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Maritime Vielfalt

Ein Porträt von Janina Marahrens-Hashagen

Janina Marahrens-Hashagen steht als Präses der Handelskammer Bremen nicht nur als erste Frau an der Spitze einer solchen Institution, sondern wird 2022 nach 478 Jahren auch als erste Frau die Bremer Schaffermahlzeit ausrichten. In ihrem Hauptberuf lebt die zweifache Mutter als geschäftsführende Gesellschafterin der Firmengruppe H. Marahrens bereits seit Jahrzehnten berufliche Gleichberechtigung.

© Joerg Sarbach

Von Heinrich Marahrens 1949 in Bremen-Nord im heimischen Wohnzimmer als Gravieranstalt gegründet, spezialisierte sich der Betrieb H. Marahrens seit 1953 erst in Bremen-Walle und ab 1994 an der Grambker Heerstraße auf die Produktion von Schildern. Schon als Schülerin arbeitete Janina Marahrens-Hashagen in den Ferien im inzwischen als Marahrens Group firmierenden Unternehmen ihres Vaters, sammelte Erfahrungen und verdiente sich ein zusätzliches Taschengeld.

Der erste Abstecher von der Weser führte Marahrens-Hashagen nach dem Abitur in Bremen für ein Jahr an die US-amerikanische Universität in Berkley. „Das war eine tolle Zeit auf dem Campus, und ich habe gelernt, mich allein in einem fremden Land zurecht zu finden“, erinnert sie sich. Anschließend studierte sie Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunktfächern Steuer-, Wirtschafts- und Bankrecht in Hamburg und arbeitete als Studentin regelmäßig sowohl für ihren Vater als auch im Krankenhaus. Mit Letzterem erfüllte sie sich einen Kindheitstraum: „Als Mädchen wollte ich Medizinerin werden und habe deshalb während der Ferien eine Ausbildung zur Schwesternhelferin gemacht.“

Von der Überbrückung zur Nachfolge

Nach ihrem Studienabschluss 1982 wollte die Diplom-Kauffrau eigentlich Steuerberaterin werden. Das Schicksal hatte jedoch etwas anderes mit ihr vor: „Als ich gerade mein Examen gemacht hatte, wurde mein Vater krank“, berichtet Marahrens-Hashagen. „Ich wollte helfen, dachte allerdings, dass mein Vater in einem Jahr wieder zurück sein würde.“ So war es zwar auch. Allerdings fand er, dass es nun so lange ohne ihn funktioniert habe, dass es das künftig ebenfalls tun werde. Seine Tochter blieb, entwickelte das Unternehmen weiter und erhöhte die Zahl der Mitarbeiter von damals 15 auf mittlerweile über 200. Auch im Rückblick habe sie nie bereut, die Nachfolge angetreten zu haben. „Ich bin nicht unglücklich, sondern freue mich, dass ich sehr viel Gestaltungsspielraum habe und für so viele Mitarbeiter verantwortlich bin.“

Diese beschäftigen sich einerseits mit der Beschilderung von Gebäuden und ganzen Immobilienkomplexen für Industrie und Handel, mit Arbeitssicherheitsprodukten und mit dem Schiffsgeschäft, das momentan in Zeiten der Corona-Pandemie schwierig ist. Ob Flughäfen, Kreuzfahrtschiffe, Einkaufszentren oder Industriebauten: bei Marahrens werden all diese Objekte komplett oder in Teilbereichen mit Schildern jeglicher Art und Form ausgestattet. Wie das Schild aussehen soll, geben in der Regel die Architekten, Innenausbauer und Designer vor, aber die Mitarbeiter können auch selbst entsprechende Konzepte erstellen und technische Zeichnungen anfertigen, um das Design umzusetzen. Nicht zuletzt aufgrund der familienfreundlichen Arbeitszeiten ist die Hälfte der Belegschaft weiblich. Für Marahrens-Hashagen, deren Mann als Architekt arbeitet, war es selbstverständlich, nach der Geburt des Sohnes 1987 lediglich zwei und nach der Geburt der Tochter 1989 vier Wochen auszusetzen. Das und die Betreuung der Kinder sei jedoch nur mit viel familiärer Unterstützung durch ihren Mann und die Schwiegereltern möglich gewesen.

Dass eines der beiden Kinder das Unternehmen in dritter Generation fortführt, habe sie natürlich gehofft: „Ich wollte mir rechtzeitig überlegen, wie eine gute Nachfolge fürs Unternehmen aussehen kann.“ 2017 ist ihr Sohn in die Geschäftsführung eingestiegen, die Aufgaben sind seitdem geteilt und sie habe auch Verantwortung abgegeben. Das Geschlecht habe dabei keine Rolle gespielt: „Meine Tochter hat vergangenes Jahr in Quantenphysik promoviert und will auch weiterhin in einer Beratung in München arbeiten“, so Marahrens-Hashagen. „Ich bin damit sehr glücklich, und mein Sohn und ich ergänzen uns gut, er bringt frische Ideen, insbesondere zur Digitalisierung, ins Unternehmen und ich habe die vielen Jahre Erfahrung mit den Kunden und den Projekten.“

Großes Engagement für die Handelskammer

Die langjährige Berufserfahrung braucht sie – der Blick geht über die gegenwärtige Pandemie hinaus – auch für die angestrebte weitere Internationalisierung ihres Geschäfts. Außerdem setzt sie diese auch in der Bremer Handelskammer ein, deren Plenum die Unternehmerin seit 2001 angehört und zu deren Präses sie im Januar letzten Jahres gewählt wurde. In dieser Position vertritt Marahrens-Hashagen Deutschlands sechstgrößten Industriestandort mit rund 80.000 Beschäftigten. Einige Themen liegen ihr dabei besonders am Herzen: „In Corona-Zeiten sind andere Themen in den Vordergrund gerückt. Aber wir dürfen darüber nicht die vielen grundsätzlichen Herausforderungen für unseren Wirtschaftsstandort aus dem Blick verlieren. Mit Blick auf die bremischen Häfen brauchen wir mehr Tempo beim Ausbau der Außenweser“, hebt sie hervor. In Deutschland kämen wichtige Infrastrukturprojekte viel zu langsam voran. „Deshalb hat sich die Handelskammer beispielsweise Anfang des Jahres im Verkehrsausschuss des Bundestags dafür stark gemacht, den Ausbau von Unter- und Außenweser mit in das neue Maßnahmengesetz aufzunehmen.“

Zudem sollte der Bremer Senat vor dem Hintergrund der Corona-Krise die Hafenwirtschaft weiter stützen. „Es war richtig, dass der Senat zu Beginn der Pandemie schnell reagiert und den Unternehmen die Möglichkeit der Stundung von Miet-, Pacht- und Erbbauzinszahlungen sowie der Hafengebühren eingeräumt hat“, sagt Marahrens-Hashagen. Auch Bildung und Ausbildung misst sie eine hohe Bedeutung zu: „Wir können Unternehmen nur weiterentwickeln, wenn Fachkräfte da sind.“ Diese zu finden, werde jedoch immer schwerer.

Wie Familie und Unternehmensführung sowie die langjährige Kammerarbeit zeitlich unter einen Hut zu bringen waren und sind, erklärt sie so: „Ich bin sehr gut organisiert.“ Entsprechend effizient wird jede Minute genutzt: „Die Bunte habe ich beim Friseur noch nie gelesen, da bereite ich mich lieber auf die nächste Kammersitzung oder andere berufliche Dinge vor.“ Auch das Wochenende ist kurz: Bereits am Sonntagnachmittag beginnt die Vorbereitung für den Montag. Entsprechend rar ist die Zeit für private Kontakte. Sonntags eine Stunde Schwimmen und zwei Mal pro Woche ein frühmorgendliches Fitnesstraining mit Yoga sind allerdings fest eingeplant. Zumindest dann, wenn nicht endlich wieder Reisen geplant werden können. Denn trotz Arbeit und Disziplin sei klar: „Ohne Reisen könnte ich auf Dauer nicht leben.“

(Claudia Behrend)