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Maritime Vielfalt

Klimawandel, eisfreie Arktis und ein nachhaltiges Hafenprojekt

bremenports gründet Gesellschaft mit isländischen Partnern / Projektentwicklung über mehrere Jahrzehnte

Vom Gunnólfsvík lässt sich weit in die isländische Landschaft sehen. 719 Meter über dem Finnafjördhur bietet der höchste, direkt am Meer gelegene Berg Islands, faszinierende Blicke hinaus in die einsame Welt, dort im Nordosten Islands. Es sind etwa 15 Personen, die bei strahlendem Sonnenschein mit Geländewagen hier hoch gekommen sind. Mit einer Ausnahmegenehmigung, die der Bürgermeister eingeholt hat. Denn direkt auf dem Berg betreibt die NATO eine Beobachtungsstation.

Blick vom Berg xx auf das künftige Projektgebiet

 

Und in der Tat: Dies ist ein guter Ort, um die Einsamkeit dieses Landstrichs erfassen zu können. Und es ist ein hervorragender Ort, um einen Überblick über das Gelände zu bekommen, auf dem in den kommenden Jahrzehnten ein Hafen entwickelt werden soll. Die Bürgermeister und Gemeinderäte der Kommunen Langanesbyggð und Vopnafjarðarhreppur, Hafsteinn Helgason, einer der Väter des Projektes von der isländischen Ingenieurgesellschaft EFLA und Robert Howe, der für bremenports dieses Projekt vorangetrieben hat, sie alle sind auf den Aussichtspunkt gekommen, Dazu als politischer Repräsentant des Bremer Senats Häfensenator Martin Günthner. Die Stimmung ist wie das Wetter: Ausgezeichnet.

Und dafür gibt es Gründe: Denn der gemeinsame Blick auf den Finnafjord beschließt einer kleinen Zeremonie, die eine Stunde zuvor mit einer Unterschrift unter intensiv verhandelte Verträge begonnen hatte.

Jetzt lässt sich sagen: Die Hafenentwicklung dort im Nordosten Islands wird an diesem Donnerstag, denn 11. April 2019 konkret, denn die unterschriebenen Vereinbarungen ermöglichen es, die Finnafjord Port Development Company (FFPD) zu gründen. Erste Überlegungen zu dem Projekt gehen auf das Jahr 2007 zurück. Seinerzeit beauftragte die isländische Zentralregierung in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Langanesbyggð und Vopnafjarðarhreppur das isländische Beratungsunternehmen Efla, zu prüfen, ob am Finnafjord ein Hafen- und Industriestandort realisiert werden kann. EFLA suchte ein im Hafenbau profiliertes Unternehmen, ein Unternehmen, das die greenports-Idee sichtbar lebt. Und die Isländer fanden bremenports. Ein Kooperationsvertrag zwischen EFLA, bremenports und den Gemeinden wurde im Jahr 2014 geschlossen, es wurden umfassende Voruntersuchungen durchgeführt und die jetzt vorliegenden Verträge entwickelt.

Auch jetzt nach 10 Jahren Vorlauf sind die Fragen an das Projekt grundsätzlicher Natur: Warum braucht es dort, in dieser einsamen, nur spärlich besiedelten Gegend Islands einen großen Hafen?

Die Antwort ist so schlicht wie bedeutend: Es geht um Klimawandel und es geht um wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen von gewaltiger Tragweite. Es geht um die Veränderung der Arktis. Es geht um die zentrale Herausforderung, diese Entwicklung so nachhaltig wie irgend möglich zu gestalten.

Ein Motor dieser Entwicklung werden die klimatischen Veränderungen sein, die schon heute unübersehbar sind. Sind die Schifffahrtsrouten dort erst einmal ganzjährig befahrbar, werden sich die Fahrzeiten beispielsweise zwischen Asien und den USA um Wochen verkürzen. Schiffe brauchen auf ihren weiten Wegen sichere Häfen, es muss die Möglichkeit geben, sich mit Energie und Wasser zu versorgen. Dies sind Themen, bei denen der Finnafjord als geschützte Bucht, mit wenig Wellen- und viel Tiefgang eine bedeutende Rolle spielen kann. Hier kann ein Universalhafen entstehen, von dem aus die Weiterverteilung der Güter in die jeweiligen Zielregionen erfolgen kann. Hier kann ein Seenotrettungshafen entstehen, der dem zunehmenden Schiffsverkehr Sicherheit bietet. Und hier kann in großem Stil Wasserstoff gewonnen werden. Denn eines ist für die Erschließung der Arktis zwingend geboten: Eine saubere Schifffahrt, die ihre Wege ohne rußenden Dieselausstoß zurücklegt. Nachhaltige Schifffahrt braucht nachhaltige Infrastruktur. Und hierfür liefert Island hervorragende Voraussetzungen.

Blick in die Zukunft. Erste Simulation des Hafens am Finnafjord

 

Am Finnafjord können sechs Kilometer Kaje entstehen und ein Hinterland von 1200 Hektar entwickelt werden Das Gebiet ist nahezu unbewohnt und bietet für den Bau des Hafens hervorragende geologische Möglichkeiten. So ist das Wasser in der Bucht annähernd 20 Meter tief. Der Wellengang ist auf dieser Seite Islands besonders niedrig und die Bucht selbst durch eine vorgezogene Landzunge noch einmal besonders geschützt. Anders als an den anderen Fjorden Islands ist das Hinterland nicht gebirgig, sondern flach. Dies bietet die Möglichkeit, hafenaffine Industrie anzusiedeln und mit regenerativ erzeugter Energie zu versorgen. Für eine Realisierung eines Hafens in dieser abgelegenen Region spricht zudem, dass die erforderlichen Baumaterialien zu großen Teilen direkt aus dem Boden gewonnen werden können. Die an dem Projekt beteiligten Gemeinden haben zusammen etwa 500 Bewohnerinnen und Bewohner. Größter Arbeitgeber in der Region ist die Fischindustrie. Deren Entwicklung ist angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen von großen Unsicherheiten geprägt. Interesse der Gemeinden ist es deshalb, mit der Entwicklung des Hafens neue Perspektiven für die einheimische Bevölkerung zu schaffen und die soziale Infrastruktur vor Ort langfristig zu sichern und auszubauen. Und die Zeit drängt. Doch bevor in der Einsamkeit des Finnafjords Baumaschinen Einzug halten, sind weitere umfangreiche Planungsarbeiten zu leisten. In einem ersten Schritt soll ein Investor in die Gesellschaft einsteigen, der die Finanzierung dieser Arbeiten sicherstellt. Mit einer rechtssicheren Planung könnte dann zur Mitte des kommenden Jahrzehntes mit dem Bau des nachhaltigen, arktischen Basishafens begonnen werden.

Auch dies wäre wieder ein hervorragender Anlass vom Gunnólfsvík den Blick in die arktische Weite schweifen zu lassen.

 

Stimmen zum Finnafjordprojekt:

Auf bremischer Seite hatte der Senat mit einem Grundsatzbeschluss im Jahr 2017 die Voraussetzungen für die Gründung der neuen Gesellschaft geschaffen. Der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, Martin Günthner: „Das Hafenprojekt auf Island bietet eine konkrete Langzeitperspektive für eine Entwicklung, die sicherlich über mehrere Jahrzehnte gehen wird. Es schafft Voraussetzungen für die nachhaltige Entwicklung der Arktis und trägt dazu bei, sich entwickelnde neue Schifffahrtsrouten sicherer zu machen. Zudem bietet das Projekt große Entwicklungschancen für eine strukturschwache Region. Es ist eine Auszeichnung, dass bremenports sich auf Bitten Islands federführend an diesem Projekt beteiligen kann.“

bremenports Geschäftsführer Robert Howe unterstreicht in diesem Zusammenhang den nachhaltigen Projektansatz: „Die Veränderung des Klimas wird zu einer wirtschaftlichen Entwicklung dieser Region führen. Es ist von globaler Bedeutung, dass diese Entwicklung sich an strengsten Nachhaltigkeitskriterien orientiert. Für die isländischen Partner und für uns ist es unverzichtbar, dass die Hafenplanung am Finnafjord in allen Phasen des Projektes an strengen ökologischen Kriterien ausgerichtet wird.“

Hafsteinn Helgason, Efla hf. Consulting Engineers, Director Business Development „Die bisherigen Vorarbeiten haben viel Zeit in Anspruch genommen, da der Hafen am Finnafjord ein riesiges Projekt ist, das über mehrere Jahnzehnte laufen wird. Unsere Standortuntersuchungen haben gezeigt, dass die Voraussetzungen für den Ausbau gut sind.“

Elias Peturson, Municipality of Langanesbyggð, Mayor “Wir haben schon lange auf diesen Meilenstein hingearbeitet, den wir heute schließlich erreicht haben. Als neues Tor zur Welt wird der Hafen unsere Bevölkerung stärken und zusätzliche Potenziale im Norden und Osten Islands schaffen. Es ist wichtig, dass die Gemeinden an der neuen Entwicklungsgesellschaft beteiligt sind. Noch wichtiger ist es, dass die Gemeinden die alleinigen Eigentümer der neuen Gesellschaft sind, die den Hafen und seine Anlagen besitzen und betreiben wird. Außerdem schafft die Gründung dieser Gesellschaften endlich eine funktionierende Basis für zielgerichtete und fruchtbare Zusammenarbeit mit den Grundstücksbesitzern in Finnafjörður.”

Þór Steinarsson, Bürgermeister der Gemeinde Vopnafjarðarhreppur „Die Vertragsunterzeichnung ist eindeutig ein Grund zum Feiern, weil sie ein Meilenstein in der Entwicklung dieses wichtigen Projekts darstellt. Der Hafen am Finna Fjord wird die Gemeinden in dieser Region entscheidend stärken und auch die Wirtschaft im gesamten Nordosten Islands fördern.“