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Ein Porträt von Sven Riekers

Im Norden heimisch

Den Hafen hat Sven Riekers von der Pike auf gelernt. Seit über zehn Jahren setzt der gebürtige Bremer sein Wissen und Know-how nun bei BLG Cargo Logistics im Neustädter Hafen ein und ist seit 2013 Geschäftsführer von Europas größtem Terminal für Stück- und Schwergut.

Sonntagmorgens ging es in den Hafen. Dann schlenderten Vater und Sohn an der Kaje entlang. „Gefühlt waren wir jeden Sonntag da“, erzählt Sven Riekers. Dass der gebürtige Bremer nach seinem Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann bei der Agentur von Polish Ocean Lines absolvierte, lag also auf der Hand. Und noch etwas war ihm immer schon sehr wichtig: „Ich wollte für meinen Job Herzblut entwickeln“, betont Riekers, „Wenn ich nur für Geld arbeitete, würde ich kaputt gehen.“

Obwohl zu seinen Aufgaben damals hauptsächlich das Containergeschäft gehörte, fand Riekers schon während der Ausbildung das Stückgutsegment am interessantesten: „Ich wollte einen Job haben, bei dem ich dicht am Hafen bin und nicht nur am Schreibtisch sitze“, hebt er hervor, und ergänzt: „Davor, kein Schiff zu sehen, hatte ich richtig Angst.“

Die große Sehnsucht nach den großen und kleinen Pötten löste sich bereits bei seiner nächsten Station ein: Zehn Jahre arbeitete Riekers beim Hafendienstleister Weserport. „In der Zeit habe ich den Hafen mit all seinen Facetten von der Pike auf gelernt. Von meinem damaligen Kollegen Armin Hormann habe ich sehr viel gelernt“, freut er sich noch immer. Gern erzählt er davon, wie er in dieser Zeit Schiffe klariert, Ladung in der Luke kontrolliert hat und sich dann immer intensiver um den Vertrieb von Stückgut gekümmert hat. Etwas oben drauf satteln wollte er nach ein paar Jahren im Arbeitsleben dann schon, „aber ich wollte nicht aus dem Beruf raus.“ Also absolvierte er ein Studium zum Verkehrsfachwirt an der Deutschen Außenhandels- und Verkehrs-Akademie (DAV) in Bremen. Riekers: „Da gefiel mir die gute Verknüpfung von Theorie und Praxis.“

Glücklich mit der Doppelspitze

Ganz besonders hatte sich der heute 45-Jährige schon immer für den Neustädter Hafen mit Europas größtem Terminal für Stück- und Schwergut begeistert, wo unter anderem mit Papier, Zellulose, Stahl und Schnittholz und Teilen für Windanlagen ein großes Spektrum an Waren umgeschlagen wird. „Da wollte ich schon immer hin und als bei der BLG eine spannende Stelle frei wurde, habe ich Ende 2009 auf die andere Weserseite gewechselt.“ Dort war auch für die Karriere gesorgt: Riekers startete als Vertriebsmitarbeiter bei BLG, übernahm bereits zwei Jahre später die Vertriebsleitung und kurze Zeit später auch die Geschäftsführung.

Seit 2013 teilen sich nun Thorben Kolk und Riekers die Geschäftsführung. „Ein Glücksfall“ sagt Riekers, „weil es gut ist, wenn man Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und sich deshalb hervorragend ergänzt.“ Wenn es um operative Themen geht, muss Riekers nur eine Tür weiter gehen. „Darum kümmert sich Thorben, und ich mich um den kaufmännisch-vertrieblichen Teil.“

Was der Vater von vier Kindern im Alter zwischen 4 und 19 besonders schätzt: „Ich wollte einen Job, wo man nicht weiß, was morgen ist“, sagt Riekers, und schmunzelt: „Das hat hier manchmal schon gut geklappt.“ Und auch in Zeiten der Pandemie ist alles im Wandel: „Seit Corona haben wir weniger Stahl umgeschlagen, weil die Rohölförderung reduziert wurde, zeitgleich aber mehr Schnittholz aufgrund der gut laufenden Baukonjunktur.“ Das Geschäft im Neustädter Hafen sei aber auch in normalen Zeiten ein schwankender Markt, der von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst werde. Immerhin: „Eine Coronadelle haben wir zum Glück nicht.“ Ob aber auch im kommenden Jahr wieder 1,3 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen werden, vermag Riekers nicht zu sagen. „Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir uns so breit aufstellen wie möglich.“

Dicht dran am Geschehen

Sollten die Wellen einmal höher schlagen, würde er es sofort bemerken: Von seinem Schreibtisch aus, keine 50 Meter vom Wasser entfernt, hat er alles im Blick. „Auch die Kunden wissen zu schätzen, dass wir nicht im Elfenbeinturm sitzen.“ Dazu gehört für den Geschäftsführer, der Wert auf ein kollegiales und lockeres Betriebsklima legt auch, auch, dass seine Tür für die rund 30 kaufmännischen und 130 gewerblichen Mitarbeiter stets offen steht.

Bis zum Ausbruch der Pandemie war Riekers regelmäßig in Deutschland und den Nachbarländern bei Kunden, Messen und Veranstaltungen unterwegs. Denn: „Stückgut ist ein echtes People-Business“, glaubt er. „Da geht es viel um persönliche Kontakte und Vertrauen.“ Seit drei Jahren fährt Riekers zudem regelmäßig auf das BLG AutoTerminal Bremerhaven, wo er für den Vertrieb des Segments High & Heavy verantwortlich ist. „Das Ro-Ro-Geschäft ist artverwandt mit der Ladung im Neustädter Hafen, die Kundenstrukturen teilweise identisch.

Aber auch wenn Riekers beruflich wie privat gern unterwegs ist: Weit weg muss es für den Familienvater nicht weit weg gehen. „Ich bin im Norden heimisch.“ Zum Urlaub geht es mit Frau und Kindern am liebsten an die Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern. Und auch ein perfektes Wochenende verbringt der Beatles-Fan bei Sonnenschein mit seiner Familie besonders gern an der Ostsee und draußen bei Strandspaziergängen und im Wald. Dass sein Hobby Geocaching mit den Interessen der Kinder gut vereinbar ist, trifft sich gut. Aber trotz Beruf und Familie findet Riekers auch die Zeit, regelmäßig Laufen zu gehen. Vergangenes Jahr lief er zudem den Hamburg-Marathon erfolgreich mit und hätte das in diesem Jahr auch gern wiederholt. Trainiert wird aber fleißig weiter, auch in der Hoffnung, dass die Pandemieeindämmung das bald wieder zulässt. Weitere Interessen von Riekers sind das Bouldern in der Kletterhalle und die Fotografie. „Besonders gern mache ich Aufnahmen von Lost Places“, erzählt Riekers. Was er nicht erzählt: Er hat auch schon viele tolle Aufnahmen im Hafen von den Schiffen und Menschen dort gemacht.

(Claudia Behrend)