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2021/4 | Maritime Vielfalt

Ein Porträt von

Heiko Felderhoff

Volle Fahrt voraus

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert arbeitet Heiko Felderhoff bei der in Bremen ansässigen Reedereigruppe Harren & Partner. Und wenn es nach ihm geht, soll sich das auch nicht ändern.

Lange um etwas herumzureden, ist seine Sache nicht: „Ich finde, es ist möglich, in drei Sätzen ein Problem zu benennen“, unterstreicht der Geschäftsführer der Bremer Harren & Partner Gruppe. Und auch der 53-jährige selbst bringt Dinge gern auf den Punkt – zum Beispiel so: „Ich bin ein Naturmensch, mag die Naturgewalten und die See.“

Dass er zur See fahren wollte, wusste der gebürtige Essener schon zu Abiturzeiten in Düsseldorf, wo er aufwuchs. Es habe nie eine andere Option gegeben für ihn, als zu reisen, um fremde Länder zu entdecken und dort Geschäfte zu machen. Und: „Das würde ich heute wieder genauso entscheiden, wenn ich müsste“, betont er.

Die Schifffahrt lernte er von der Pike auf, denn damals mussten angehende Kapitäne und Offiziere zuerst den Matrosenbrief erwerben. Anschließend studierte er an der Seefahrtschule in Hamburg. Aber Felderhoff hätten wohl auch größere Hürden nicht abbringen können von seinem Wunsch. „Sowohl die Hochseefischerei, mit der ich angefangen habe, als auch die Schwergutschifffahrt sind seemännisch anspruchsvoll, das hat mich sehr gereizt“, betont er.

Nach 20 Jahren auf See, acht davon als Kapitän, zog es ihn an Land. „Dass ich Peter Harren 1995 kennenlernte, obwohl er damals nur ein Schiff besaß, hat etwas mit Glück zu tun“, erzählt Felderhoff. Der Funke zwischen beiden sprang sofort über: „Seine Visionen hat mir Peter so glaubhaft vorgestellt, dass ich nicht lange überlegen musste.“ Beide verbindet ebenso wie mit dem Sohn von Peter Harren und dritten Geschäftsführer sowie Gesellschafter, Dr. Martin Harren, neben dem Beruf längst auch Freundschaft.

Unterwegs Arbeiten ist Alltag

Die Aufgabenverteilung innerhalb der Geschäftsführung entspricht Felderhoffs Neigungen: „Ich mache natürlich nicht den Innendienst“, scherzt er, und sagt: „Ich kümmere mich vor allem um den Vertrieb und das Business Development.“ Schließlich werde er unruhig, wenn er ein paar Wochen am Stück im Büro sei. „Aber da unsere Geschäftspartner ausschließlich im Ausland sitzen und wir weltweit 20 Büros haben, kommt das selten vor.“ Dass er pro Jahr rund 220 Tage unterwegs ist, genießt er vielmehr. Und selbst während der Pandemie seien es bisher nicht wesentlich weniger Reisen als in den Jahren zuvor gewesen.

Projekte gibt es mehr als genug: Ein Beispiel sind die Aufräumarbeiten im Hafen von Beirut nach der durch die Lagerung von hochexplosivem Ammoniumnitrat ausgelösten Explosion im August 2020. „Für uns war nach dem Anruf des Auswärtigen Amts sofort klar, dass wir helfen“, betont Felderhoff. Vergleichbares zu dem, was er im Hafen der libanesischen Hauptstadt vorfand, hatte er trotz etlicher erfolgreich abgeschlossener Bergungsprojekte in der Heftigkeit zuvor nicht gesehen. Umso mehr freut er sich, dass die gefährlichen Chemikalien inzwischen sicher nach Wilhelmshaven transportiert sowie hierzulande entsorgt wurden, und die zur Harren & Partner Group gehörende Bergungsfirma Combi Lift ihr Geld bekommen hat. Inzwischen hat die Bundesregierung zehn Millionen Euro für den Wiederaufbau des neuen Hafens von Beirut im Haushalt bewilligt. Zum deutschen Konsortium unter der Leitung von Hamburg Port Consulting gehört auch Combi Lift.

Operativ immer auf dem Laufenden

Eines der wohl größten Projekte in der Unternehmensgeschichte ist das Amur-Projekt im Osten Russlands. Gazprom baut dort eine der größten Erdgasaufbereitungsanlagen der Welt mit einer Kapazität von bis zu 42 Milliarden Kubikmetern Erdgas pro Jahr. Im Auftrag von Linde Engineering übernimmt Combi Lift die gesamte Transportlogistik für die benötigten Schwergut-Komponenten. Combi Lift ließ eigens für das auf fünf Jahre ausgelegte Megaprojekt acht Schlepper und acht Bargen bauen. Investitionssumme: rund 50 Millionen Euro. Die Herausforderung: Die Anlage wird 2.500 Kilometer über die Flüsse Amur und Zeya verschifft, die aufgrund des eisigen Winters nur 140 Tage im Jahr befahrbar sind. Aufgrund fehlender Infrastruktur ist die Logistik extrem anspruchsvoll. Für die bis zu 1.500 Tonnen schweren Teile mussten vor Ort erst Schlepper und Bargen gebaut werden. Über die operative Seite des Projekts im Bilde zu sein, ist für Felderhoff unverzichtbar. Vorab ist er beispielsweise mit dem Hubschrauber den Fluss entlang geflogen.

Dass diese und andere Großprojekte wie die Bergung des vor der US-amerikanischen Ostküste gekenterten Car Carriers „Golden Ray“ mit dem eigentlichen Reedereigeschäft nichts mehr zu tun hat, sei eine strategische Entscheidung. „Wir konzentrieren uns vor allem auf Projekte, bei denen wir die gesamte Wertschöpfungskette anbieten können, ob für Öl und Gas, Erneuerbare Energieträger oder Bergungsprojekte“, hebt der Geschäftsführer hervor. Aber auch wenn die Projekte immer größer werden: geduldig sei er nicht. „Das weiß auch mein Team, und wir mussten uns da erst einspielen.“

Dass das Geschäft so gut läuft, erklärt Felderhoff so: „Unser USP ist, dass wir schnell, gut und unkompliziert sind.“ Dabei zahle sich auch seine Ungeduld aus: „Unsere Geschäftspartner wissen das, und auch, dass wir innerhalb der Geschäftsführung nicht viel Zeit benötigen, um eine Entscheidung zu treffen.“ Einige Wettbewerber seien inzwischen groß und damit auch bürokratisch geworden. Bei Harren & Partner seien die Hierarchien flach und man duze sich.

Ausgleich zum Beruf findet Felderhoff auf dem Bauernhof in Bremen-Oberneuland, wo er mit seiner Frau und der 16-jährigen Tochter lebt – und außerdem 60 Pferde, vier Highland-Rinder, fünf Ziegen, zwei Hunde und sieben Katzen. Dort steigt er gern auf den Trecker oder reitet sonntags mit seiner Frau aus. Einmal im Jahr fährt die Familie zum Wandern nach Österreich. Etwas Wassersport darf allerdings nicht fehlen: längere Segeltouren in Nord- und Ostsee – und dabei „eher größere Trips“, wie Felderhoff betont – zählen ebenfalls zu den Familienhobbys.

(Autorin: Claudia Behrend, Foto: © Harren & Partner)

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