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2021/5 | Zwei Städte – ein Hafen

Öffentliche Hand und Privatwirtschaft im engen Austausch

Erste Diskussionsveranstaltung zu neuem Hafenkonzept

Es war Hafensenator Oswald Brinkmann, der im Jahr 1975 den 1. Hafenentwicklungsplan mit den „Leitlinien für öffentliche Investitionen in den bremischen Häfen bis 1985“ auf den Weg gebracht hat. Und viele Passagen, die bremenports-Geschäftsführer Robert Howe anlässlich der Auftaktveranstaltung zu einem neuen Hafenkonzept vorlas, konnten aktueller kaum sein: „Die Hafenverkehrswirtschaft soll wissen, mit welchen Bauvorhaben der öffentlichen Hand in den kommenden Jahren zu rechnen ist, damit sie rechtzeitig Vorkehrungen bei den von ihr zu treffenden Suprastrukturentscheidungen treffen kann.“ Und weiter: „Indem die Verwaltung dem Politiker und der Hafenverkehrswirtschaft ihre Pläne offenbart, wird ihr Verhalten vorausberechenbar; sie trägt zugleich auch dem demokratischen Grundsatz der Transparenz öffentlichen Handelns Rechnung“.  

Etwa alle zehn Jahre ist die Hafenentwicklung seither einer Art Generalrevision unterzogen worden. Und dies steht gemäß der Koalitionsvereinbarung aus dem Jahre 2019 auch jetzt wieder an. Heißt es doch dort:

 „Das Hafenkonzept 2020/25, das die zentralen Herausforderungen in der Entwicklung der bremischen Hafenlandschaft be­schreibt, werden wir als Leitbild für die Zukunftsorientierung der Hafeninfrastruktur und der Rahmenbedingungen für die Häfen überprüfen und in einem kooperativen Beteiligungs­prozess neu aufstellen.“

bremenports wurde von der Senatorin für Wissenschaft und Häfen beauftragt, bis zum Sommer 2022 eine transparent und partizipativ gestaltete Weiterentwicklung des bremischen Hafenkonzeptes zu erarbeiten. Begleitet wird die Erarbeitung des Fachkonzeptes durch eine Reihe von Veranstaltungen, die der Hafenwirtschaft, wissenschaftlichen Institutionen und Interessenvertretungen Gelegenheit gebe soll, ihre Gedanken in eine solches Konzept einzubringen.

Bereits im Mai hatte es zu dem neuen Hafenkonzept eine politische Auftaktveranstaltung gegeben, an die Hafensenatorin Dr. Claudia Schilling in ihren Begrüßungsworten erinnerte: „Mir war diese Auftaktveranstaltung ein großes Anliegen, um gleich zu Beginn keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Hafenpolitik hat für den Senat einen ganz besonderen, einen herausgehobenen Stellenwert.“ Dies werde auch durch die großen Investitionen deutlich, die der Senat zur Ertüchtigung der Hafenanlagen beschlossen habe.

Schilling hob hervor, dass angesichts der Herausforderungen durch den scharfen Wettbewerb, die Folgen der Corona-Pandemie, die Digitalisierung und das Klimathema eine enge Zusammenarbeit der Hafenwirtschaft mit der Politik erforderlich sei: „Unabhängig von diesen Unsicherheiten müssen wir unsere Hausaufgaben machen. Und das ist natürlich nicht alleine eine Aufgabe der Politik. Hier ist auch die Wirtschaft, hier sind auch die Umschlagsbetriebe massiv gefordert, sich wettbewerbsfähig aufzustellen. Öffentliche Investitionen, wie wir Sie bei der Ertüchtigung der Containerkaje planen, müssen mit Investitionen der Terminalbetreiber Hand in Hand gehen, um unsere Umschlagsanlagen für die Zukunft wettbewerbsfähig zu halten.“

Die Bereitschaft der Unternehmen, diesen Apell der Senatorin umzusetzen, verdeutlichte unter anderem Mikkel Andersen, Geschäftsführer bei Eurogate mit Zuständigkeit für den Containerterminal Bremerhaven. Kernthese des Hafenmanagers: Bremerhaven habe hervorragende Aussichten, sich im Wettbewerb durchzusetzen und beim Umschlag deutlich zuzulegen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Dazu seien öffentliche Investitionen in die Kajen ebenso erforderlich, wie private Investitionen in die Eisenbahnanlagen und in Automatisierungsprojekte. Unverzichtbarer Bestandteil einer Wachstumsstrategie sei dabei die Anpassung der Außenweser, eine Position, die auch der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Weser, Staatssekretär a.D. Uwe Beckmeyer in seinem Beitrag vertiefte. Das im November startende Beteiligungsverfahren biete alle Möglichkeiten, sich umfassend mit den Planungen auseinanderzusetzen. Beckmeyer hob hervor, dass gerade aus klimapolitischen Aspekten die Vertiefung der Weser eindeutig positiv sei. Denn während in den Westhäfen der Großteil der Güter über die Straße bewegt werden, hat Bremerhaven den Anteil der Schienenverkehre auf inzwischen rund 50 Prozent des Umsatzes gesteigert.

Zu Beginn der von Radio Bremen Journalistin Hilke Theessen moderierten fünfstündigen Veranstaltung im Auswanderhaus Bremerhaven hatte Eduard Dubbers-Albrecht für die Hafenwirtschaft eine enge Kooperation angeboten. Er mahnte zu mehr Tempo bei Planung und Umsetzung und bekräftigte die Notwendigkeit mit einem Offshore-Terminal einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel und für die Stärkung der Wirtschaft zu leisten.

Der Stakeholderdialog zum Hafenkonzept wird am 4. 11. Im Universum Bremen fortgesetzt.

Themenblöcke sind dann:
Wertschöpfung in den bremischen Häfen
Innovation und Digitalisierung.

Eine Dokumentation der Veranstaltung findet sich auf www.bremenports.de

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