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Maritime Vielfalt

Sisyphos und Albatros

Eimerkettenbagger und Schlepper: Ein starkes Paar für sichere Wassertiefen

Um einen Hafen jeden Tag 24 Stunden am Laufen zu halten, arbeiten viele Spezialisten eng zusammen. Ein ganz besonderer Spezialist ist das Schiff, das die wunderschöne Typenbezeichnung „Eimerkettenbagger“ trägt. 54 Eimer an einer langen Kette, die Tag für Tag dafür sorgen, dass die Isttiefen in den Hafenbecken und an der Stromkaje auch tatsächlich den Solltiefen entsprechen.

Fünf Tage die Woche ist der „Bagger Bremerhaven“ im Einsatz. Dabei braucht das mächtige Gerät erst einmal starke Hilfe vom Schlepper Albatros. Die Albatros ist extrem wendig und damit besonders manövrierfähig. Schiffsführer und Baggerführer müssen sich blind verstehen, um den schweren Bagger auch an schwierige Einsatzorte verholen zu können.

Schlepphaken, Spillkopf, Koppelwinden, zwei Fahrmotoren und ein Hilfsdiesel sorgen für die nötige Zugkraft und Maschinenpower auch in kritischen Situationen. Dank ihres nur geringen Tiefgangs ist die Albatros auch in flachen Gewässern hervorragend arbeitsfähig. Manchmal ist sie ein „bisschen zickig“ wie Schiffsführer Detlev Haas sagt. Aber vor allem ist sie ein starkes, verlässliches und vielfältig einsetzbares Arbeitsgerät.

Sind im Winter Schleusen oder Fischereihafen vom Zufrieren bedroht, wird Albatros zum Eisbrecher, sie kann Fender verhohlen oder schwere Anker bergen. Und sie ist auch auf Strecke ein zuverlässiges Arbeitswerkzeug. Über zehn Stunden dauerte es im letzten Jahr, den Spüler der Baggergutdeponie Seehausen von Bremen nach Bremerhaven zu ziehen.

Aber der vornehmste Job der Albatros ist es, den Bagger Bremerhaven zu seinem Einsatzort zu bugsieren. Ist der erreicht, werden die insgesamt fünf Anker des Baggers ausgebracht. Dann kann die Baggerschute seitlich anlegen. Stunde um Stunde ziehen die stählernen Eimer den wässrigen Schlamm aus dem Hafenboden und kippen die gräuliche Pampe in den Bauch der Schute. Fast 20 Meter tief kann der Bagger greifen. Das ist auch für die tiefsten Stellen im Hafen immer gut ausreichend. Und der Bagger leistet schnelle Arbeit. Ist der Bauch voll, macht sich die Schute auf den weiten Weg zur Baggergutdeponie in Bremen Seehausen, wo der Schlick getrocknet und weiterverwendet oder eingelagert wird.

Seit 1988 ist der Bagger Bremerhaven verantwortlich dafür, dass Schiffe, die Bremerhaven anlaufen immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel haben. Schiffsführer Torsten Adomeit kennt den Untergrund des Hafens wie kaum ein zweiter. Aber auch ihn überrascht manchmal, was sich am Boden so alles ansammelt: vom herkömmlichen Schrott und schweren Eisenteilen, von Autoteilen bis hin zu Granat- und Munitionshülsen. Aber dank der Arbeit des Eimerkettenbaggers ist der Grund des Hafens heute viel sauberer, als in früheren Zeiten.

Neben Schiffsführer Adomeit sind zwei weitere Matrosen und ein Maschinist an Bord. Und auch deren Arbeit geht nie aus. Das 40 Meter lange und 10 Meter breite Schiff muss kontinuierlich gesäubert, geschliffen, gestrichen, geschrubbt, gewässert und gebürstet werden. Denn der Zahn der Zeit nagt besonders da, wo im salzigen Wasser viel gearbeitet wird. „Ist man an der einen Ecke fertig, geht´s an der anderen Seite gleich weiter“, sagt Torsten Adomeit.

In der griechischen Mythologie steht Sisyphos für schwere Arbeit ohne absehbares Ende. Ein glücklicher Mensch sei Sisyphos gewesen, wusste der französische Schriftstellerphilosoph Albert Camus. Für den Eimerkettenbagger gilt ohne Frage das Gleiche wie für den steinerollenden Sagenheld: Schwere Arbeit ohne absehbares Ende. Aber im Gegensatz zu Sisyphos steht der Sinn der Arbeit nie in Zweifel. Der Eimerkettenbagger ist ein Garant dafür, dass das Leistungsversprechen der bremischen Häfen eingehalten wird: 24 Stunden erreichbar. An 365 Tagen.