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Zwei Städte – ein Hafen

Logistik spielt eine große Rolle

Vom Baum bis zum Papierprodukt ist es ein langer Weg, auf dem viel Sorgfalt beim Handling gefragt ist. Die BLG Cargo Logistics im Neustädter Hafen in Bremen ist seit Jahrzehnten auf den Umschlag von schweren, aber empfindlichen Papierrollen spezialisiert.

Der Neustädter Hafen am linken Weserufer steht manchmal etwas im Schatten des großen Bruders in Bremerhaven mit seinen Containerterminals. Dabei befindet sich hier Europas größtes Terminal für Stück- und Schwergut, an dessen 2,4 Kilometer langen Kajen im vergangenen Jahr insgesamt 1,38 Millionen Tonnen umgeschlagen wurden. Wenig bekannt ist der breiten Öffentlichkeit ebenso, dass zu den Hauptgütern auch Forstprodukte wie Papier, Zellstoff und Schnittholz zählen. Hier kann die BLG ziemlich konstant mit 600.000 Tonnen Umschlag pro Jahr aufwarten. „Unser Geschäft, zum Beispiel für die Windenergie, ist nicht so konjunkturabhängig wie das mit Stahl und Projektladung“, erläutert Horst Kaupke, der seit 22 Jahren als Sales Manager bei der BLG Cargo Logistics für Forstprodukte verantwortlich ist. Dieses Geschäftsfeld betreibt der Bremer Logistikdienstleister bereits seit rund einem halben Jahrhundert.

 

Kraftvolle Kooperation

Jahrzehntelange Kundenbeziehungen gibt es auch bei den Forstprodukten, die per RoRo-Schiff transportiert werden, beispielsweise Kraftliner. Dabei handelt es sich um eine Papierart ähnlich dem Kraftpapier, die nicht direkt für Verpackungszwecke, sondern als Deckenpapier für Pappe verwendet wird. Die Produzenten stammen aus Russland, Schweden, Finnland, Portugal, Irland und den USA. Anders als bei grafischem Papier, der weltweit am zweithäufigsten produzierten Papiersorte, deren Produktionsmenge aber aufgrund des sinkenden Verkaufs von gedruckten Büchern, Zeitschriften und Zeitungen abnimmt, ist Kraftliner wegen des boomenden E-Commerce-Geschäfts und des zunehmenden Ersatzes von Plastik durch Papier ein wachsender Markt. „Allein für Smurfit Kappa schlagen wir davon jährlich über 150.000 Tonnen aus Schweden um“, erklärt Kaupke. Pro Woche sind es bis zu 4.000 Tonnen, mit denen jeweils eins der baugleichen RoRo-Schiffe „Balticborg“ und „Bothniaborg“ den Neustädter Hafen im Liniendienst anläuft. Sie wurden 2004 gebaut und sind speziell für den Transport mit Forstprodukten und angesichts ihrer Eisverstärkung für den Verkehr auf der Ostsee ausgelegt. Zum Teil sind die jeweils 154 Meter langen und 22 Meter breiten Schiffe mit einer Tragfähigkeit von 8.600 Tonnen und einer Bruttoraumzahl von 12.635 zudem für andere Ladegüter wie den Autoexport aus Cuxhaven im Einsatz.

 

Die Rollen werden in die Lagerhallen der BLG transportiert. 160.000 Quadratmeter davon sind für Forstprodukte ausgelegt.

Spezielles Equipment

An einem Montag Ende Oktober gilt es für die BLG, rund 1.500 Rollen Kraftliner aus der nordschwedischen Stadt Piteå von der „Bothniaborg“ zu löschen. „An Bord sind die mit einer Breite von 2,10 bis 3,35 Meter genormten und mit einer Papierlänge von bis zu 8.000 Meter großen Rollen zwar konventionell von Wand zu Wand gestaut, entladen werden sie aber mithilfe von Mafi-Trailern“, so Kaupke. Der Grund: „Eine Verschiffung der Rollen auf Mafi-Trailern, wie wir es früher gemacht haben, rechnet sich aufgrund der hohen Preise für das Equipment nicht mehr. Es ist günstiger, die Trailer zu be- und entladen.“ Für die Entladung werden die Mafi-Trailer über die Floating RoRo-Rampe, die durch den Ponton jeweils entsprechend dem zwischen 3,5 und 4 Meter variierenden Tidehub rauf und runter bewegt werden kann, rückwärts an Bord des Schiffs gefahren, wo sie unter Deck gestaut sind. Dort werden sie mithilfe von Gabelstaplern, die mit Papierklammern ausgestattetet sind, auf die Mafi-Trailer gestellt und über die Rampe zu den Lagerflächen transportiert. „Etwas mehr als eine Schicht, also rund acht bis neun Stunden benötigen wir in der Regel zum Löschen“, sagt Kaupke.

Due großen und schweren Rollen sehen zwar stabil aus, müssen aber beim Handling sehr sorgfältig behandelt werden.

Hoher manueller Aufwand bei Beschädigungen

Vom Schiff werden die Rollen dann in die Lagerhallen der BLG transportiert. 160.000 Quadratmeter davon sind für Forstprodukte ausgelegt. „Allein für den Kunden Smurfit Kappa halten wir 18.000 Quadratmeter bereit“, berichtet Kaupke. Für die kurzfristige Lagerung des Kraftliners reicht dabei sogar ein Schleppdach. „Die Rollen nehmen relativ wenig Feuchtigkeit auf, daher geht das“, erläutert Kaupke. Um jedoch „Elefantenfüße“ zu vermeiden, also eine Verformung durch Feuchtigkeit, muss die Stellfläche allerdings trocken sein. Die Lagerhallen verfügen zudem über einen glatt geschliffenen Boden, um eine schonende Lagerung der Ware zu gewährleisten, bis sie von den Kunden abgerufen wird. Dass Rollen auf dem Transportweg und insbesondere beim Handling beschädigt werden, kann natürlich nicht gänzlich verhindert werden. Deshalb sind geringfügige Beschädigungen bereits eingeplant: „Die äußeren fünf bis sieben Kraftlinerlagen zählen als Verpackung und werden anderweitig genutzt“, so Kaupke. Bei größeren Beschädigungen hingegen entsteht für die Mitarbeiter ein erheblicher händischer Aufwand.

Der Weitertransport der Kraftlinerrollen zu den Kunden in ganz Deutschland erfolgt zu etwa 75 Prozent per Lkw und der Rest per Bahn. „Viele von unseren Kunden wie auch wir würden zwar gern mehr auf die Schiene bringen, aber wirtschaftlich ist das meist erst ab einer Entfernung von über 400 Kilometern“, berichtet Kaupke. „Der Großteil der Empfänger sitzt jedoch in der Nähe von Bremen.“

(Claudia Behrend)