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Aus dem Archiv

Speicher XI: Bremens vergessener Riese

Zwischen dem ehemaligen Überseehafen und dem Holz- und Fabrikhafen steht Bremens „vergessener Riese“, der Speicher XI. Mit einer Front von 400 Metern besitzt er etwa die Länge der Obernstraße, und mit seinen 61 Böden, 32.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und einem Volumen von 110.000 Kubikmetern ist die Größe äquivalent zu 200 Einfamilienhäusern.

Ursprünglich zwischen 1908 und 1912 als Baumwollspeicher erbaut, sollte er der Warenaufnahme des Umschlags der Barkhausenkaje im Bereich des Schuppen 11 dienen. Anders als in der Hamburger Speicherstadt, in der die Speicher in einem Quartier gesammelt standen, sind die Bremer Speicher ihren entsprechenden Kajenstrecken zugeordnet, ein „Bremer System“.

1994 wurde der Speicher XI – drei Jahre nach der Hamburger Speicherstadt – unter Denkmalschutz gestellt. Im entsprechenden Gutachten wurde die besondere Fassade des Gebäudes erwähnt:

Dem Architekten (Nause von der bremischen Bauinspektion) gelang es, die ungeheure Baumasse so geschickt zu gliedern, daß selbst nach der Zusammenfassung der beiden Speicher XI und XIII die lange Fassade nicht monoton wirkt. Dies wird vor allem erreicht durch die an deutungsweise an die schmalen giebelständigen historischen Speicher der alten Hansestädte erinnernden, über die Trauflinie hinausragenden Treppenhäuser und die in gleicher Richtung wirkenden, in doppelter Anzahl vorhandenen zusätzlichen Ladelukenreihen, die eigene niedrige Zwerchgiebel besitzen und die Rhythmisierung der Fassade ebenfalls fördern. Auflockerung bewirkt auch der Wechsel zwischen der Backsteinsichtigkeit an Sockelgeschoß, Treppenhaus- (und) Ladelukentrakten, schmückenden Gesimsen, Stürzen der gekuppelten Segmentbogenfenster und den restlichen, verputzten Fassadenflächen. Im Vergleich zu den ehemaligen älteren, noch neugotisch geprägten Speichern des Europahafens ist die Ornamentik, das Historisierende zurückgedrängt. (…)“ © Landesamt für Denkmalpflege, 1994

Die erwähnte Zusammenfassung der beiden Speicher XI und XIII, die zusammen das gigantische Bauwerk ergeben, erfolgte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1947 bis 1949. In der 18,32 Meter langen Lücke zwischen den Gebäuden hatte bisher ein kleines Küpergebäude gestanden, das nun einem neuen Betriebsgebäude sowie neuem Speicherraum wich.

Nach den Wiederaufbau-Arbeiten florierten die Bremer Häfen – doch ab den 80er Jahren gingen die Geschäfte am Überseehafen zurück. Der Speicher XI lag brach und wurde 1991 schließlich, nach einem Gutachten über den baulichen Zustand des Gebäudes, geschlossen. Sieben Jahre später dann das Aus für das eigentliche Hafenbecken: 3,5 Millionen Kubikmeter Sand traten an die Stelle von Schiffen und Wasser. Zehn Jahre nach der Schließung des Speicher XI, 2001, wurde er von der Firma Dr. Hübotter Gruppe gekauft und bis 2003 saniert.

Infolgedessen wurde dem Gebäude neues Leben eingehaucht: Noch im gleichen Jahr bezog die Hochschule für Künste einen großen Teil des Raums, ein Jahr später folgten weitere Mieter, und auch das Hafenmuseum Speicher XI öffnete erstmals seine Türen für die Öffentlichkeit.

Heute gilt das zweitlängste Gebäude von Bremen als ein kulturelles Zentrum: So sind neben der Hochschule für Künste und dem Hafenmuseum auch das Zentrum für Baukultur, das Restaurant Port oder das Theater Speicherbühne beherbergt – und rund um Bremens vergessenen Riesen gibt es mit dem Schwarzlichthof, dem Hafenrummel und vielen weiteren Angeboten eine Menge zu entdecken und zu erleben.