiter“, betont Leopold.
Probleme mit seiner Akzeptanz als Junior habe es keine gegeben. „Die Mitarbeiter wussten um meine Berufseinstellung und -erfahrung, und Frank war damals ja ohnehin schon zehn Jahre im Unternehmen.“ Sicher auch, weil Kritik grundsätzlich gewollt sei, „in beide Richtungen“, wie Leopold betont. Nur wenn Fehler, die grundsätzlich erlaubt und menschlich seien, zwei oder drei Mal gemacht werden oder zugesagte Aufgaben nicht erledigt werden, verliere er die Geduld. „Äußerlich bleibe ich aber immer ruhig.“ Dabei hilft ihm auch der regelmäßige Sport: Zwei bis drei Mal pro Woche geht Leopold ins Fitnessstudio, und wenn Zeit ist, spielt er Fußball. Im Privaten schätzt er Konstanz, schon seit sechs Jahren ist er mit seiner Freundin zusammen, die sich gerade auf die eigene berufliche Entwicklung konzentriert und Verständnis zeigt für sein Engagement. Mit ihr reist er gern, zum Entspannen am Meer waren beide kürzlich auf Kuba sowie in Taiwan und bald auf Bali. Auch beruflich ist Leopold in etwa 30 Prozent seiner Arbeitszeit unterwegs, bis es wieder zurück geht ins Bürogebäude, das – zwar verschalt und mit einem Dach ausgestattet – natürlich ebenfalls aus Containern besteht.

(Claudia Behrend)