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02. Juni 2015

Zwischenstopp Finnafjord – Neuer Seehafen an Islands Nordostspitze

Mit beratender Unterstützung von bremenports soll an der Nordostspitze Islands ein neuer Seehafen entstehen.

Die Bedingungen im Finnafjord in Island scheinen optimal für einen Seehafen. Jedenfalls vermutet das die Regierung in Reykjavík. Deshalb erkundet sie die Naturbucht am Nordende des Fjords. Auch um für die Zukunft der Schifffahrt gerüstet zu sein. Hilfe hat sich der Inselstaat dabei in Deutschland geholt: Das Hafenunternehmen bremenports ist bei den Untersuchungen in einem Joint Venture beteiligt. In etwa fünf Jahren könnte es zur Planungsentscheidung kommen.
„Das Projekt ist für uns eine spannende Aufgabe“, sagt Robert Howe, technischer Geschäftsführer des Hafenunternehmens. bremenports könne sowohl seine komplette Erfahrung einbringen als auch einen neuen Hafen von Anfang an begleiten. Und der soll bereits heute schon künftige Verkehrswege abdecken.
„Der Bedarf an einer Anlegestelle in diesen nördlichen Gefilden ist da, und der wird in den nächsten Jahren wachsen“, glaubt der Ingenieur. Das liege an der künftigen Gewinnung von Bodenschätzen auf Grönland – vor allem aber an den schwindenden Eismassen im Arktischen Meer. Bereits jetzt ist die Nordostpassage frei für Schiffe, künftig werden weitere Routen befahrbar sein. „Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die voraussagen, dass sich viele Verkehre hierher verlagern“, sagt Howe.
Deshalb sei es sinnvoll, über einen Hub an der Nordostspitze Islands nachzudenken. Die Vorteile kann der bremenports-Manager inzwischen aus dem Schlaf aufzählen: Der Hafen ist nahezu eisfrei, die Strömungsverhältnisse sind für Navigation vorteilhaft. Außerdem, so Howe, sei das Meer bis kurz vor der Küste über 24 m tief – Platz genug für die Ozeanriesen der Zukunft. „Vor allem aber ist das Umland interessant“, sagt Howe.
Der Hafen am Finnafjord im Inselnorden, fast genau gegenüber der Hauptstadt Reykjavík, hält riesige Flächen im Hinterland bereit: 167 ha auf der einen Seite der Bucht, 950 ha auf der anderen. „Hier bietet sich die Ansiedlung von Unternehmen geradezu an“, sagt Howe. Sein Unternehmen ist seit drei Jahren an dem Joint Venture mit dem dortigen Unternehmen Efla, der Regierung und den Gemeinden vor Ort beteiligt; zustande gekommen ist die Zusammenarbeit über den in Jahrzehnten gewachsenen guten Ruf Bremens und Bremerhavens auf der Insel.

Erzverarbeitung denkbar
„Am Finnafjord können nicht nur Logistikfirmen tätig werden“, sagt Howe. Vor allem auch die Industrie könnte einen Standort auf Island errichten. Ein denkbares Szenario ist dabei die Erzverarbeitung. „Auf Grönland werden bald verschiedene Bodenschätze abgebaut, zum Beispiel Seltene Erden oder aber Eisenerz“, sagt Howe. Verarbeiten könnte man das auf der größten Insel der Welt allerdings nicht: „Die Küsten sind nur für zehn Wochen im Jahr eisfrei“. Auch gebe es kaum Energie auf der zu Dänemark gehörenden Landmasse.
„In Island ist das ganz anders“, betont Howe. Vor allem Energie sei unschlagbar günstig. „Hier wird in großem Maße auf Geothermie gesetzt“, sagt der Ingenieur, der bereits mehrfach auf der Insel zu Besuch war und dabei auch mit dem Staatspräsidenten über Finnafjord gesprochen hat.“ Auch sonst seien die Kosten für Firmen niedrig, die Wege nach Europa, aber auch über die eisarme Arktis nach Asien kurz. „Wir vermuten, dass das auch für die großen Reedereien interessant werden könnte“, sagt Howe. So könnte er sich vorstellen, dass in einigen Jahren die großen Routen in Linienverkehren über die Beringstraße zwischen einem Hub in Asien und Island verlaufen und die Containerware von dort per Feeder weitertransportiert wird.
Grund für diese Vision ist eine weitere Abnahme der Eismasse in der Arktis. Bereits jetzt hat sich die Eisgrenze immer weiter in Richtung Nordpol verschoben, was auch Messungen des in Bremerhaven ansässigen Alfred-Wegener-Instituts bestätigt haben. „Inzwischen ist man im Nordost-Bereich nahezu eisfrei, wenngleich man die russischen Schleppergebühren zahlen muss“, sagt Howe. Trotz dieser immensen Kosten nehme die Zahl der Passagen aber stetig zu: 2010 gab es 4, 2012 bereits 46 und 2014 waren es dann schon etwa 400.
Nicht zuletzt deshalb erwarten viele Fachleute eine stetig und rasant wachsende Bedeutung dieser Routen. Und Island liegt nun einmal mitten auf der Strecke. „Das ist für alle Formen der Schifffahrt wichtig: als Umschlagplatz, als Versorger für Plattformen in der Arktis und als Rettungshafen“, sagt Howe. Deshalb geht er von einer Entscheidung für einen Hafen im Finnafjord fest aus.
Das wird womöglich schon bald der Fall sein: „Manche Untersuchungen sehen einen Zeitraum von zehn Jahren voraus“, sagt Howe. Das sei auch eine Frist, in der Hafenbauer denken. Doch vom Bau ist man noch weit entfernt. „Es sind zwar schon einige Untersuchungen abgeschlossen, aber vieles müssen wir noch erkunden“, sagt Howe. Genau da ist bremenports beteiligt: „Wenn jemand sagt, dass wir dort einen Hafen bauen, ist das nicht richtig“, so der Manager. Neben der Forschungsarbeit hoffe er auch auf einen Entwicklungsauftrag, wenn die Ergebnisse erst einmal vorliegen.
„Wir können in etwa fünf Jahren so weit sein“, schätzt Howe. Bis dahin werden Arbeitsgruppen die Verkehrsanbindung überlegen, zahlreiche andere Fragen beantwortet werden. „Dabei profitiert man auch von unserem greenports-Gedanken“, ist Howe sich sicher. Die Umweltstrategie, die in Bremerhaven seit Jahren verfolgt wird, passe gut zum isländischen Verständnis. „Das wird sicherlich auch ein Grund dafür sein, dass wir Partner geworden sind“, sagt er. Finanziert wird das Ganze dabei aus Eigenmitteln der Hafengesellschaft.

Quelle: DVZ vom Dienstag, 2. Juni 2015

Holger Bruns Pressesprecher

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holger.bruns@bremenports.de