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Maritime Vielfalt

Vom Dorf in die weite Welt – Christoph Bruns im Porträt

Als konservativ, aber weltoffen bezeichnet sich Christoph Bruns selbst. Im Vorstand der Bremischen Hafenvertretung will sich der umtriebige Geschäftsführende Gesellschafter der Bremer Sachverständigenfirma Mund + Bruns vor allem für die Nachwuchsförderung einsetzen.

 

Der Raum zur beruflichen Entfaltung ist groß. Doch während es draußen noch späthochsommerlich warm ist, mag es Christoph Bruns in seinem lichtdurchfluteten Büro unweit des Bremer Kreuzes lieber kühl. Energie hat der Geschäftsführende Gesellschafter von Mund + Bruns ohnehin genug. Die braucht er auch, für das Sachverständigenbüro mit 80 Mitarbeitern, das er seit 2006 gemeinsam mit seinem Partner Kapitän Dirk Lüdersen führt, und für seine Tätigkeit als Beisitzer im Vorstand der Bremischen Hafenvertretung (BHV), in den er vor vier Monaten gewählt wurde.

Langeweile ist für den in jeglicher Hinsicht unternehmungslustigen Unternehmer ohnehin ein Fremdwort. Was der 50-Jährige macht, macht er richtig – und gern. Das zeigt sich unter anderem bei den beiden Mahagoniregalen, die mit unzähligen zumeist antiquarischen Lehrbüchern bestückt sind. „Die habe ich tatsächlich fast alle gelesen“, sagt er schmunzelnd und fügt hinzu: „Bis auf die Lexika natürlich.“ In denen schlage er zwar gern und regelmäßig nach, sei allerdings schlecht im Zitieren. Neue Eindrücke zu sammeln, beim Lesen und vor allem der Kontakt mit Menschen, das treibt ihn an. Reisen gehören unbedingt dazu, beruflich wie privat. Dabei hat ihn womöglich auch sein familiärer Background geprägt. „Ich bin wohlbehütet in einer klassischen Seemannsfamilie in Ganderkesee im Oldenburgischen Land aufgewachsen“, erzählt Bruns. Seinen Vater, der als Kapitän zur See fuhr, habe er allerdings bis zu seinem 16. Lebensjahr kaum gesehen. Wohl deshalb war für ihn trotz einer großen Affinität zur Seefahrt und zu Schiffen früh klar: „Als Lebensinhalt hätte ich mir das nicht vorstellen können. Lange Zeit weg von der Familie und den Freunden zu sein, fand ich gruselig.“ Auch seine Mutter, von der er sagt, dass sie die beiden Kinder konservativ aber weltoffen erzogen habe, war wenig glücklich über die sieben bis acht Monate, die ihr Mann im Jahr abwesend war und überzeugte ihn schließlich, an Land zu arbeiten. In Bremen gründete Kapitän Michael W. Bruns dann 1990 gemeinsam mit Kapitän H. Peter Mund das Unternehmen Mund + Bruns.

Erst spät mit Karriereplanung begonnen
Zunächst war es für Christoph Bruns allerdings keine Option, ins väterliche Unternehmen einzusteigen. „Ich wusste damals eigentlich gar nicht, was ich beruflich machen wollte.“ Also absolvierte er zunächst in Bremen eine Ausbildung zum Speditionskaufmann und ging nach dem Abschluss zwei Jahre als Zeitsoldat zur Marine in Neustadt in Schleswig-Holstein. Im Anschluss studierte Bruns zwei Jahre Betriebswirtschaft an der Deutschen Außenhandels- und Verkehrsakademie (DAV) in Bremen. „Erst da habe ich wirklich angefangen, an die Karriere zu denken.“ Als er für einen großen Spediteur arbeitete, fragte ihn sein Vater, ob er nicht Lust habe, als Besichtiger in der Firma einzusteigen. Bereut hat er seine Entscheidung, Ja zu sagen zwar nie, aber „geschenkt wurde mir nichts“, erinnert er sich. „Für meinen Vater war klar, dass ich auf keinen Fall besser behandelt werden durfte als die anderen Mitarbeiter.“ Das bedeutete vor allem eins: „Anfangs war ich der, der am meisten arbeiten musste.“ Als Warenbesichtiger, der anders als klassische Besichtiger nicht die Interessen des Schiffs, sondern die der Ware vertritt, erforderte das ein intensives Einarbeiten. „Ich habe mir alles selbst beigebracht und mich auf Stahl konzentriert“, erinnert er sich. Ob Korrosion, Handlingfehler oder Ermüdungsbrüche, Bruns stieg so tief in die Materie ein, dass er dazu heute auf Fachtagungen Vorträge hält und von sich selbst sagt: „Ich bin in dem Bereich gut bewandert.“

Hohes zeitliches Engagement
All das ging nur mit langen Arbeitstagen, sehr langen, um genau zu sein. Über acht bis zehn Jahre arbeitete er an sechs Tagen in der Woche jeweils 16 Stunden. Hinzukam viel Reisezeit: „In den ersten 15 Jahren war ich etwa zwei Drittel des Jahres in Europa und weltweit unterwegs.“ Und das, obwohl er inzwischen längst Vater geworden war. „Papa Trinidad“ waren die ersten Worte seines Sohnes. Inzwischen sind die drei Kinder 16, 14 und 10 Jahre alt, ihr Vater hat sein Reisepensum erheblich reduziert und lässt es inzwischen etwas ruhiger angehen: „Etwa zehn bis 15 Wochen im Jahr bin ich unterwegs und hoffe, es wird noch weniger“, betont Bruns. „Jetzt habe ich ja tolle und engagierte Mitarbeiter, die diese Reisen machen.“

So bleibt endlich auch wieder mehr Zeit für seine Frau, eine Diplom-Sozialpädagogin, der er sehr dankbar dafür ist, dass sie ihm „aus freien Stücken“, wie er betont, in all den Jahren zu Hause den Rücken freigehalten hat. Denn „alles gleichzeitig, Familie und Karriere, das geht nicht“, so sein Fazit. Umso mehr freuen ihn wieder mehr private Reisen wie die gemeinsam mit seiner Frau und den Kindern wiederholte Hochzeitsreise nach Thailand im vergangenen Jahr. Das wiederum sei nur möglich, weil er sich auf seinen Partner Dirk Lüdersen, komplett verlassen könne. „Wir kennen uns jetzt seit 25 Jahren, teilen alles und haben von Anfang an auf eine 50/50-Aufteilung gebaut.“ Zugute komme ihnen dabei, dass beide extrem unterschiedlich seien, aber zugleich klar sei „zwischen uns kommt kein Blatt.“
Ein gutes Blatt, das erhofft sich Bruns beim Skatspielen, das neben dem Hochseefischen in Norwegen, dem gemeinsamen Basteln an Autos mit Freunden in einer gemieteten Halle und Poweryoga in einer bunt gemischten Männerrunde zu seinen Hobbys zählt.

Seine wohl größte Leidenschaft aber ist es, beruflich wie privat verschiedene Menschen kennenzulernen. „Ich mag einfach Menschen.“ Das ist wohl auch der Grund weshalb Bruns von sich sagt: „Meine Arbeit ist kein Job, sondern ein echter Beruf. Ich liebe das, was ich tue.“ Das gilt auch für sein Engagement beim BHV. „Ich möchte ein aktives Vorstandsmitglied sein und mich vor allem um die Nachwuchsförderung kümmern.“ Es gebe so viele tolle Menschen, die in Bremen, Bremerhaven und im Umland aktiv seien. „Die möchte ich gern zusammenbringen, um das Bundesland gemeinsam positiv weiterzuentwickeln.“ Viel Raum zur Entfaltung also hat Bruns nicht nur in seinem Büro.

Für die die Porträtserie des bremenports-Newsletters gibt Bruns den Stab weiter an Michael Guttrof, Managing Director des Transportdienstleisters Kopf + Lübben aus Bremen. „Ich habe Herrn Guttrof erst vor Kurzem im Rahmen meiner Tätigkeit im Vorstand der Bremischen Hafenvertretung kennengelernt und es hat mich sehr beeindruckt, wie unglaublich aktiv und dabei völlig unprätentiös Herr Gutroff sich an sozialen Themen und in Gremien in Bezug auf Nachwuchsförderung beteiligt.“

(Claudia Behrend)