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Maritime Vielfalt

„Ich bin kein typischer Managertyp“ – Michael Guttrof im Porträt

Ohne ehrenamtliches Engagement könnte sich Michael Guttrof sein Leben nicht vorstellen. Auch bei der Bremer Spedition Kopf + Lübben stehen für den Geschäftsführer die Mitarbeiter an erster Stelle.

 

Einmal auf einem richtig großen Schiff fahren, das war der Traum von Michael Guttrof. Das kannte er von seinem Großvater, der auf einem Handelsschiff zur See gefahren war. Nachdem er seine Ausbildung als Speditionskaufmann bei einer Bremerhavener Spedition und an der Kaufmännischen Lehranstalt in Bremerhaven absolviert hatte, war er dann als Maat und später Obermaat vier Jahre bei der Marine. Drei Jahre davon war er auf einer Fregatte weltweit unterwegs, unter anderem in Kanada und den USA. „Das war eine vor allem menschlich tolle Erfahrung, die mich stark geprägt hat.“ Trotzdem war für den gebürtigen Bremerhavener schnell klar, dass er danach zurück in die Spedition wollte. Die Logistik hatte ihn bereits in ihren Bann gezogen. Es folgten fünfeinhalb Jahre bei Hellmann in Bremen, davon anderthalb als Abteilungsleiter, und viereinhalb Jahre als Abteilungsleiter bei der Spedition Schmidt-Gevelsberg. Als diese mit Bursped und A. Hartrodt zu BHS Spedition & Logistik zusammengeschlossen werden sollte, wurde er gefragt, ob er dies als Geschäftsführer übernehmen wollte. „Da war ich 38 Jahre“, berichtet der inzwischen 49-Jährige mit etwas Stolz, und betont: „Diese Zeit war für mich richtungsweisend.“

Die Mitarbeiter sind das Kapital
Das Ziel immer weiter nach oben zu kommen, hatte Guttrof allerdings nie, Kontakt zur Spedition Kopf + Lübben Cargo Services (K & L) hingegen seit Jahren. Als sich vor knapp zehn Jahren die Möglichkeit bot, dort in die Geschäftsführung einzusteigen, musste er nicht lange überlegen. Bei K & L schätzt er die kurzen Wege und die überschaubare Unternehmensgröße mit knapp 50 Mitarbeitern. „Jeder kennt hier jeden“, betont Guttrof und berichtet von gemeinsamen Ausflügen auf den Freimarkt und der jährlichen Kohlfahrt, wie die Winterspaziergänge nebst Bollerwagen und anschließendem Grünkohlessen in Bremen genannt werden. Außerdem gefällt ihm, dass sein Beruf so abwechslungsreich ist: „Kein Tag ist wie der andere“, freut sich Guttrof. „Die grobe Struktur, die ich mir für den Tag überlegt habe, wird oft über den Haufen geworfen.“

Fragt man Guttrof, wie ein mittelständischer Logistikdienstleister aufgestellt sein sollte, um langfristig erfolgreich zu sein, kommt die Antwort prompt: „Man muss ein homogenes Umfeld für die Mitarbeiter schaffen, denn die sind das Kapital.“ Ganz wichtig ist daher für ihn, dass sich seine Kollegen im Unternehmen wohl fühlen und mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Zudem sei es essenziell, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. Vorteilhaft für K & L, um sich am Markt zu behaupten, sei die breite Aufstellung des Unternehmens mit ihrer Dienstleistungspalette von See- über Luftfracht und Logistik sowie e-Fulfillment und Lkw-Verkehren bis zum Bahnverkehr. Bei letzterem hat sich die Spedition als eine der ersten dem Bahnverkehr nach und von China gewidmet. „Nischen sind für Mittelständler unverzichtbar“, glaubt Guttrof. „Und das große Produktportfolio wiederum ist gut, wenn mal eine Sparte etwas schwächelt.“

Seinen Führungsstil beschreibt Guttrof als „sehr offen und kommunikativ“. Wenn Mitarbeiter gehen, sei es für ihn schwierig. „Das nehme ich mir sehr zu Herzen.“ Und dann gibt es auch immer wieder echte Glücksmomente, an die sich Guttrof gern erinnert: „Wir hatten damals bei BHS mal einen Praktikanten, der noch nicht einmal einen Schulabschluss hatte“, erinnert er sich. „Das Team, in dem er arbeitete, hat sich dann dafür stark gemacht, dass er eine Ausbildung machen kann.“ Trotz anfänglicher Zweifel hat er irgendwann zugestimmt und sich umso mehr gefreut, die tolle Entwicklung und den guten Ausbildungsabschluss zu erleben.

Ein Herz für das Ehrenamt
Dieses Engagement ist kein Einzelfall. Seit über 20 Jahren setzt sich Guttrof für die Nachwuchsförderung ein. „Mir bringt es Spaß, junge Leute für Logistikberufe zu begeistern.“ Die Liste der ehrenamtlichen Tätigkeiten ist lang und reicht von der Teilnehme im Arbeitskreis Personal und Qualifizierung der Logistik-Initiative Hamburg über den Vorsitz der Berufsbildungskommission im Verein der Bremer Spediteure (VBSp) bis zum stellvertretenden Vorstandsvorsitz im Netzwerk Schule, Wirtschaft und Wissenschaft sowie sein Engagement bei der Ehlerding Stiftung. Hier ist der kinderlose Guttrof seit knapp fünf Jahren auch Pate im Rahmen des Projekts mitKids. „Mindestens einmal pro Woche treffe ich mich mit Colin“, berichtet er. Gemeinsam mit dem inzwischen Neunjährigen, für den er ein väterlicher Kumpel sein möchte, geht es dann auf den Wochenmarkt, zum Schwimmen oder die beiden spielen Brettspiele. Dreimal haben sie auch schon gemeinsam ein Wochenende auf dem Land in Schleswig-Holstein verbracht, das neben Bayern zu seinen bevorzugten Urlaubsregionen in Deutschland zählt. Für die kommenden Sommerferien hat er für sein Patenkind und dessen Bruder Plätze in einem Ferienlager organisiert. Außerdem plant er für 2019, mit Colin gemeinsam auf das Oktoberfest zu gehen. Und wenn er einen Wunsch frei hätte, bezieht sich der auf sein Patenkind, das bei der alleinerziehenden Mutter aufwächst: „Dass ich den Jungen mein Leben lang begleiten darf.“ Auch zu einem gelungenen Wochenende gehört Colin dazu: „Ich freue mich, wenn wir wieder schöne Stunden gemeinsam verbracht haben.“ Wenn dann noch der FC Bayern gewinnt, bei dem er auch Mitglied ist, und er mal einen Tag nichts machen kann, ist es perfekt. Etwas Sport darf natürlich nach teils langen Arbeitstagen und als Ausgleich zum vielen Sitzen nicht fehlen. Zweimal pro Woche hält er sich daher an den Geräten seines Sportstudios fit, dass sich natürlich in Bremerhaven befindet. Denn auch wenn er schon lange in Bremen arbeitet: „Mit dem Herzen bin ich Bremerhavener.“ Da hier auch sein gesamtes privates Umfeld lebt, käme er nie auf die Idee, einmal wegzuziehen. In Bremerhaven engagiert sich auch seit Langem Horst Lüdtke als Geschäftsführer des Vereins Schule, Wirtschaft und Wissenschaft für die Region Unterweser, für den Nachwuchs, weshalb Guttrof den Stab für die Porträtserie des bremenports-Newsletters an ihn weitergibt.

(Claudia Behrend)