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2021/3 | Maritime Vielfalt

Ein Porträt von

Mikkel Andersen

Ambitioniert für Bremerhaven

Mikkel Andersen ist seit November 2020 operativ für das Eurogate Container Terminal in Bremerhaven (CTB) verantwortlich – zusätzlich zum Schwesterterminal in Wilhelmshaven (CTW) . Klare Ziele hat er für beide Häfen.

Ein Schulpraktikum in der Welt der Schifffahrt hat gereicht. Wenn Mikkel Andersen von seiner Schnupperwoche am Firmensitz von Maersk in Kopenhagen berichtet, ist die Begeisterung des Schülers noch immer zu spüren: „Es war so viel Leben da und es hat mega Spaß gebracht“, erzählt der 43-Jährige, als wäre es gestern gewesen. Als dann noch die britische Premierministerin Margret Thatcher der Reederei einen Besuch abstattete, sei ihm endgültig klar gewesen, dass Maersk ein besonderer Arbeitgeber sein müsse.

Nach dem Schulabschluss verbrachte der in Nyborg aufgewachsene Däne ein Orientierungsjahr bei Verwandten in New Jersey in den USA, inklusive eines dreimonatigen Praktikums bei einer Spedition. Da war für ihn klar: Er wollte in die Logistik, am besten zu Maersk. Also bewarb er sich für das internationale Traineeprogramm der heute größten Reederei der Welt.  „Das war sehr begehrt.“ Umso mehr habe er sich gefreut, als die Zusage kam. 

Freude an „hands on“

Im Zuge des Programms ging es für den damals 23-Jährigen als Assistant Trade Manager für zweieinhalb Jahre in die Asienzentrale des Konzerns nach Singapur. Zurück in der Heimat durchlief er Stationen im globalen Einkauf von APMT, der Terminalbetreibergesellschaft von Maersk, erst in Kopenhagen und nach einem Jahr dann in Den Haag in den Niederlanden. Am Terminalgeschäft hat Andersen von Anfang an gefallen, dass es so „hands on“ sei. „An den Terminals sieht man sofort, ob man gut oder schlecht ist.“ Und es sei auch langfristig spannend, denn man lerne dort nie aus und „besser geht immer“. Insofern passte es perfekt, dass er für zwei Jahre am Trainingsprogramm für Operations Manager im weltweit größten Terminal von APMT in Malaysia teilnehmen durfte.

Als die Anfrage kam, das Eurogate-Terminal in Wilhelmshaven operativ mit aufzubauen, musste Andersen nicht lange überlegen. „Natürlich ist es total spannend, ein neues Terminal von Null aufzubauen“, betont er. „Wir haben uns zunächst umgeschaut, Terminals und Systeme verglichen und uns bei den deutschen Eurogate-Terminals und den APM-Terminals in Aarhus, Zeebrügge und Rotterdam das Beste rausgefischt“, erzählt Andersen. „Am Ende war uns klar, dass für Wilhelmshaven nur der Einsatz von Straddle Carriern in Frage kommt.“ Dies sei die robusteste und gängigste Lösung in den Häfen der Nordrange. Besonders war für Andersen in dieser Zeit die enorm vielfältige Arbeit: „Wir mussten uns mit Containerbrücken genauso beschäftigen wie mit Maschinen und dem Layout des Yards, der Auswahl des IT-Systems, der Organisationsstruktur und der Einstellung von Mitarbeitern“, berichtet der Geschäftsführer. „Ich bin sehr stolz auf das, was wir gemacht haben“, betont Andersen. „Und ich bin noch immer davon überzeugt, dass dieses Terminal eine großartige Zukunft hat.“

Auch die Tatsache, dass das Terminal neun Jahre nach Inbetriebnahme noch nicht ausgelastet ist, lässt Andersen nicht zweifeln: „Der Start des Terminals war denkbar ungünstig. Die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2009 hat alle Annahmen und Planungsprämissen für die folgenden Jahre komplett über den Haufen geworfen. Aber der Hafen hat enorme Vorteile. Und die wird er in naher Zukunft voll ausspielen können. Als einziger Tiefwasserhafen in Deutschland ist es eine Frage der Zeit, bis die ganz großen Schiffe der Asien-Europa-Verbindungen regelmäßig am CTW anlegen.“ Dass er nun mitten in der Pandemie, genauer seit November vergangenen Jahres, auch das Terminal in Bremerhaven führt, bestärkte ihn in seiner Ansicht, dass mehr Zusammenarbeit der deutschen Seehäfen gegen die Wettbewerber in den Westhäfen gut wäre.

Beste Chancen für Bremerhaven

Eine weitere Herausforderung: die Weiterentwicklung des Standortes Bremerhaven. „Wir müssen für Bremerhaven einen Masterplan für die Zukunft entwickeln. Und dazu müssen alle Beteiligten ihren Beitrag leisten.“ Wichtig seien dafür die Fahrrinnenanpassung der Außenweser, die Modernisierung von Teilen der Stromkaje, eine bessere Verkehrsinfrastruktur rund um die Terminals oder der Neubau der KV-Anlage. „Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen“, betont Andersen. „Wir haben fünf Kilometer Kaje und mit Maersk und MSC die beiden weltweit führenden Reedereien. Das bietet Bremerhaven die besten Chancen, auch in Zukunft ein führender Umschlagsplatz in Europa sein zu können.“

Woher der Geschäftsführer seine Motivation bekommt, erklärt er selbst: „Ich bin wahnsinnig ehrgeizig, und ich will immer gewinnen.“ Außerdem: „Was ich tue, mache ich gern“, sagt er. Seinen Job hält er für „super spannend“. Er habe mit Hafenarbeitern zu tun und mit der bremischen Hafensenatorin, sei mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil unterwegs, führe Tarifverhandlungen und spreche mit der Hafenbehörde. „Das und der Kontakt mit Kunden in aller Welt, diese Vielseitigkeit ist schon toll.“ Nach dem Führungsstil gefragt sagt Andersen, in seiner ohnehin lockeren Art: „Ich komme aus Dänemark, da ist es eher relaxt mit flachen Hierarchien, und gesiezt wird nur die Königin.“ Er könne aber auch sehr emotional reagieren und sich auch ärgern: „Nicht jedem gefällt mein Stil, aber ich bin auf jeden Fall authentisch.“

Zeit mit den 13-jährigen Zwillingen, ein Mädchen und ein Junge, mit denen seine Frau und er in Oldenburg leben, zu verbringen und mit Abschwächung der Pandemie auch wieder mehr mit Freunden, ist ihm ebenfalls wichtig. Ähnlich dynamisch wie im Job ist Andersen auch bei seiner privaten Leidenschaft, dem Sport: Handball, was er als Jugendlicher gespielt hat, und Golf, den er seit seiner Kindheit spielt – zeitweilig in der 2. Bundesliga – sowie Rennradfahren. „Ich habe so gut wie jede Sportart ausprobiert“, lacht er, wobei er eher nicht zur Übertreibung neigt. Ein Optimist ist er in jedem Fall. 

(Autorin: Claudia Behrend)

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