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2022/1 | Maritime Vielfalt

Ein Porträt von

Dr. Bärbel Schröder

Keine Chance für Schädlinge

Als Bremer Amtsleiterin für Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und den Veterinärdienst kommt Dr. Bärbel Schröder im Rahmen der Grenzkontrollstelle auch für die bremischen Häfen eine wichtige Rolle zu.

Wenn die Seecontainer an der Grenzkontrollstelle ankommen, packt selbstverständlich auch Bärbel Schröder mit an. Als Amtsleiterin des Lebensmittelüberwachungs-, Tierschutz- und Veterinärdienstes des Landes Bremen (LMTVET) hat sie zwar auch sonst genügend zu tun. Um aber die Kontrolle von jährlich knapp 30.000 Tonnen Frühkartoffeln aus Ägypten auf den Befall von Schädlingen zu untersuchen, braucht es jede Hand der gesamten Belegschaft der Pflanzengesundheitskontrolle und Mitarbeitender anderer Fachbereiche. Schließlich kommt die Menge ab März sehr geballt und soll zügig in den Verkauf gehen. Vorher muss allerdings jeder einzelne Container kontrolliert werden. Pro 25 Tonnen werden dann 200 Knollen nicht nur visuell mithilfe einer Schnittprobe untersucht, sondern für jeden Sektor der einzelnen Anbaugebiete auch im Labor auf Krankheiten geprüft.

Für die promovierte Tierärztin sind solche Kontrollen nach über drei Jahrzehnten im Job und 20 als Amtsleiterin in Bremen längst Routine, ebenso wie für viele der Mitarbeiter_innen aus der Grenzkontrolle und der Fleischhygiene, die bei Bedarf unterstützen. Insgesamt zählen zum Team der 62-Jährigen – verteilt auf fünf Dienstsitze in Bremen und Bremerhaven – 120 Mitarbeiter_innen. Im Bundesland Bremen gehören ähnlich wie EU-weit bereits seit über 20 Jahren der Veterinärdienst und der Pflanzenschutz zu einem Amt. „Wir haben dadurch deutlich kürzere Wege und können in Spitzen Mitarbeiter_innen austauschen“, unterstreicht Schröder.

Neben Tiermedizin ist für Schröder auch EU-Recht wichtig

Die Routine ist auch deshalb hilfreich, weil sich die Lage immer wieder verändert. So treten in den Herkunftsländern regelmäßig Tierkrankheiten wie die Geflügelpest in Asien auf, oder irgendwo auf der Welt gibt es neue Fälle von Maul- und Klauenseuche. „Dann wird sofort reagiert und die Einfuhr in die EU verboten. Für uns bedeutet das, dass wir die Produktionsdaten im Hinblick auf den jeweiligen Stichtag überprüfen und die Ware gegebenenfalls stoppen“, berichtet Schröder. Letztlich gehe es auch darum sicherzustellen, dass die lebensmittelrechtlichen Anforderungen der EU eingehalten werden.

Einen besonderen Stellenwert in der Grenzkontrollstelle Bremerhaven hat die Einfuhr von Fischereierzeugnissen. So waren es 2020 fast 4.600 Sendungen mit einem Gewicht von über 150.000 Tonnen. Schließlich wird der bundesweite Bedarf an Fischereierzeugnissen zu 85 Prozent durch den Import gedeckt. Beim Wildfang besonders wichtig sind – in der Regel tiefgefrorener – Alaska Pollock, Seelachs, Seehecht und Kabeljau, die vor allem im Fischereihafen Bremerhaven verarbeitet werden. „Dazu öffnen wir jeden Kühlcontainer, messen die Temperatur, kontrollieren alle Dokumente und nehmen beim aufgetauten Fisch eine geschmackliche Untersuchung vor“, erläutert die Amtsleiterin. „Im Verdachtsfall werden die Proben im Labor untersucht, und natürlich nehmen wir regelmäßig Stichproben vor.“

Neben den Fischereierzeugnissen werden bei den tierischen Lebensmitteln unter anderen auch Geflügel, Fleisch und Honig sowie tierische Futtermittel untersucht. Ob Bösartige Faulbrut im Honig, Chlorate oder bestimmte Ammoniumverbindungen im Süßwasserfisch Pangasius: Davon betroffene Lebensmittel sollen nicht eingeführt und verzehrt werden. Außerdem gibt es in einigen Fällen Zurückweisungen, beispielsweise wegen der Nichteinhaltung der Kühlkette oder fehlerhaften Dokumenten.

Überprüfung von verbotenen Stoffen und Einhaltung von Zertifizierungen

„Bei pflanzlichen Lebensmitteln hat die EU festgelegt, welche auffällig geworden sind“, erklärt Schröder. „Das sind vor allem Schimmelpilzgifte, die sogenannten Aflatoxine.“ Immer wieder werde in den Produktionsländern zum Beispiel bei Sesam auch das Pflanzenschutz- und Begasungsmittel Ethylenoxid eingesetzt, das seit 1991 in der EU verboten ist. Seit 2020 wird bei der Einfuhr von Bio-Produkten auch die dafür erforderliche Zertifizierung geprüft.

Die eigentliche Aufgabe von Schröder ist die Koordination all dieser Tätigkeiten. Aber: „Hochkontagiöse Tierseuchen lasse ich mir nicht nehmen“, betont die Veterinärin mit einem Lächeln. Und auch wenn ihre Kollegin von der Tierschutzkontrolle in Bremerhaven im Urlaub sei, springe sie natürlich ein. „Einen hierarchischen Führungsstil können wir uns hier nicht leisten, bei Not am Mann muss jeder mit anpacken.“ Und so war sie kürzlich in einem kleinen Bremer Betrieb, in dem die Geflügelpest ausgebrochen war, mit zwei weiteren Kolleg_innen direkt an der Tötung beteiligt.

Direkt mit Tieren zu arbeiten sei schon immer ihr Wunsch gewesen, erzählt Schröder, die am Niederrhein aufwuchs. „Die beste Freundin meiner Mutter lebte auf einem Bauernhof, und ich wusste schon als Kind, dass ich Tierärztin werden wollte.“ Vier Jahre nach dem Studium der Tiermedizin in Berlin stellte sich jedoch heraus, dass sie aufgrund einer Allergie nicht wie ursprünglich geplant in einer Großtierpraxis würde arbeiten können. Also entschied sie sich für ein Veterinärsreferendariat und wurde Amtstierärztin und stellvertretende Amtsleiterin im Kreis Neuß. „Als das Land Bremen eine neue Amtsleiterin suchte, habe ich mich beworben“, erzählt sie. Der Wechsel in den Norden sei ihr nicht schwer gefallen, da ihr die Region ohnehin viel eher gefalle als der Süden. Und wenn sie von der Wesermarsch erzählt, wo sie lebt, klingt eine große Verbundenheit zur Wahlheimat mit.

Eine enge Verbindung hat sie auch zu ihrem Hund, einem Labrador Retriever. Ihn hat sie über ein Jahr lang zum Kadaversuchhund für die Afrikanische Schweineseuche bei Wildschweinen ausgebildet, wofür jedes Wochenende über sechs Monate ein Hundetraining erforderlich war. Ihren vorherigen Hund bildete sie zum Rettungshund aus. „Ich arbeite gern mit Hunden“, so Schröder. Aber auch das Wasser übt eine starke Anziehung auf die Amtsleiterin aus: „Ich tauche gern, am liebsten in warmen Gefilden wie dem Pazifik oder Südpazifik, also in Ländern wie Fidschi, Indonesien und den Philippinen.“ Zum Glück sind unter Wasser keine Kontrollen bei den Fischen erforderlich.  

(Autorin: Claudia Behrend)

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