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2021/2 | Maritime Vielfalt

Ein Porträt von

Peter Marx

Geschäftsführer des Unternehmensverbands Bremische Häfen (UBH)


Bereits seit 1993 ist Peter Marx Geschäftsführer des Unternehmensverbands Bremische Häfen (UBH) und hat in diesen Jahren vor allem hinter den Kulissen viel bewegt. Im August tritt der Jurist nun seinen wohlverdienten Ruhestand an.

Sein Lebenslauf ist so kurz wie sein Arbeitsleben lang: Kurz vor Beginn des Ruhestands im August dieses Jahres kann Peter Marx genau zwei Berufsstationen aufweisen: Nach seinem rechtswissenschaftlichen Studium an der Universität Göttingen arbeitete der gebürtige Delligser (Landkreis Holzminden in Niedersachsen) fünf Jahre als Rechtsanwalt und ist nun seit fast 30 Jahren Geschäftsführer des UBH.

An die Zeit als junger Anwalt, der auf Arbeits-, Vertrags- und Tarifrecht spezialisiert ist, denkt Marx gern zurück: „Zunächst habe ich 1987 in meiner Kanzlei in Göttingen gearbeitet, nach der Wiedervereinigung dann auch in Lutherstadt, Eisleben und Jena.“ Das sei juristisch wie menschlich eine spannende Zeit gewesen: „Ich musste sehr spontan reagieren, denn damals gab es nur wenig Telefone in den neuen Bundesländern.“ Außerdem hatten die Menschen mit dem Kapitalismus und dessen Rechtssystem zuvor nichts zu tun und es sei vor allem darum gegangen, erst einmal ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

Stellenanzeige für Job in attraktiver Hafenstadt

Die Stellenanzeige für die Position in der Geschäftsführung des UBH habe ihn sofort angesprochen, erinnert sich der mittlerweile 64-Jährige. Dabei sei allerdings zunächst gar nicht ganz klar gewesen, wo gesucht wurde. „In der Stellenanzeige stand nur ‚attraktive Hafenstadt‘“. Marx schrieb seine Bewerbung, „den Lebenslauf musste ich noch handschriftlich abgeben“, schmunzelt er, und erfuhr erst beim Termin mit dem Headhunter in Hamburg, dass es um eine Stelle in der anderen großen Hansestadt ging.

Für den 1914 als Hafenbetriebs-Verein gegründeten Verband zu arbeiten, der die Hafenwirtschaft und große Teile der Distributionswirtschaft in Bremen und Bremerhaven repräsentiert, fand er von Beginn an spannend. Zu den Aufgaben des Geschäftsführers gehört es, die rund 40 Mitglieder in Tarifverhandlungen gegenüber der Gewerkschaft ver.di zu vertreten. Außerdem ist er an den Tarifverhandlungen für die deutschen Seehäfen beteiligt. Hinzu kommt die juristische Beratung und Vertretung der Mitglieder in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen. Zudem ist er auch Geschäftsführer des Stauereiverbands; besonders die Stauer haben ihm das Verständnis für betriebswirtschaftliche Zahlen näher gebracht, erzählt er.

Lieblingsfächer Geschichte und Sport

Dabei wollte er – wie viele Juristen – ursprünglich mal so wenig wie möglich mit Zahlen zu tun haben. An der Juristerei gefiel ihm das strukturierte Denken. „Meine Lieblingsfächer waren Sport und Geschichte“, erzählt Marx. Die Begeisterung für Letzteres hat angehalten: „Besonders interessieren mich die Familienhistorie und deutsche Geschichte“, unterstreicht er. Ab August gemeinsam mit seiner Frau mehr Zeit für Reisen auch aber nicht nur innerhalb Deutschlands zu haben, darauf freut er sich. „Vor allem, wenn die Stadt- oder Ortsgeschichte spannend ist.“

In den vergangenen Jahren sei dafür wenig Zeit geblieben. „Ich bin schon sehr pflichtbewusst und stand notfalls auch zwischen Weihnachten und Neujahr zur Verfügung oder habe in den letzten schwierigen Jahren den Urlaub abgebrochen“, so Marx. „Ich habe für die Aufgabe gelebt.“ Das gelte auch für seine ehrenamtliche Arbeit in der Selbstverwaltung der Sozialversicherungsträger sowie für die Arbeit in den Gremien von ma-co und dem Hafenmuseum Speicher XI. Anders sei dies auch gar nicht möglich: „Da kann man nicht mal nur eben hingehen, das muss schon sehr verbindlich sein.“ Was er jedoch nicht ausfallen ließ, waren die Fußballspiele von Werder Bremen. „Seit den 1990-er Jahren habe ich eine Dauerkarte“, erzählt Marx. Und die Liebe zum Verein ist so groß, dass auch die Laune durchaus vom Spielergebnis abhängt. „Abendeinladungen nehme ich daher eher nicht an, wenn Werder spielt“, sagt Marx.

Beruflich habe er in seiner juristischen Beratungstätigkeit hingegen immer versucht, Risiken aufzuzeigen, aber auch Lösungen anzubieten. Besonders am Herzen lag ihm die Begleitung der Tarif- und Sozialpolitik zum Beispiel im Zuge der Digitalisierung der Hafenwirtschaft inklusive der Qualifizierung deren Mitarbeiter. Auch bei allen anderen juristischen Fragestellungen sei ihm immer die Nähe zu den Unternehmen und Mitarbeitern wichtig gewesen: „Dadurch verliert man nicht den Bezug zum wirklichen Leben.“ Zudem war Marx über Jahrzehnte ehrenamtlicher Richter zuletzt am Landesarbeitsgericht in Bremen.

Ein typischer Arbeitsalltag ist für Marx neben der juristischen Beratung und Tarifverhandlungen stark von Standortpolitik geprägt. „Ich halte den Kontakt zu den anderen Häfen, insbesondere Emden, Lübeck, Hamburg und Rostock.“ Hinzu kommt viel Verwaltungstätigkeit wie die Durchführung der Mitgliederversammlung, Sitzungen oder die Protokollführung für Tarifverhandlungen. Ein besonderes Highlight seiner Karriere sei das hundertjährige Jubiläum des UBH 2014 gewesen, inklusive Festakt mit Bürgermeister im Bremer Rathaus.

Stellvertreterin wird Nachfolgerin

Um seine Nachfolge hat er sich früh gekümmert: „Das war mir wichtig“, betont Marx. Und ebenso wie er für Kontinuität steht, tut es nun seine Nachfolgerin „Meine Stellvertreterin Inga Wolniczak ist bereits seit acht Jahren beim UBH als Referentin für Arbeits- und Tarifrecht und seit einem halben Jahr meine Stellvertreterin.“ Bevor er jedoch das Staffelholz ganz übergibt, hat Marx einen Wunsch: „Ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Situation des Gesamthafenbetriebsvereins stabilisiert, der im Dezember 2020 einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt hat“, betont er. „Ich hoffe, uns gelingt es, ihn bis Juni aus der Insolvenz zu führen. Das ist eine ganz enge Verbindung über die Trägerschaft und die gemeinsame Geschäftsstelle.“

(Autorin: Claudia Behrend)

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