x

2021/6 | Maritime Vielfalt

Ein Porträt von

Thomas Voigt

Verbandsarbeit voller Vielfalt

Seit fast drei Jahren kümmert sich Thomas Voigt als Geschäftsführer von Weserbund und Wirtschaftsverband Weser in Bremen um die Belange der Unternehmen entlang der Weser.

Eine Affinität zum Wasser besteht, denn das Segeln zählt schon lange zu den Hobbys von Thomas Voigt. Beruflich hat der 57-Jährige seine maritime Seite allerdings erst in den vergangenen Jahren entdeckt. Zuvor wollte er die große weite Welt entdecken und setzte dies auch 25 Jahre lang um.

Dementsprechend richtete er bereits sein Studium aus: Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Außenwirtschaft. „Nach dem Diplom arbeitete ich dann vier Jahre als Vertriebsleiter und Berater im Mineralölhandel – und eine Zeit lang auch in Bremen“, erzählt der aus Berlin Stammende. Dann allerdings zog es Voigt in die Ferne. Zum Einstieg begab er sich auf eine sechsmonatige Weltreise, die ihn von Deutschland über die Schweiz nach Thailand, Malaysia, Singapur und Indonesien führte. Von dort ging es über Hawaii und Kalifornien via London zurück nach Berlin. Danach stand für ihn fest: Er wollte in die USA.

„Genau genommen wollte ich eigentlich nach Colorado, also ‚richtig nach Amerika‘“, unterstreicht er. „Nach Los Angeles, für viele ein Sehnsuchtsort, zog es mich gar nicht unbedingt.“ Da er aber unbedingt in die USA wollte, nahm er das Jobangebot als Controller der dortigen Außenhandelskammer, der German American Chamber of Commerce, dennoch an. Später wurde er stellvertretender Geschäftsführer und blieb gemeinsam mit seiner Frau, die etwas später folgte, letztlich fünf Jahre. Beide studierten dort berufsbegleitend weiter und machten ihre Abschlüsse als als Certified Public Accountant, also US-amerikanische Steuerberater. Seiner Frau bot das später die Möglichkeit, ortsunabhängig zu arbeiten.

14 Jahre für Außenhandelskammern in Lateinamerika

Es folgte ein Wechsel zum Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nach Bonn und später Berlin. Das Angebot, als Hauptgeschäftsführer für die Außenhandelskammer in der venezolanischen Hauptstadt Caracas zu arbeiten, kam Voigt gerade recht. Ausgelöst durch einen Überfall, entschied sich die Familie dann aber nach vier Jahren, das Land zu verlassen. Voigt wurde für zehn Jahre Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Kolumbianischen Handelskammer in Bogotá und Medellín sowie ihrer Vertriebsgesellschaft. Statt 13 Mitarbeitern in Caracas war das Team hier doppelt so groß.

Schon länger hatte er ein Anliegen deutscher Firmen identifiziert: „Immer wieder wurde mir berichtet, dass Unternehmen zwar erfolgreich die Produktion verlagert hatten, dann aber feststellen mussten, dass die Mitarbeiter vor Ort eben keine in Deutschland ausgebildeten Ingenieure sind.“ Aufbauend auf seinen Kontakten zur dualen Hochschule in Baden-Württemberg entschloss er sich, die Duale Hochschule Lateinamerika auszubauen – mit Stipendien für die Studierenden von ihren Firmen. „In Kolumbien haben wir angefangen, später kamen Peru, Ecuador, Mexiko und Costa Rica hinzu“, so ihr ehemaliger Präsident. „Das läuft nach wie vor und trägt sich selbst“, freut sich Voigt.

Als der Sohn 18 wurde und die Eltern von Voigt und seiner Frau älter, fanden es beide für an der Zeit, nach Hause zu gehen. Also schaute er sich nach einem Job in Deutschland um, bevorzugt in Norddeutschland und im Verbandswesen, sodass er seine Erfahrungen würde einbringen können. Die Ausschreibung für die Position als Geschäftsführer des 1921 gegründeten Weserbund und Wirtschaftsverband Weser, der sich damals neu aufstellte, passte also – und seine Bewerbung hatte Erfolg. Uwe Beckmeyer, seit 2018 Vorsitzender des Weserbunds und seit 2019 auch des Wirtschaftsverbands Weser, hatte er zuvor bereits in Bogotá getroffen.

Seit 2020 als Netzwerker für die Nordwest-Region

Während der neunköpfige Vorstand die Strategie für die Region Weser erarbeitet, die Themen setzt und vor allem politische Gespräche führt, arbeitet Voigt mit seiner Mitarbeiterin an deren Umsetzung, organisiert Termine und Veranstaltungen, wie dieses Jahr die große Jubiläumsfeier anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Verbands, schreibt unter anderem viele Briefe und Mails, und kümmert sich um die Verwaltung sowie die Steuerthemen.

„Unsere Ziele sind eher langfristig“, unterstreicht Voigt. Eins der Wichtigsten bleibt der Ausbau der Unter- und Außenweser. „Dazu haben wir zum Beispiel einen Arbeitskreis gebildet und ein Gutachten in Auftrag gegeben“, berichtet Voigt. Da der Planfeststellungsbeschluss beklagt wurde, soll nun ein Verfahren zur Vorbereitung der Maßnahmengesetze durchgeführt werden.

Es gebe noch viel Bedarf für die Kompensation und den Ausgleich negativer Auswirkungen in der Wesermarsch: „Hier geht es derzeit vor allem darum, diese Themen erst einmal aufzunehmen, was sehr zeitaufwendig ist.“ Eine Herausforderung sei es außerdem, die teils komplexe Gemengelage zu durchschauen und nicht zu schnell Stereotype zuzuschreiben. Dabei helfe auch sein interkulturelles Know-how und die langjährige Erfahrung in der Verbandsarbeit: „Mit den meisten Menschen kann man vernünftig reden und eine Lösung finden“, findet der Geschäftsführer.  

Im neuen Jahr soll es zusätzlich zu Unter- und Außenweser um die übergreifende Vermarktung des Tourismus in der Region gehen: „Entlang der Weser gibt es sehr viele Destinationen, die derzeit von jedem Dorf und jedem Landkreis individuell vermarktet werden. „Das kommt aber bei einem internationalen Besucher gar nicht an.“ Voigt selbst unternimmt mit seiner Frau von Bremen aus am liebsten Motorradtouren in der näheren Umgebung. Erfahren haben sie aber auch schon die Route 66. In den Bergen, in Südeuropa und Tschechien war das Paar ebenfalls schon auf zwei Rädern unterwegs. Und auch das Segeln auf der Ostsee und in Kroatien zählt nach wie vor zu Voigts Hobbys.

(Autorin: Claudia Behrend)

Dieser Artikel erschien in der Kategorie ‚Maritime Vielfalt
>> Mehr aus dieser Kategorie finden Sie hier…