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Lage fest im Blick – Bremerhaven Weser Traffic sichert Zufahrt zu den Häfen an der Weser

Alles im Blick: Die Verkehrszentrale Bremerhaven sorgt dafür, dass Frachter sicher den Hafen erreichen – auch Heiligabend und in der Silvesternacht. „Im Grunde haben wir vergleichbare Aufgaben wie die Flugsicherung im Luftverkehr“, sagt der Leiter.

Der Schiffsverkehr von und zu den Häfen macht auch über die Feiertage und den Jahreswechsel keine Pause. „Auch dann sind wir hier rund um die Uhr besetzt“, sagt Hahn. © WFB/Jörg Sarbach

Wenn Reno Hahn kurz nach dem Aufstehen aus dem Fenster schaut, sieht er bisweilen, was ihn tagsüber auf der Arbeit erwarten wird. „Kann ich die Lampe auf der anderen Straßenseite nicht erkennen, kann es stressig werden“, weiß der 56-Jährige. Der Nebel, der Hahn auf dem Weg zur Arbeit die Sicht trübt, kann draußen auf der Weser zu einer echten Gefahr für die Schiffe werden. Hahn ist Leiter von Bremerhaven Weser Traffic – der Verkehrszentrale, die den Schifffahrtsverkehr auf einer der wichtigsten nord- und westeuropäischen Wasserstraßen im Blick hat. „Wir sind für die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs zuständig“, zitiert Hahn den gesetzlichen Auftrag seines Teams.

Revier umfasst über 100 Kilometer Wasserstrecke

Das Revier der Verkehrszentrale Bremerhaven umfasst die über 100 Kilometer lange Wasserstrecke zwischen dem niedersächsischen Brake und der Wesermündung in die Nordsee. Bremerhaven Weser Traffic gehört zum engmaschigen Netz, das das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Jade-Weser-Nordsee über die Deutsche Bucht und die angrenzenden Hafenzufahrten gespannt hat, um den Schiffsverkehr zu steuern und zu beraten. „Im Grunde haben wir vergleichbare Aufgaben wie die Flugsicherung im Luftverkehr“, bringt Hahn die Arbeit seines Teams auf den Punkt. Ähnlich wie der Tower den Luftraum überwacht, steuert und kontrolliert die Verkehrszentrale den gesamten Ablauf der professionellen Schifffahrt auf der Wasserstraße. Tatsächlich befinden sich die Arbeitsplätze ebenfalls in einem Turm – allerdings ist die Zentrale am Fuß des 107 Meter hohen Richtfunkturm in einem Großraumbüro untergebracht.

Mit ihrer Flotte sorgt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung dafür, dass die größten Schiffe das Fahrwasser passieren können. Die Verkehrszentrale am Fuß des Richtfunkturms behält die Lage stets im Blick. © WFB/Jörg Sarbach

Auch im Internet-Zeitalter sind Lagemeldungen per Funk unverzichtbar

„Hier ist Bremerhaven Weser Traffic mit der Lage auf der Außenweser“. Pünktlich alle 60 Minuten wendet sich der Nautiker vom Dienst über Funk an alle Schiffe, die im Revier unterwegs sind. Heute ist Hahn selbst der Nautiker vom Dienst. Mit sonorer Stimme trägt er ein ganzes Bündel von Informationen vor: Das Wetter über der Außenweser, der aktuelle Wasserstand in dem Gezeitengewässer, besondere Situationen wie Baggerarbeiten im Fahrwasser und vor allem auch der Hinweis auf Besonderheiten im Schiffsverkehr wie ein sehr großes oder langsam fahrendes Schiff – und natürlich auch, wenn irgendetwas die Schifffahrt behindert. „Auch im Internet-Zeitalter und der ganzen elektronischen Ausstattung auf den Schiffen sind diese Meldungen unverzichtbar“, betont Hahn. Nicht jeder Kapitän nutzt tatsächlich das obligatorische Radargerät auf der Brücke. Und auch Sportbootfahrer sind gut beraten, der Stimme des Nautikers aufmerksam zu lauschen.

Die größten Schiffe der Welt sind im schmalen Fahrwasser unterwegs

Mehr als 6.600 Frachtschiffe passieren jährlich dieses Nadelöhr auf dem Weg zu den Häfen von Bremen und Bremerhaven; etliche weitere 100 Schiffe kommen noch mit Kurs auf die niedersächsischen Weserhäfen hinzu. Weil Bremerhaven zu den wichtigsten Containerhäfen Europas zählt, sind auch die größten Schiffe der Welt in diesem Revier unterwegs. „400 Meter lang – das ist schon eine ordentliche Dimension“, sagt Hahn mit Respekt in der Stimme. Der Leiter der Verkehrszentrale kennt sich mit dicken Pötten aus. Wie die übrigen Nautiker vom Dienst ist Hahn jahrelang als Kapitän mit dem Patent „auf großer Fahrt“ zur See gefahren: „Das ist hier Voraussetzung.“ Denn schließlich hat der Nautiker vom Dienst im Zweifelsfall das Sagen: „Die Lotsen an Bord beraten die Schiffsführung, aber der Kapitän hat das letzte Wort. Der Nautiker vom Dienst dagegen kann einem Kapitän letztlich auch Anweisungen geben“, erläutert Hahn. Selbst im Ernstfall geschieht dies allerdings nicht im Kommandoton: „Wir bewegen uns auf Augenhöhe.“

„Frachter können nicht aufs Geradewohl auf der Weser fahren“

Der Schiffsverkehr von und zu den Häfen macht auch über die Feiertage und den Jahreswechsel keine Pause. „Auch dann sind wir hier rund um die Uhr besetzt“, sagt Hahn. Der Nautiker vom Dienst beobachtet das Verkehrsgeschehen nicht nur auf den Monitoren an seinem Arbeitsplatz – er managt den Verkehrsablauf auf Basis der aktuellen Lage, etwa der Informationen aus den Umweltdaten. „Angesichts der heutigen Schiffsgrößen können Frachter nicht einfach aufs Geradewohl auf der Weser fahren“, betont Hahn. Die größten Containerfrachter sind knapp 60 Meter breit: „Da muss man den Begegnungsverkehr schon genau steuern.“ 

Zudem können diese Riesen die Weser derzeit nur bei bestimmten Wasserständen passieren. Und vor dem Containerterminal müssen sie wenden, der eigens ausgebaggerte Wendebereich hat aber nur wenig mehr Durchmesser als die Länge eines 400-Meter-Frachters: „Da müssen wir das Fahrwasser schon für den übrigen Verkehr sperren“, beschreibt Hahn eine der Steuerungsaufgaben der Verkehrszentrale. Damit Zeit für solche Maßnahmen bleibt, müssen sich einkommende Schiffe drei Stunden vor dem Eintreffen an der „3 alpha“ bei der Revierzentrale anmelden. Ähnliches gilt für Schiffe, die ihren Liegeplatz im Hafen verlassen wollen.

Ruhe auch nicht an den Feiertagen

Zu den Feiertagen wird es vielleicht etwas ruhiger auf der Weser; Heiligabend und am 1. Weihnachtstag herrscht wie überall auf der Welt Hafenruhe. Aber natürlich schauen der Nautiker vom Dienst und seine beiden Assistenten genauso aufmerksam auf die Monitore wie an anderen Tagen. „Passieren kann immer was“, weiß Hahn. Zum Beispiel werden Schiffe durch einen technischen Defekt manövrierunfähig. Erst vor wenigen Wochen steckte ein Containerfrachter für ein paar Stunden am Rande des Fahrwassers fest. Ruhe kann sich der Wachhabende deshalb auch an den Feiertagen nicht können. „Dann muss man schnell handeln.“ Ein Heiligabend fern der Familie gehört für Hahn sowieso zum Erfahrungsschatz: „Weihnachten war für uns jahrelang auf See auch ein ganz normaler Arbeitstag.“

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(Pressedienst aus dem Bundesland Bremen)