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Maritime Vielfalt

Mit Krawumm und ganz schön schnell

In 20 Minuten schlabbert Spüler Weser eine ganze Schute leer

Ganz behutsam nähert sich Baggerschute 4 und legt seitwärts an. Im Bauch der Schute bewegt sich träge die klatschnasse Masse.  Sieben Stunden war die Besatzung mit ihrer nassen Ladung unterwegs aus dem Kaiserhafen in Bremerhaven. Hier draußen in Seehausen empfängt sie eine eindrucksvolle Kulisse. Linker Hand die mächtige Industriearchitektur des Stahlwerks, gegenüber das Lankenauer Höft, im Hintergrund die Kulisse der Stadt. Der Arbeitsplatz hat was; und das Gerät, das da schwimmt erst recht.

Wir befinden uns ausweislich der Plakette auf SCHIFF NO 387, gebaut in Bremerhaven auf der RICKMERS WERFT im Jahr 1977. Besser bekannt ist NO 387 als Spüler Weser, so wie es auf den orangenen Rettungsringen an der Reling steht.

Und Spüler Weser gibt volle Dröhnung. Damit das Leeren der Schute sofort starten kann, hat Maschinist Joachim Saul die Motoren bereits vor 20 Minuten angeworfen. Er steht vor der gewaltigen blassgrünen Maschine, ohne Zweifel die stärkste im großen bremenports-Fuhrpark. „Ein toller Eisenhaufen, find ich super“, sagt Saul, der das Ungetüm manuell steuert. Alt, imposant und krachlaut sind die Pumpen, die alleine 2500 Liter Schmieröl brauchen, um in guter Form zu bleiben. Und das müssen sie: Denn der Spüler ist eines der Geräte, die für die Unterhaltung der bremischen Häfen eine wesentliche Aufgabe erfüllt. Ist das Öl der 1800 PS-Maschine auf Betriebstemperatur kann die eigentliche Arbeit beginnen.

Hubert Bönisch ist Schiffsmechaniker an Deck. Schutensauger heißen die beiden Rohre, die Bönisch langsam in den Bauch der Schute absenkt. Aus einem Rohr wird Weserwasser in die Schute gegeben, das andere Rohr saugt das Gemisch aus der Schute und schickt es auf die Reise durch ein rund zwei Kilometer langes Rohrsystem bis zu den Spülfeldern an der Deponie. Ein Teil Schlick braucht vier Teile Wasser. Bei sandiger Ladung muss es noch feuchter sein, damit es flutscht. Und wie es flutscht: 20 kurze Minuten, dann ist Schute 4 leergelutscht. Und auf dem Spülfeld sind wenig später 650 Kubikmeter Matsch angekommen. Von nun an dauert es ein Jahr und mehrere Arbeitsgänge, ehe aus der wässrigen Masse ein trockenes Baggergut geworden ist.

Optimal ist es, wenn Bönisch aus seinem Steuerstand mit dem warmgelaufenen Motor gleich mehrere Schuten nacheinander entladen kann. Von dort oben kann er die Schute an Winden vor und zurückziehen, damit der Sauger immer optimal platziert ist. Und zwei Zeiger halten ihn informiert. Rot zeigt, ob genügend Wasser beigemischt ist. Grün, ob auf der Strecke zur Deponie alles glatt läuft.

Störungen gehören zum Alltag. Steine, Drähte und andere Fremdkörper aus dem Baggergut werden zwar über ein Sieb im Steinkasten vor der Kreiselpumpe abgefangen. Aber immer wieder kommt es vor, dass die Fremdkörper das Rohr verschmutzen, zum Beispiel, wenn plötzlich ein ganzer LKW-Reifen vor dem Sauger hängt. Dann fängt der Spüler an, sich zu schütteln, als wolle er den Störenfried abschütteln. Bisweilen muss die Crew mit Stangen im Steinkasten stochern, um Klumpen aufzulösen oder sogar das Rohr freischneiden. Doch was früher Regel war, ist heute Ausnahme. Dank der Arbeit des Baggers in Bremerhaven ist der Schlick heute wesentlich sauberer als ehemals.
Auf dem Deich rollen die Radler über den Weserradweg. Auf der Weser kreuzen die Segelboote. Manchmal übt die Wasserschutzpolizei. Auch Wasserflugzeuge landen bisweilen. „Mein Baby“, nennt Böhnisch den Spüler Weser, für ihn da draußen vor der Stadt ein „toller Arbeitsplatz“.