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Maritime Vielfalt

Scharfer Blick dank Echolot

Die Seeadler ist bremenports fleißigster Datensammler

Sie ist die Meisterin im Ziehen langer Linien. Hafenbecken rauf. Hafenbecken wieder runter. Und wieder rauf und wieder runter. Bis die gesamte riesige Fläche gescannt ist. Sieht simpel aus und ist doch höchst anspruchsvoll. „Ich kann Dir die Profile auch rückwärtsfahren“, sagt Schiffsführer Oliver Beier. Und das will was heißen. Denn die Seeadler ist mit Ihren gerade mal 1,20 Meter Tiefgang ein ausgesprochen empfindsames Gerät, das sehr sensibel auf Wind und Welle reagiert. Die Route muss präzise gefahren werden, denn die Daten, die die Seeadler sammelt, sind für die Sicherheit der Seeschifffahrt in Bremerhaven entscheidend. Hin und her. Hin und Her. Immer genau auf dem Strich. Die Seeadler schafft die Basis dafür, dass die Schifffahrt in Bremerhaven immer genügend Wasser unter dem Kiel hat.

 

Hafenbecken haben eine auf den Zentimeter vorgegebene Solltiefe. 15 Meter sind es vor dem Containerterminal. Bis zu 11,60 Meter an der Columbuskaje. Die Autofrachter, die im Kaiserhafen be- und entladen werden, brauchen 10,50 Meter. Und zwar verlässlich und zu jederzeit. Und nicht ungefähr, sondern genau. Dies zu garantieren ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Denn am Boden des Flusses ist ständig Bewegung. Bei jedem Schleusengang wird eine große Menge Schlick in die abgeschleusten Bereiche gespült. Um die Hafenanlagen durchgängig verfügbar zu halten, muss also permanent gespült und gebaggert werden. Und an welchen Stellen dies am dringlichsten ist, das verraten die Daten, die die Seeadler erhebt. Sie ist quasi das Hirn und die Einsatzzentrale der Baggerei.

Wo nichts zu sehen ist, hilft das Gehör. Diese Alltagsweisheit ist zugleich das Geheimnis der Peilerei. Moderne Technik ermöglicht das „Akustische Sehen“. Wie lange benötigt der ausgesendete Schall bis das Echo am Messgerät zurück ist? Danach lässt sich fast auf den Zentimeter genau bestimmen, ob die Solltiefe noch vorhanden ist oder ob nachgearbeitet werden muss. Aber die Seeadler kann mit ihren Echoloten nicht nur die Schlickverhältnisse im Hafenbecken untersuchen, sie kann auch Daten über Kajen und Brücken liefern und damit einen Beitrag zu einer effektiven Unterhaltung der Bauwerke leisten.

Und noch etwas macht die 2016 getaufte Seeadler zu einem besonderen Unikat in der bremenports-Flotte. Das Schiff verfügt über einen Hybridantrieb und ist damit Teil der greenports-Marke. Der abgasoptimierte Dieselmotor ermöglicht eine Kraftstoffersparnis von 25 Prozent und soll den Ausstoß von Stickoxid und Kohlendioxid deutlich reduzieren. Und im Hafenbecken kann die Seeadler bis zu zwei Stunden elektrisch betrieben werden. Diese besonders leise Art der Fortbewegung bietet Vorteile beim „Hören unter Wasser“ und verspricht somit eine Steigerung der Datenqualität.

Oliver Bartz ist seit Jahrzehnten als Vermessungstechniker in den Hafenbecken unterwegs. Wo einst noch per Hand gemessen wurde, geben ihm heute hochmoderne Geräte genaue Informationen über Tiefe und Beschaffenheit des Bodens. „Ich bin gut in der Suche von Hindernissen unter Wasser. Bislang habe ich alles gefunden, was gesucht wurde.“ Das ist auch schon mal ein ins Wasser gefallener Container, ein in die Hafenbecken gestürztes Auto oder, im tragischen Falle, ein vermisster Mensch.

Im Laufe des Tages kommen so Gigabytes an Daten zusammen, die dann umgehend aufbereitet werden und diversen Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Denn die Daten schaffen nicht nur die Basis für eine effektive Baggerei. Sie helfen auch Reedereien, Hafenamt und Lotsen, die Schiffe in einen sicheren Hafen zu bringen. Oder anders: So ist die Seeadler ein Garant dafür, dass der Welthafen immer in guter Verfassung bleibt.