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Maritime Vielfalt

Ein Porträt von Friedrich Stuhrmann

Als Geschäftsführer von MSC Gate in Bremerhaven hält Friedrich Stuhrmann die Interessen der beiden Joint-Venture-Partner Eurogate und MSC im Gleichgewicht. Das braucht der passionierte Rennradfahrer auch bei seinen sportlichen Touren.

Es gibt zwei Karrieretypen. Die einen planen ihren Weg fast minutiös im Voraus. Die anderen bleiben offen für das was kommt. Friedrich Stuhrmann gehört zur zweiten Gruppe und zeigt, wie erfolgreich man auch auf diese Weise sein kann. Bereits im Alter von 36 Jahren wurde er 2018 zum Geschäftsführer von MSC Gate Bremerhaven berufen. Zielstrebig ist der gebürtige Luxemburger allerdings trotzdem. Bereits 2011 wurde er kaufmännischer Leiter und Prokurist des Container Terminal Bremerhaven, nachdem er erst 2007 seine Karriere im Eurogate-Konzern mit dem Führungsnachwuchskräfteprogramm gestartet hatte.

Doch der Reihe nach. Einen ganz klaren Wunschberuf hatte Stuhrmann zu Schulzeiten nicht. „Als Kind wollte ich natürlich Profifußballer werden“, schmunzelt der inzwischen 38-Jährige. „Aber dafür reichte es leider nicht.“ Nach seinem Abitur an der europäischen Schule in Luxemburg war ihm jedoch „nur BWL etwas zu langweilig“. Dafür waren die Hafenrundfahrten anlässlich diverser Familienbesuche in Hamburg eindrücklich. „Logistik hat mich immer schon interessiert“, sagt Stuhrmann. Verkehrswissenschaft erschien ihm etwas zu theorielastig. Verkehrswirtschaft war dagegen interdisziplinärer aufgebaut und klang spannend, fand er. „Das gab es nur an der TU in Dresden“, erläutert er den Sprung von der mehrsprachigen Schule in Luxemburg an die Elbe. „Nach all der Zeit der Mehrsprachigkeit, fand ich es zudem reizvoll, einmal in Deutschland zu leben, zumal auch meine Eltern von hier stammen.“

Während seines Studiums ging es neben betriebs- und volkswirtschaftlichen Aspekten auch um Verkehrspolitik und grundsätzlich alle Verkehrsträger. „Die Schifffahrt stand in Dresden leider etwas weniger im Blickpunkt“, bedauert Stuhrmann. „Dafür gehörte viel Mathematik dazu.“ Und auch Praxiserfahrung, die er im Rahmen eines sechsmonatigen Praktikums bei der HHLA und dann zwölf Monate als Diplomand bei Kombiverkehr verbrachte. Nach seinem Abschluss reizte den Diplom-Verkehrswirtschaftler „die Möglichkeit, im Rahmen des Führungskräftenachwuchsprogramm bei Eurogate eineinhalb Jahre in unterschiedliche Bereiche reinschnuppern“. Eine der ersten Fragen, die bei seinem Einstieg 2007 anlässlich der Containerschiffe der Emma-Maersk-Klasse mit einer Kapazität von 14.500 TEU aufkam, war die Frage nach dem weiteren Größenwachstum. 20 bis 22.000 TEU seien theoretisch möglich, aber mehr nicht, habe es damals in einer Studie des Germanischen Lloyd geheißen, erinnert sich der Geschäftsführer. Wie sehr sich damals viele täuschten, zeigt die Realität. Und das Wachstum werde sich fortsetzen, prognostiziert Stuhrmann: „Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die Größenentwicklung schon zu Ende ist.“ Daran werde auch Corona nichts ändern. Was das für die Beteiligten bedeutet, ist dem Geschäftsführer natürlich bewusst: „Die Häfen kommen an ihre Grenzen und die mit dem besten Angebot werden sich durchsetzen“, sagt er. Entsprechend müsse man mit der Zeit gehen und die Hafeninfrastruktur ertüchtigen. Die Investition in die neuen Containerbrücken, mit denen dann bis zu 26 Reihen abgefertigt werden können, hält er nach wie vor für richtig: „Wir freuen uns, wenn die neuen Brücken ankommen“, sagt Stuhrmann. „Sie werden uns helfen, noch effizienter zu arbeiten.“ Das könne gerade in schwierigen Zeiten von Vorteil sein, genau wie die Beteiligung von MSC als Joint-Venture-Partner, der auch jetzt daran interessiert sei, die eigenen Terminals nicht fallen zu lassen.

 

Herausfordernde Zeiten erlebt Stuhrmann bei Eurogate nicht zum ersten Mal. Als er 2007 dort anfing, erlebte er noch die letzten Monate des Containerbooms mit, aber dann auch schnell die Folgen der Insolvenz der US-amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers. „2009 kam dann RWE mit ersten Aufgaben für die Offshore-Windenergie auf uns zu“, erinnert er sich. Das sei eine gute Gelegenheit gewesen, sich zu beweisen. „Alle fingen bei Null an. Es hat mich gereizt, von Anfang an mit dabei zu sein und Expertise aufzubauen, da wusste man dann schnell mehr als die anderen.“ Parallel zu seiner Tätigkeit als Projektmanager wurde er dann kaufmännischer Leiter des Eurogate Containerterminals. Immer wichtig war es ihm jedoch, dass er direkt vor Ort am Terminal sitzt: „Ich muss sehen, was das eigene Geschäft macht und Kontakt zu den Mitarbeitern haben.“

Auf die Frage, was für ein Persönlichkeitsprofil für seine Position als Geschäftsführer von MSC Gate Bremerhaven gebraucht wird, antwortet Stuhrmann prompt: „Man benötigt jemand, der einen partnerschaftlichen Arbeitsstil hat und auch unterschiedliche Perspektiven einnehmen kann. Die Ziele von zwei starken Partnern sind nicht immer automatisch deckungsgleich.“ Aber auch wenn es mal mehr Diskussionen gibt, letztlich bringt Stuhrmann genau das auch Spaß: unterschiedliche Interessen langfristig ins Gleichgewicht zu bringen.

Auch privat sei er „kein Zankapfel“. Und über ganz normalen Unfug lache er genauso gern wie über Helge Schneider. Nach mitunter langen Arbeitstagen braucht er zudem etwas Ausgleich: „Privates und Berufliches sollte im Gleichgewicht sein.“ Ganz wichtig dabei: Sport treibt er grundsätzlich gern. Außerdem gehört zu einem perfekten Wochenende etwas Schönes zu essen, mal selbst gekocht, mal im Restaurant. „Fußball wird jetzt leider etwas weniger aufgrund des zunehmenden Verletzungsrisikos, dafür spiele ich jetzt öfter mal Squash.“ Besonders gern steigt er auch auf sein Rennrad, ob an seinem Wohnort in Bremen oder in den Bergen. Diesen Sommer steht eine besondere Tour an: Von Genf geht es über den Hauptalpenkamm auf Streckenabschnitten der Tour de France bis zum berühmt-berüchtigten provenzalischen Berg Mont Ventoux hinauf. Dafür braucht man einen langen Atem, Disziplin und Ausdauer. Und das passt gut zu Stuhrmann, der von sich selbst sagt: „Ich bin auch im Beruf eher ein Langstreckenläufer, weil ich überzeugt bin, dass wichtige und erfolgreiche Projekte Ausdauer und Durchhaltevermögen benötigen.“

(Claudia Behrend)