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Zwei Städte – ein Hafen

Maßanzüge aus Holz

1878 gründeten die Brüder Heinrich und Carl Gluud in Bremen eine Kistenfabrik. Heute gilt das Unternehmen unter anderem als Experte für Schwergutverpackungen aus Holz.

Verpackungen erfüllen eine Vielzahl von Funktionen: Sie dienen dem Schutz der Ware vor Beschädigungen, Verschmutzungen und meteorologischen Einflüssen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung. Gleichzeitig werden sie aber auch entwickelt, um eine zweckmäßige Handhabung für den Transport und die Lagerung zu gewährleisten, was hohe Anforderungen an ihre Festigkeit und Dichtigkeit stellt. „Gerade bei Verladungen für Schwergut auf Breakbulk-Schiffen ist eine gute Exportverpackung von größter Bedeutung. Schließlich ist sie an Bord oft Wind und Wetter ausgesetzt und muss teils heftigen Erschütterungen beim Laden und Löschen sowie bei Lkw-Transporten auf schlechten Straßen standhalten“, erläutert Jens Dörken, Geschäftsführer von Carl Gluud. Das Unternehmen hat sich in seiner mehr als 140-jährigen Geschichte neben dem Kerngeschäft des Holzgroßhandels darauf spezialisiert, Holzverpackungen für die unterschiedlichsten Anforderungen zu fertigen: von kleinen Weinkisten bis zu Schwergutkisten für den Anlagenbau. Letztere können bis zu 60 Tonnen auf die Waage bringen. „Unsere Philosophie ist es, Sonderprojekte zu realisieren, die alles andere als Standard sind“, umschreibt Dörken die Maßanzüge aus Holz, die er und seine 65 Mitarbeiter von Bremen aus auf den Weg bringen.

Fertigungszettel als „Schnittmuster“
Dabei beginnt alles mit einer Besichtigung der Breakbulk-Ware vor Ort, wo genau Maß genommen und überlegt wird, welche Verpackung für die jeweiligen Anforderungen am effizientesten ist. Aus den generierten Daten werden im Konstruktionsbüro zum Beispiel die mechanische Belastung und der Festigkeitsnachweis ermittelt, auf deren Basis ein Fertigungszettel für die gewünschte Schwergutkiste entsteht. Dort ist unter anderem aufgeführt, ob die Außenkufen der Transportkiste aus Stabilitätsgründen einfach oder doppelt gesetzt werden, wo Schwergutecken benötigt werden, um Beschädigungen durch Anschlagmittel zu verhindern, oder ob ein sogenannter Hamburger Rahmen zusätzlich zu den Deckelhölzern eingesetzt wird, um das Packgut noch sicherer in der Kiste zu verstauen. Darüber hinaus ist in dem Dokument festgeschrieben, wie und wo Ringaugen, Lagerhölzer und mögliche Stützen zum Einsatz kommen. „In Anbetracht aller Sicherheitsaspekte für Mensch und Maschine versuchen wir den Kundenwunsch und die technischen Möglichkeiten unter einen Hut zu bringen“, erklärt Markus Neumann. Er ist bei Carl Gluud in dreifacher Funktion tätig: als staatlich geprüfter Holztechniker, als öffentlich bestellter und vereidigter Besichtiger für seemäßige Exportverpackung und als Luftsicherheitsbeauftragter. Mit diesem umfangreichen Fachwissen überwacht Neumann alle Arbeitsschritte im Produktionsprozess – von der besagten Erstbesichtigung bis zur Übergabe der verpackten Ladung für den Transport. Als vereidigter Besichtiger für seemäßige Exportverpackung steht er aber auch Gerichten und Behörden als neutraler Sachverständiger zur Verfügung, wenn es um die Beratung, Überwachung und Erteilung von Bescheinigungen für Seeverpackungen sowie um Gutachtertätigkeiten geht.

 

Schwergutverpackungen aus Holz müssen auf ihren Reisen vielfältigen Belastungen standhalten. Jens Dörken, Geschäftsführer von Carl Gluud (links), kann bei ihrer professionellen Fertigung auf seinen staatlich geprüften Holztechniker Markus Neumann und dessen Expertenteam zählen.

„Der kniffeligste Moment ist, wenn die Kiste in die Luft gehoben wird, um verladen zu werden“, räumt Neumann ein. Denn dann wirkt die komplette Last inklusive Packgut auf die Verpackungskonstruktion ein. Sind beispielsweise zuvor Balkendimensionen mit zu niedrigen Stärken eingesetzt worden, kann es aufgrund der hohen Biegebelastung zu Brüchen kommen. Ebenso durch falsch positionierte Futterhölzer, wenn die Querdruckbelastung zu hoch wird. „Da jeder Fachbetrieb mit unterschiedlichen Erfahrungswerten arbeitet, gibt es auch mehrere Wege, um eine sichere Verpackung herzustellen. Zudem ist jeder Auftrag fast so etwas wie ein Unikat“, so Neumann.

Mangel an gutem Holz
„Ich bin sehr froh, dass ich auf die Expertise von Markus Neumann und von unserem Verpackungsteam zurückgreifen kann. Gemeinsam tragen sie maßgeblich dazu bei, den seemäßigen Export noch sicherer zu machen“, freut sich Dörken, wohlwissend, dass es derzeit nur eine Handvoll öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger mit diesem Schwerpunktgebiet in Deutschland gibt. Deutlich mehr Sorgen bereitet dem Geschäftsführer hingegen die gegenwärtig schlechte Holzqualität im Markt, die er insbesondere auf den Jahrhundertsommer 2018 zurückführt. Durch die Hitze sei das Immunsystem der Bäume stark geschwächt worden, sodass viele Äste vertrocknet sind und Schädlinge oft leichtes Spiel hatten. Aus diesem Grund herrsche derzeit ein Mangel an gutem Holz, welches zwingend nötig ist, um hochwertige Verpackungen für Industrie- und Exportgüter sicherzustellen, die dem HPE-Standard entsprechen, zu dem sich auch Carl Gluud verpflichtet hat.

FAKTEN

  • Gegründet 1878
  • Holzimport und -handel, Fertigung von kompakten Holzverpackungen, Logistikberatung und Kommissionierung für Export- und Importgüter
  • 65 Mitarbeiter

(Thorsten Breuer)