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2021/1 | Maritime Wissenschaft

Maritime Branche soll von KI profitieren


Die maritime Wirtschaft gehört zu den komplexesten Branchen der Welt. Zu einer beinahe unüberschaubaren Vielfalt von Akteuren innerhalb der Transportkette kommen Wetter, Technik und Marktschwankungen als stete Unsicherheitsfaktoren dazu. Als einer der ältesten Industriezweige der Welt verlässt sich die maritime Wirtschaft seit jeher trotzdem stark auf die menschliche Erfahrung. Doch die künstliche Intelligenz (KI) hält nun auch in der maritimen Wirtschaft Einzug. Sie ermöglicht autonome Systeme, effizientere Prozesse und einen sichereren Betrieb.

Durch Automatisierung sind Ozeankreuzer heute schwimmende Büros, die Daten zwischen See und Land in Echtzeit tauschen und so in engem Kontakt mit Reedereien, Logistikern und Behörden stehen. Sensoren geben Auskunft über den Zustand von Systemen, das Schiff ist mit einem Klick im Blick.

Mit der künstlichen Intelligenz kommt nun eine neue Ebene hinzu. Sie ermöglicht Autonomie – Selbststeuerung und Selbstoptimierung. Statt einen festen Satz an Befehlen abzuarbeiten, können KIs selbstständig lernen, Muster erkennen, Handlungen ableiten und sich selbst optimieren. Sie können Daten damit schneller, präziser und umfassender bearbeiten als Menschen, was sie für vielfältige Anwendungen nützlich macht. KI kann ganze Prozesse steuern. Diese gehen künftig der Kapitänin, dem Reeder, der Kranoperateurin oder dem Schiffsmechaniker zur Hand. Arbeitsabläufe werden so effizienter, sicherer, günstiger und übersichtlicher. KIs werden auf einen bestimmten Zweck hin trainiert und können dann auch nur innerhalb dieser Aufgabe agieren.

Eine Unterkategorie der KI, das Machine Learning (ML), ist derzeit für die Wirtschaft von großem Interesse. Sie kann besonders gut aus vorhandenen Daten Muster und Regeln ableiten und anhand dessen Lösungen erarbeiten. Um ML nutzen zu können, benötigen KIs einen großen Satz an Daten, an dem sie „trainieren“ können. Die maritime Wirtschaft ist prädestiniert für den Einsatz von Machine-Learning-Algorithmen. Denn in der Branche fallen tagtäglich immense Mengen an Daten an, wie Frachtpapiere, Emissionsdaten, Betriebskennzahlen oder Dokumentationen. Für all diese lassen sich hervorragend KIs bauen.

Die maritime Branche ist gekennzeichnet durch geringe Margen, einen starken Wettbewerb und hohe Kosten der Schifffahrtsvorgänge. Optimierungen von wenigen Prozenten führen hier bereits zu entscheidenden Kostenvorteilen, was den Einsatz von KI besonders interessant macht.

Der Überblick über die KI in der maritimen Wirtschaft hat gezeigt, dass bereits in allen Bereichen an einer Einführung der KI-Technologie gearbeitet wird. Die meisten Projekte befinden sich in der Erprobungsphase, in einigen Bereichen sind jedoch erste Anwendungen kommerziell verfügbar. Auch wenn das vollautonome Schiff noch Jahrzehnte entfernt sein mag, kann es bei Nischenanwendungen bald schnell gehen.

Die Anwendung der KI folgt der immer weiter zunehmenden Vernetzung innerhalb der Branche. Daten werden in Echtzeit erfasst und ausgetauscht und das in ganz neuen Größenordnungen. In der zunehmenden Geschwindigkeit weltweiter Prozesse und der steigenden Verflochtenheit der maritimen Supply Chain bietet KI die Chance, die Komplexität für den Menschen handhabbarer zu machen.

Einen Einblick in die verschiedenen Einsatzbereiche von KI in der maritimen Wirtschaft an aktuellen Beispielen, Informationen über den Stand der KI in der Schifffahrt und Hafenwirtschaft sowie Chancen und Risikoabschätzungen gibt es im nächsten Welthafen Aktuell.

Foto: ©BLG

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